Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Shakespeare & Rock’n’Roll (Return to the Forbidden Planet)

Musical

Musik und Songtexte von div.
Buch von Bob Carlton
Deutsche Übersetzung von Harald Stadler

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 24. September 1993
Musical Theater Berlin, Berlin, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

GBUA23. Mai 1983Blackheath, London
GBWest End EA18. September 1989Cambridge Theatre, London
USAEA27. September 1991Variety Arts Theatre, New York
DDspr. EA24. September 1993Musical Theater Berlin, Berlin

Inhaltsangabe

„Es ist das Jahr 2024. Ein Raumschiff, das zu einem Routineüberwachungsflug die Erde verläßt, kollidiert mit einem Meteoritenschwarm und ist zur Notlandung auf einem sonderbaren Planeten gezwungen. Hier lebt Doktor Prospero, ein verrückter Wissenschaftler, der vor Jahren bereits dem sicheren Untergang preisgegeben schien, als ihn seine Gattin in ein ausgedientes Raumschiff lockte und kurzerhand in die Unendlichkeit des Alls schoß. Zunächst scheint die Begegnung auf dem verbotenen Planeten friedlich zu verlaufen. Als sich die geheimnisumwitterte Wissenschafts-offizierin des notgelandeten Raumschiffs jedoch als Prosperos entscheidungsfreudige Gattin entpuppt, beginnt ein unglaubliches Abenteuer um Prosperos einzigartige Erfindung – eine Zauberdroge zur Beherrschung der Welt…“

(Inhaltsangabe aus dem Flyer zur deutschsprachigen EA, Berlin 1993.)

Kritiken

„‚Shakespeare & Rock’n’Roll‘ ist der ziemlich einfallslose Titel dieser recht spritzigen Oldies-Show, die am Premierenabend lautstark beklatscht und gefeiert wurde. Genaugenommen erlebt man ein Konzert mit guten alten Bekannten, mit Ohrwürmern der fünfziger und sechziger Jahre. […] Das 12 Mitglieder starke englische Ensemble bringt das alles, verstärkt durch eine versierte, in Berlin rekrutierte Rockband samt Bläsersatz, routiniert über die Rampe. Die Songs werden geschickt um ein Handlungsgerüst drapiert, das Shakespeares Alterswerk ‚Der Sturm‘ zitiert. Prosperos Insel ist hier ein verbotener Planet, die adelige Gesellschaft, die bei ihm andockt, eine Raumschiff-Besatzung.

Das Stück, das hier effektvoll und professionell mit jeder Menge High-Tech-Brimborium geboten wird, basiert auf der in London höchst erfolgreichen und preisgekrönten Low-Budget-Produktion ‚Return to the Forbidden Planet‘. Die wiederum adaptierte ‚Forbidden Planet‘ (‚Alarm im Weltall‘), einen Science-fiction-Film der fünfziger Jahre, der den alten Shakespeare-Stoff in eine futuristische Zukunft beamte.

Ein bißchen Shakespeare also, ein bißchen Rock’n’Roll und jede Menge Lichtspiele und Laserkanonaden. Alles von der Stange, aber das überzeugende Ensemble trägt die Second-Hand-Kluft aus dem Star-Trek-Fundus mit Würde.“

Peter E. Müller: Oldie-Nacht auf Prosperos Planeten. „Shakespeare & Rock’n’Roll – Premiere im Musical-Theater Berlin an der Schaperstraße.In: Berliner Morgenpost, 26. September 1993.

„Hier in der ehemaligen ‚Freien Volksbühne‘, unternimmt Friedrich Kurz, der Musicalgeschäftsmann, nach dem Superflop mit dem ‚Marlene‘-Musical im Frühjahr am Kurfürstendamm den zweiten Anlauf auf dem Berliner Entertainment-Markt. […] Das 5-Millionen-Markt-Produkt indes, 1990 mit dem Laurence-Olivier-Preis als bestes Musical des Jahres ausgezeichnet, litt beim Import erheblich. Die Verquirlung von Shakespeares letztem Werk ‚Der Sturm‘ mit dem Science-Fiction-Movie ‚Alarm im Weltall‘ wirkt vom Text her geradezu grotesk.

Von den Shakespeare-Figuren bleiben oft nur noch die Namen. Prosperos Tochter Miranda mutiert aus Gründen der chicen Show gleich zu Marilyn Monroe im weißplissierten Kleid. Das Publikum stört das wenig. Es ist in Mitklatsch-Kindergeburtstagslaune und setzt voll auf die Rocknostalgie. Die wird mit allen Hits der 50er und 60er Jahre grell bunt bedient. Elvis Presley, Cliff Richard, Bill Haley, Beach Boys und Animals haben ihr lautstarkes Revival. Regisseur Dion McHugh setzt voll auf den High-Tech-Zauber, den Rick Belzer mit Laser-Wundern in allen Farben erfindungsreich und oft verblüffend entfesselt.“

L. Tomerius: Musical mit Rock’n’Roll, frei nach Shakespeare. In: Welt am Sonntag, 26. September 1993.

„Die Show arbeitet vor allem mit Lichteffekten (Rick Belzer), Laser modernster Art wurden hierfür neu entwickelt; aber auch die im Keller des Theaters vergessene, für die Robert Wilsons ‚Forest‘-Spektakel 1988 angeschaffte millionenteure Lichtanlage fand hier dankbaren Wiedereinsatz. Oder die Kurz-Crew nahm auch Anleihen auf bei eigenen Produktionen, wenn etwa Computer-Geist Ariel auf Rollschuhen über die schrägen Acrylflächen flitzt. Ein Blickfang die Miranda von Zalie Burrow als erst Barbie-Puppe, dann Marilyn-Verschnitt.

[…] ‚Shakespeare’s vergessenes Musical‘, so der Untertitel dieser neuen, fünf Millionen schweren Kurz-Fantasy-Produktion im selbsternannten ‚Musical Theater Berlin‘: theatralisch Neuartiges wie ‚Cats‘ oder der ‚Starlight Express‘ bietet es nicht. Und der Name Shakespeare ist wohl auch eher ein Netz, um den Absturz der einstigen Piscator-Bühne in die Fast-food-Ebene oder McDonalds-Generation zu dämpfen. Aber die Rechnung könnte diesmal aufgehen. Offenbar stimmen die Vibrationen.“

Georg-Friedrich Kühn: Fantasy-Produkt für die Fast-food-Generation. Zweitstart der Kurz-Musical-Brüder mit „Shakespeare & Rock’n’Roll“. In: Frankfurter Rundschau, 27. September 1993.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Shakespeare & Rock’n’Roll (Return to the Forbidden Planet)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/shakespeare-and-rocknroll/

Letzte inhaltliche Änderung: 12. Juni 2024.