Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Romanoff liebt Julia (R loves J)

Musical nach dem Bühnenstück „Romanoff und Julia“ von Peter Ustinov

Musik von Alexander Faris
Text von Peter Ustinov
Gesangstexte von Julian More
Deutsche Bearbeitung (Text) von Peter Goldbaum
Deutsche Bearbeitung (Musik) von Uwe Mund

Inszenierung

Uraufführung: 4. Mai 1973 
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA4. Mai 1973Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Inhaltsangabe

In einem kleinen mitteleuropäischen Zwergstaat ist ein General neuen Präsident geworden. Um dessen Unterstützung buhlend, agieren dort jeweils die Botschafter Russlands und der USA. Dumm nur, dass gerade die Kinder der beiden verfeindeten Botschafter sich ineinander verlieben – und das in Zeiten des „kalten Krieges“. Wie bei Shakespeares ‚Romeo und Julia“ versuchen die Familen diese Verbindung zu unterbinden. Mit abschließendem Erfolg gelingt es aber dem General das Glück der jungen Leute zum ersehnten Happy End zu bringen.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„So fröhlich auch die Ausstattung von Heinz Balthes in Bilderbuchnaivität schwelgte, so aufgekratzt sich Paul Vasils Inszenierung gab und so tapfer ein ansehnliches Ensemble seine Munterkeitsreserven mobilisierte – den schwächlichen Witzeleien des Textes ließ sich so wenig etwas abgewinnen wie der braven, mit Geschick arrangierten, aber einfallsarmen Stilcollage, der Musik. Ein Spezialgeschäft für alte Hüte schien da sein Lager zu räumen, und nach zweieinhalb Stunden angestrengter Langeweile regten sich müde Hände zum höflichen Applaus.

Ustinovs Idylle aus dem kalten Krieg, die den tragischen Shakespeare-Stoff ins russisch-amerikanische Spannungsfeld verlegt und ins Heitere wendet, ohne ihn ganz der Parodie auszuliefern, war in den fünfziger Jahren ein Anlaß, sich die Russenangst vom Herzen zu lachen; heute wirkt sie abgestanden, und in der Musical-Fassung sind die Klischees von der Zwergenstaatgemütlichkeit, Diplomatenschwachsinn und strammer Kommissarin noch abgenutzer.

Auch dem Gesangstexter Julian More und dem deutschen Bearbeiter Peter Goldbaum fiel nichts ein zur zeitgerechten Aufmöbelung, und in die reihum zitierende Musik fällt kein zündender Funke.“

Hans Krieger: Staubige Ladenhüter. Einfallsarme musikalische Stilcollage und schwächlicher Witz – Regie: Paul Vasil. In: Bayerische Staatszeitung, 7. Mai 1973, Seite 29.

„Aber nicht nur grosse Stoffe der Weltliteratur haben ihre Dekadenz, auch die Tausendsassas des Unterhaltungsgenres mit stets mobiler Frohnatur wie Peter Ustinow: ‚Die Liebe der vier Obersten‘ verkümmerte zur Neigung eines einzigen Leutnant Igor. Was immer im Jahre 1956 New Yorks und Londons Kritiker bewogen haben mag, ‚Romanoff und Julia‘ mit Preisen zu bedenken: Das Musical ‚Romanoff liebt Julia‘ lässt es nicht einmal mehr ahnen. Mag sein, dass die vielen Köche – Musicaltexter: Peter Ustinow, Musik: Alexander Faris, Gesangstexte: Julian More, deutsche Bearbeitung: Peter Goldbaum (Text) und Uwe Mund (Musik) – den Brei verdarben. Aber ein Brei wird das Original wohl auch schon gewesen sein.

Peter Ustinows mit Notensirup übergossene Romeo-und-Julia-Version inmitten des ach so niedlichen Ost-West-Konfliktes ist eine mondäne, keine moderne Utopie, in ihrer Sentimentalität, argloser Nettigkeit, idyllischen Anspruchslosigkeit so verlogen, dass eigentlich alle Beteiligten rot werden müssten wie das Uniform-Kostüm der sowjetischen Oberleutnantin Mafra Zlotochienko, einer Urenkelin von Ninotschka.

Dies im Schweiss der Darsteller um Heiterkeit ringende Spiel vom Sieg der Gefühle über die Weltanschauungen teilt mit so vielen Musicals das Schicksal, gar kein Musical zu sein: Es ist eine Operette mit Vollbart, mit pseudodramatischen Konfliktchen, in jammervoller Dramaturgie, die Dialoge sind so erbärmlich, dass niemand sie dem geistreichen Autor des ‚Endspurtes‘ unterschieben würde. Wenn der vielgeschmähte Lehar die silberne Operettenzeit repräsentiert, dann sind Romanoff und Julia Symbole der blechernen.“

K.A.: Romanoff liebt Julia. Uraufführung im Theater am Gärtnerplatz. In: Die Tat, Schweizer Zeitung, 19. Mai 1973, Seite 28.

„In den Beifall während und nach der Premiere mischten sich einige Buhrufe. Und das wahrhaftig nicht zu Unrecht! Einmal hatten die Spässchen und Witzchen über die Borniertheit der östlichen Ideologen und über den Grössenwahnsinn der westlichen Kapitalisten seit 1960 längst ihre Aktualität oder zumindest ihr Klima eingebüsst. Zum anderen aber kamen nun gerade diejenigen Pointen, welche Peter Ustinov in seinen Stücken auf eine so unnachahmliche Weise als Federgewicht-Vergnügen zu servieren weiss, durch die musikdramatische Aufzäumungen so plump und direkt daher, dass sie ihren Reiz verlieren mussten.

[…] Die Musik von Alexander Faris! Liebenswert und sanft lullte sie einen in bequemliche Wohltöne nach Art der Musicals von 1930 bis 1945 ein. Uwe Mund sorgte am Pult für eine diskrete Orchesterbegleitung, er vernachlässigte allerdings die Führung der Solisten. Enttäuschend war in Heinz Balthes‘ flächenhaften und beweglichen Szenerien die Inszenierung von Paul Vasil. Sie spielte gerade auf der Musikbühne schon fast peinlichen Pointen hoch, statt ihren Charme noch durch ihre Zurücknahme bis zur Diskretion zu retten.“

Klaus Colberg: West-östliches Techtelmechtel. Uraufführung im München: Ustinovs „Romanoff liebt Julia“ als Musical. In: Der Bund, 27. Mai 1973, Seite 51.

Medien / Publikationen

DVD / Video

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Romanoff liebt Julia (R loves J)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/romanoff-liebt-julia/

Letzte inhaltliche Änderung: 17. Oktober 2025.