Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Show Boat [Plauen]

Musical in 2 Akten

Musik von Jerome Kern
Buch und Gesangstext von Oscar Hammerstein II, nach dem gleichnamigen Roman von Edna Ferber
Deutsche Übersetzung von Klaus Eidam

Inszenierung

DDR Erstaufführung: 3. Juni 1972
Theater der Stadt, Plauen, DDR

Besetzung:

Angestellte bei Cap’n Andy:

Premierenchronik

USAUA27. Dezember 1927Ziegfeld Theatre, New York
GBEA3. Mai 1928Drury Lane Theatre, London
DDspr. EA31. Oktober 1970Städtische Bühnen Freiburg
AEA1. März 1971Volksoper Wien
CHEA23. Oktober 1971Stadttheater St. Gallen
DDREA3. Juni 1972Stadttheater Plauen

Inhaltsangabe

Die Handlung beginnt Ende der 1880er Jahre in den Südstaaten der USA, Andy Hawks hat mit seinem Theaterschiff gerade eine weitere Hafenstadt am Ufer des Mississippi angelaufen und macht am Kai Werbung für seine Aufführungen. Auf dem Schiff reisen die Familie des Inhabers, das Bootspersonal und das künstlerische Ensemble zusammen. Star des Ensembles ist Julie, die mit Steve verheiratet ist, was den Bootsmann Pete aber nicht hindert, ihr eindeutige Avancen zu machen. Als Steve daraufhin mit Pete in eine Prügelei gerät, feuert der Kapitän seinen Bootsmann, der auf Rache sinnt.

Die Tochter Magnolia lernt zufällig Gaylord Ravenal kennen, der im Hafen herumstreicht. Er ist professioneller Glücksspieler, hat gerade sein ganzes Geld verloren, muss die Stadt verlassen, weiß nur noch nicht wie. Die beiden jungen Leute verlieben sich auf den ersten Blick.

Währenddessen war Pete beim Sheriff, um ihm zu erzählen, dass Julie ein Mischling ist, also schwarze und weiße Eltern hat (was man ihr optisch nicht ansieht), aber mit einem weißen Mann verheiratet ist. Da Mischehen in den Südstaaten illegal sind, kündigt der Sheriff bei Andy sein Erscheinen an. Julie und Steve haben für einen solchen Fall eine Verabredung getroffen, der sie jetzt umgehend nachgehen. Er ritzt ihr eine Wunde in einen Finger und trinkt das herausströmende Blut. Als der Sheriff auftaucht, können alle Anwesenden beteuern, dass auch in Steve schwarzes Blut fließe. Der Sheriff ist gleichwohl misstrauisch und rät dem Paar, möglichst rasch die Südstaaten zu verlassen. Sie packen umgehend ihre Sachen und verlassen das Schiff. Magnolia ersetzt Julie auf der Bühne und für Steve wird Gaylord angeheuert.

In den kommenden Tagen und Wochen wächst ihre Liebe, bis sie schließlich gegen den Willen der Mutter, aber mit Zustimmung des Vaters heiraten und das Schiff verlassen. Gaylord geht wieder seiner früheren Beschäftigung als Glücksspieler nach und reist mit Frau und Tochter Kim (die nicht lange auf sich warten ließ) quer durch die Vereinigten Staaten, dorthin, wo er sich Einnahmen verspricht.

Nach der Pause erstreckt sich die Handlung bis in die zweite Hälfte der 1920er Jahre, also insgesamt über knapp 40 Jahre. Gaylord hat mal Glück, dann wieder Pech. Das Leben ist unsicher. Man verbringt die Tage in Hotelzimmern. Schließlich verlässt er Mitte der 1890er Jahre aufgrund einer Pechsträne seine Familie, Kim kommt in ein Internat, und Magnolia kehrt zurück auf die Bühne und wird schon bald ein Star.

Zum Finale lädt ihr Vater alle zu sich auf das Schiff, das er immer noch betreibt. Magnolia kommt und trifft dort zu ihrer Überraschung auch Gaylord , der sich nie wieder gemeldet hatte. Man liebt sich dennoch nach wie vor und nimmt sich beglückt in die Arme.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Alle Formen der amerikanischen Musik der 20er Jahre sind verarbeitet: Blues, Spirituel, Jazzelemente und verschiedenartige Tanzformen. Das Plauener Orchester unter Egon Reichel spielt diese Musik – eine der besten dieses Genres – erstaunlich stilecht, besonders die Blechbläser erinnerten in ihrer Klangfarbe an Big-bands – musikalisch ein Erlebnis.

[…] Das Stück mit seinen 14 Bildern ist szenisch und ausstattungsmäßig schwer zu realisieren, hat es doch Handlungsorte wie das Show Boat (Zuschauerraum und Bühne), Weltausstellung und das Innere eines exklusiven Varietés. All das geht sich bis an die Grenzen der technischen Möglichkeiten des Plauener Theaters (Ausstattung Fritz Werner). Trotzdem hätte man sich zugunsten einer schnelleren Szenenfolge in der Ausstattung beschränken sollen. Klaus Kahl, der Klaus Eidams Übersetztung in Details bearbeitete und sie theaterwirksamer machte, inszenierte mit ‚Show Boat‘ ein Stück Zeitgeschichte. […] Die Choreografie (Renate Tietze) steht in ‚Show Boat‘ vor großen Aufgaben. Man wünschte sich hier neben beeindruckender Gewissenhaftigkeit aber noch mehr Mut zu modernen Showelementen …

[…] Es ist das Verdienst des Plauener Theaters ‚Show Boat‘ für die DDR erstaufgeführt zu haben. […] Dieses Musical sollte einen festen Platz in unserem Repertoire bekommen – qualitativ steht es neben ‚Kiis me, Kate‘, ‚West side story‘ [sic] und ‚Fiddler on the roof‘.“

W. Schonder: Show Boat. In: Theater der Zeit, Heft 9/1972, Seite 58.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Video / DVD

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Show Boat“ [Plauen]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/show-boat-plauen/

Letzte inhaltliche Änderung: 23. Oktober 2023.