Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Schicksal mit Musik

Musikalische Komödie in 6 Szenen

Musik von Robert Stolz
Buch und Liedertexte von Karl Farkas

Inszenierung

Uraufführung: 24. November 1946
Apollo-Theater, Wien, Österreich

Besetzung:

Premierenchronik

AUA24. November 1946Apollo-Theater, Wien

Inhaltsangabe

„Das Stück spielt in einer schäbigen Straße in Paris. Guy Dumarin trifft in einem Hotel ein. Guy geht auf sein Zimmer und legt einen Revolver an seine Schläfe. Plötzlich schreit jemand ‚Hände hoch!‘. Der Gentleman-Einbrecher Aristides fragt Guy, warum er Selbstmord begehen möchte. Guy sagt, dass er zuvor im Kampf mit dem Liebhaber seiner Frau diesen umgebracht hat, deshalb flüchten musste und nun lebensmüde sei. Aristides will Guy aufheitern und stellt ihn einem älteren Herrn, Mr. Hammond, vor. Sie treffen sich in einer Bar, die Atmosphäre ist duster und eine Band spielt Musik. Mr. Hammond verspricht Guy, ihm einen angenehmen Selbstmord zu arrangieren und tausend Dollar in bar. Dafür muss er ein Geständnis unterschreiben, in dem er den Mord an einem gewissen Bobby Lind gesteht. In seiner Verzweiflung unterschreibt er und bekommt dafür tausend Dollar. Ein junges Mädchen betritt die Bar. Guy fühlt sich sofort von ihr angezogen. Er fordert sie zum Tanzen auf. Am Ende eines sinnlichen Tangos küsst er das Mädchen und fragt nach ihrem Namen. Sie sagt: ‚Mein Name ist Bobbie Lind‘. Die Ereignisse überstürzen sich. Wohl gibt es ein Happy End, aber es ist so überraschend wie das ganze Stück.“

(zitiert nach: www.theatertexte.de [2019])

Kritiken

„Robert Stolz, der sein österreichisches Herz vor der braunen Flut nach Amerika hinüberrettete, hat es nunmehr unbefleckt wieder in seine dankbare Heimat zurückgebracht und damit das jüngste Kind seiner Laune, ein nettes kleines Gelegenheitswerk, von dem wir allerdings noch nicht die Wiederankurbelung unserer verödeten Operettenproduktion erwarten dürfen. 

Diesmal gibt es keine herkömmlichen Operetten-Ingredienzien; weder ein fürstliches Inkognito im ersten, noch ein schmerztriefendes Finale im zweiten, nicht einmal ein wehmütiges Wienerlied im dritten Akt. Überhaupt keine Schablone. Kriminalroman, Sensationsfilm und Schwank irrlichtern in dieser musikalischen Komödie um die Wette: so begeht weder der Mörder seinen wiederholt angekündigten Mord, noch macht der Selbstmörder mit seinem Plan ernst, bis am Ende jene Frau auftaucht, die mit ihrem Lächeln alle schwelenden Herzensbrände zum Erlöschen bringt.

Wie ein unversiegbarer Quell fließt Robert Stolzsche Musik. Diesmal nicht mit dem großen Schwung, den wir aus anderen Werken des Meisters kennen, sondern mit Betonung der intimen Note, mit Unterstreichung des Chanson-Tones, immer anmutig und graziös, in der sauberen Instrumentation eines erfahrenen Technikers. Die tröstende Versicherung ‚Es wird immer einen Mondschein geben und eine einsame Bank‘ wurde vom Publikum mit besonderer Freude akzeptiert und gleich im Chor mitgesungen.

[…] Der heimgekehrte Meister dirigierte selbst sein Werk mit zündendem Temperament und wurde im Kreise der Darsteller wiederholt herzlich gefeiert. Möge uns ein gütiges Schicksal mit Musik bald eine wirkliche Robert-Stolz-Operette schenken!“

Peter Lafite: Robert-Stolz-Begeisterung im Apollo, Uraufführung seiner Operette „Schicksal mit Musik“. In: Wiener Kurier, Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die Wiener Bevölkerung, Nr. 272, 25. November 1946.

„Hand aufs Herz: Wieviele von uns würden, wenn sie die Möglichkeit hätten, in Amerika aus dem Vollen zu leben und dort von Erfolg zu Erfolg zu eilen, in die Dürftigkeit unseres Wiener Winters heimkehren? Robert Stolz hat es getan und damit neuerlich bewiesen, daß sein Wienertum kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern in seinem Innersten verwurzelt ist. Hierin liegt auch das Geheimnis seiner musikalischen Faszination. Er hat vielleicht das Beste der österreichischen Wesensart in Töne gefaßt: die Gebundenheit an den Reiz der heimischen Seelenlandschaft bei weltoffenstem Sinn. So sind denn auch viele Lieder dieses mondänen steirischen Wahlwieners Volksgut geworden und in allen Weltstädten singt man seinen Ruhm.

Zum Wiedersehen hat uns der Grandseigneur im Reiche der leichten Muse gleich einen Cocktail à la viennoise gemischt, aus dem trotz des Rezepts vom Broadway sehr angenehm das Wienerische durchschmeckt. Es liegt nun einmal an der Kultur der Mischung. Karl Farkas stellte die Grundsubstanz bei (Gin und Sekt zu gleichen Teilen), in Form einer echt amerikanischen Short-storie (und auch so gestreckt wie eine solche). Ein Mann will sich das Leben nehmen und wird von Leuten, die an seiner Existenz interessiert sind, mit Hilfe einer hübschen Frau an diesem Vorhaben gehindert. Rund um das makabre Ausgangsmotiv treibt Farkas sehr amüsant mit Entsetzen Scherz. […]

Alles in allem: ein sehr reizvoller Abend, den das ausverkaufte Haus vor allem seinen berühmten Heimkehrern mit rauschendem Beifall und einem Blumenmeer dankte.“

Fritz Koselka: „Schicksal mit Musik“, Welturaufführung des neuen Robert Stolz im Apollo. In: Wiener Zeitung, Nr. 275, 26. November 1946.

„Ein böses Schicksal hat dem ‚Schicksal mit Musik‘ vor der Welturaufführung durch immer wieder verschobene Vorstellungen übel mitgespielt. Nun ist es am Sonntag im Apollo doch endlich zur Uraufführung dieser musikalischen Komödie in sechs Szenen nach dem Buch von Karl Farkas mit der Musik von dem selbst dirigierenden Robert Stolz gekommen. Vorher gab es im Vestibül viel Ärger und Drängerei, weil zahlreiche Besucher ihre früher gelösten und nicht umgetauschten Karten vorwiesen. Die Wiener sind es eben noch nicht gewöhnt, Karten mehrmals umzutauschen…

Es ist einmal etwas Neues, eine musikalische Kriminalkomödie mit teils spannenden, teils heiteren Szenen, die ziemlich lebensnah auf die Bühne gestellt werden. Die musikalische Grundsubstanz ist Wiener Melodie mit überwiegend amerikanischem Rhythmus.

Farkas belebt das Stück mit ironisierenden, aus der Wirklichkeit kommenden Dialogen und Liedertexten. Von der Musik wird sich als neuer Schlager wahrscheinlich ‚Es wird immer einen Mondschein geben‘ behaupten.“

K.B.J.: „Schicksal mit Musik“ im Apollo. In: Das kleine Volksblatt, Nr. 275, 26. November 1946.

Medien / Publikationen

Literatur

Kommentar

Mit der Uraufführung trat Robert Stolz, der erst wenige Wochen zuvor aus dem amerikanischen Exil nach Österreich zurückgekehrt war, zum ersten Mal wieder öffentlich in Wien in Erscheinung.

Das Apollo-Theater war eigentlich ein Kino. Die Aufführung war ein Gastspiel der Produktionsgesellschaft „Das Bouquet“.

Empfohlene Zitierweise

„Schicksal mit Musik“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/schicksal-mit-musik/

Letzte inhaltliche Änderung: 12. Juli 2020.