Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Tarzan

Musical

Musik und Songtexte von Phil Collins
Orchestrierung von Doug Besterman
Vokal-Arrangements von Paul Bogaev
Buch von David Henry Hwang
basierend auf dem Roman „Tarzan Of The Apes“ von Edgar Rice Burroughs und dem Disney-Film „Tarzan“
Deutsche Übersetzung der Dialoge von Ruth Deny
Deutsche Übersetzung der Gesangstexte von Frank Lenart

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 19. Oktober 2008  
Neue Flora, Hamburg, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

In weiteren Rollen:

Tarzan als Kind, Ensemble (Foto mit Cast von 2010)

Premierenchronik

USAUA10. Mai 2006Richard Rodgers Theatre, New York
NLEA15. April 2007 Circustheater, Scheveningen
DDspr. EA19. Oktober 2008Neue Flora, Hamburg

Inhaltsangabe

Als ein junges britische Paar nach einem Schiffsunglück an der afrikanischen Küste strandet, wird es dort von einem Leoparden angegriffen und getötet; allein das Baby überlebt. Dieses wird von Kala, einem Gorillaweibchen an Kindes Statt angenommen. In der Gorillagruppe aufgezogen wächst Tarzan zu einem jungen Mann heran, findet in Kala eine Ersatzmutter und in Terk einen Freund, während der Silberrücken Kerchak, Lebensgefährte Kalas und Chef der Gruppe, um das Menschsein Tarzans wissend, auf Distanz bleibt. Mit dem Forscher Porter und der Expeditionsgruppe, zu der auch Porters hübsche Tochter Jane gehört, kommen Menschen in den Dschungel. Tarzan rettet Jane vor dem Angriff einer Riesenspinne und verliebt sich im Laufe weiterer Begegnungen in sie. Doch die gemeinsamen Tage sind gezählt. Der Jagdführer Clayton, der eigentlich im Sinn hatte, Gorillas für den Zirkus oder für Zoos zu fangen, sieht in Tarzan eine bessere Beute. Es kommt zum Entscheidungskampf. Clayton wird besiegt, doch Kershak, der letztlich doch seinen menschlichen Ziehsohn anerkannt hat, stirbt an einer Schussverletzung. Tarzan bleibt im Dschungel, um die Gorillagruppe anzuführen. Jane findet ihre Zukunft an der Seite Tarzans.

(Klaus Baberg)

Alexander Klaws (als Tarzan, 2010)

Kritiken

„Flugbahnen vom Rang bis zur Bühne und 16 Kilometer Seil durchziehen das Theater. Eine ausgeklügelte Technik erlaubt es den Akteuren, sich scheinbar überall im Raum unvermittelt an Bungee-Seil-Lianen knapp über die Köpfe der Zuschauer fallen zu lassen, scheinbar uneingeschränkt und mit einem 360-Grad-Bewegungsradius durch die imaginären Baumwipfel zu schwingen, um rechts und links an den Theaterwänden plötzlich wieder im Dschungelgrün zu verschwinden, das sich weit ins Auditorium hineinzieht.

[…] Ausstatter und Regisseur Bob Crowley bietet neben fantasievollen Kostümen für Flora und Fauna des Dschungels immer wieder wunderschöne Bilder, getaucht in stimmungsvolles Licht – nicht von ungefähr erhielt Natasha Katz für ihr Lichtdesign der Broadway-Produktion eine Tony-Award-Nominierung. Trotzdem und obwohl die Affen nicht nur in der Luft, sondern auch auf dem Bühnenboden mit Drive bei der Sache sind (Choreografie: Sergio Trujillo), hängt die Spannung gelegentlich etwas durch. An der deutschen Adaption von Ruth Deny (Dialoge) und Frank Lenart (Songtexte) liegt es nicht.

Auch wenn vieles amüsant rüberkommt und der Konflikt zwischen Kershak und Kala um das Menschenbaby eine gewisse Dramatik aufweist – die Story an sich ist halt doch recht dünn. Und obwohl der Komponist Phil Collins heißt, sind die visuellen Reize des Abends größer als die akustischen.

[…] Das Premierenpublikum war begeistert und feierte alle Beteiligten – auch Phil Collins. ‚Tarzan‘ ist sicher nicht das stärkste Musical, aber es ist ein sehenswertes Spektakel und in Hamburgs Neuer Flora genau am richtigen Platz.“

Gerhard Knopf: Tarzan, Das Musical für die Neue Flora. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 134, Dezember 2008/Januar 2009, Seite 4- 7.

„Der Star der Show ist die Technik, und die ist wahrlich spektakulär. Der ‚Aerial Designer‘ Pichón Baldinu aus Argentinien hat für jeden der knapp 40 Darsteller ein Fluggeschirr gefertigt, das am Bungee-Seil baumelt. Diese von einem offenbar aufwendigen System gesteuerten Kunstlianen durchlaufen ausgeklügelte Flugbahnen – auch durch den Zuschauerraum, vom Rang bis runter auf die Bühne. Aus Startlöchern in Saal und Schnürboden lassen sich als Affen kostümierte Akteure immer wieder beherzt ins Geschehen fallen. Ihre gelenkten Sturzflüge entwickeln einen wunderbaren Drive, weil sie sich in jede Richtung drehen und wenden. 16 Kilometer Seil durchziehen die Neue Flora, die Wände sind mit dicken Luftkammern gepolstert, damit sich keiner der Luftakrobaten die Knochen bricht. In grünlich schimmernden Löchern in den Wänden verschwinden die Fliegenden in affenartiger Geschwindigkeit. 

Dieser ‚Tarzan‘ ist auch eine berauschende Orgie farbiger Tücher, die sich zu phantastischen Pflanzen- und Tierformen auswachsen. Riesige Schmetterlinge schweben durchs Parkett und an der Bühnenrückwand klettert die fette schwarze Riesenspinne gemächlich ins Zentrum ihres leuchtenden Netzes, in dem sich Jane auf ihrer ersten Urwalderkundung verfängt. 

Die visuellen Reize triumphieren jedoch derart machtvoll über die akustischen, dass wir zögern, dieses Bühnenereignis überhaupt noch ein Musical zu nennen. Der aus gewaltigen Boxen donnernde Soundtrack von Phil Collins ist zwar allgegenwärtig, doch außer den zum Gehörschutz eingeführten Wattestöpseln bleibt nicht viel davon im Ohr zurück. Der Song ‚You’ll Be In My Heart‘ entfaltet gewisse Haltekräfte im Gedächtnis, auch das anrührend gesungene Lied des kleinen Tarzan, der wegen der Zurückweisung des Sippen-Chefs plötzlich nicht mehr weiß, wo er hingehört, hat eine schöne und gar nicht mal einfache Melodie.“

Tom R. Schulz: Liane her – ich will Jane, „Tarzan“ als Musical. In: Die Welt, 19. Oktober 2008.

„‚Tarzan‘ beginnt mit einem Donnerschlag, der das kunstvoll auf eine Gaze-Leinwand projizierte Schiff zum Untergehen bringt. Gleich auf den Donnerschlag folgt der Auftritt der Gorillas: Sie kommen im Wortsinn aus der Luft, von hinten, von links, von rechts brausen sie an Seilen durch den Zuschauerraum. Das geht, weil das Hamburger Musical-Theater Neue Flora als steil abfallendes Amphitheater mit hoher Decke gebaut ist. Es ist ein Einstieg wie bei einem James Bond-Film: Erst mal den Zuschauer überwältigen, erst mal maximale Action, als wäre es schon das Finale. Danach liegt man platt im Sessel. Und fragt sich: Was kann jetzt noch kommen? Jetzt kommt die Story. 

[…] Gleichzeitig sprengt das Musical seine Guckkasten-Realität, indem es den Zuschauerraum mit schwingenden Affen einbezieht. Eine weit entfernte Bühnenwelt wird kombiniert mit Affen zum Anfassen. Wobei die Affen als Artisten durch den Raum schweben: ‚Tarzan‘ bedient sich beim Zirkus.

Es geht um eine Zirkusveranstaltung mit Tanz, Musik und Traumfabrik, lose zusammengehalten von einer banalen, also altersunabhängig begreifbaren Geschichte. ‚Tarzan‘ wendet sich damit nicht – wie ‚Mamma Mia‘ und das Udo Jürgens-Musical – an die Generation 55 plus. ‚Tarzan‘ ist gemacht für Familien mit Kindern. Ob ein Musical mit dieser Ausrichtung erfolgreich sein wird, ist eine durchaus offene Frage. Jedenfalls scheint es nicht ganz dumm zu sein, schon mal an das Publikum von Morgen zu denken.“

Klaus Irler: Affen zum Anfassen. In: taz, Die Tageszeitung, 19. Oktober 2008.

Nadja Scheiwiller (als Jane), Alexander Klaws (als Tarzan), 2010

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Kommentar

Die Niederländische Erstaufführung war gleichzeitig die europäische Erstaufführung.

Bourroughs schrieb im Laufe seines Lebens rund 25 weitere Romane, die sich mit dem junge britischen Adeligen beschäftigten, der als Tarzan von Affen im Kongo aufgezogen wurde.

Stage Entertainment zeigte „Tarzan“ u.a. im Stuttgarter Apollo Theater von November 2013 bis Ende August 2016 und anschließend im Metronom Theater Oberhausen bis zum 23. September 2018.

Empfohlene Zitierweise

„Tarzan“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/tarzan/

Letzte inhaltliche Änderung: 8. Oktober 2024.