Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

The Beautiful Game

Musical

Musik von Andrew Lloyd Webber
Buch und Gesangstexte von Ben Elton
Deutsche Übersetzung von Anja Hauptmann

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 24. Januar 2003
Staatsoperette, Dresden, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:

 Doppelbesetzungen alphabetisch.

Premierenchronik

GBUA26. September 2000Cambridge Theatre, London
DDspr. EA24. Januar 2003Staatsoperette, Dresden

Inhaltsangabe

„[Die Handlung] spielt in Belfast zwischen 1969 und 1972. Um die Jungs von der Straße zu holen, gründet Pater O’Donnell eine Fußballmannschaft. Für den Pater ist Toleranz praktisch gelebte Vernunft. Nicht so für einige Mannschaftsmitglieder. Hier stehen sich plötzlich Protestanten und Katholiken, pro-britische Unionisten und pro-irische Nationalisten unversöhnlich gegenüber. Aus den Randbemerkungen werden Hauptsätze. Del wird als Protestant aus der Fußballmannschaft ausgeschlossen und geht mit Christine nach Amerika. Ginger wird ermordet. Thomas geht zur IRA und verrät John. Als der nach Jahren hinter Gittern freikommt, hat er den Traum vom Fußballstar verloren, verlässt Mary und schließt sich der IRA an. Keine Perspektive, nur Hoffnungslosigkeit und doch steht am Ende Pater O’Donnell mit Marys und Johns gemeinsamen Sohn, mit der kleinen Hoffnung, von neuem das ‚herrliche Spiel‘ zu spielen. Vielleicht hat diesmal Gott ein Einsehen.“

(aus: Lutz Hesse: The Beautiful Game, Mutige Entscheidung: Andrew Lloyd Webbers ergreifendes Musical an der Staatsoperette. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 100, Seite 8-9).

Kritiken

„Lloyd-Webbers und Ben Eltons ‚Beautiful Game‘ fackelt nicht lange, kommt kontrastierend scharf geschnitten schnell zur Sache. Ebenso die Regisseurin und Choreografin Mei Hong Lin. Da folgt auf den von irischen Flöten umspielten Riverdance gleich das (präzise arrangierte) Stadionchaos – vor einem Neonpiktogramm vom Fußballfeld. Tore verwandeln sich in Gefängnisgitter, Garderobenständer in Barrikaden.

Der Sparzwang gebiert schönste Fantasiegebilde auf fast leerer, deshalb blitzschnell wechselnder Szene, auch Diana Pählers liebevolle Seventies-Kostüme machen atmosphärisch Laune. Im zweiten Teil kippt die hart an einer irischen West Side Story entlangschrappelnde Geschichte einer unbelehrbar im Glaubenskrieg um ihre Jugend gebrachte Generation ins reichlich Rührselige, doch in ihren besten, schnodderigsten Momenten atmet sie frech urbanes Gripstheater-Feeling.“

Manuel Brug: Auch der Dresdner Musical-Ball ist rund, Mit der deutschen Premiere von Lloyd Webbers „The Beautiful Game“ hat sich die totgesagte Staatsoperette behauptet. In: Die Welt, 27. Januar 2003.

„Musikalisch untermalt wird die Story von Librettist Ben Elton durch eine kontrastreiche Mischung aus zügigen Rock-Nummern und eingängigen Balladen, von denen etliche die Handschrift des Starkomponisten Webber (‚Cats‘, ‚Evita‘, ‚Jesus Christ Superstar‘, ‚Das Phantom der Oper‘) deutlich erkennen lassen. Zwischendurch klingen irische Folk-Melodien an. Die Texte der Songs, übersetzt von Anja Hauptmann, zeichnen sich durch eingängige Botschaften aus, versuchen die tragische Komplexität des Religionskonfliktes in simple Worte zu fassen. Regisseurin und Choreografien Mei Hong Lin gelingen originelle tänzerische Arrangements, etwa die energiegeladene Darstellung eines Fußball-Spiels als ballettartiges Spektakel. Etliche Handlungselemente des jüngsten Webber-Werks, das im Jahr 2000 in London uraufgeführt wurde, erinnern an den blutigen Bandenkrieg von Heranwachsenden im Erfolgsmusical ‚West Side Story‘. Originell jedoch ist die symbolhafte Bedeutung des Fußball-Sports in ‚The Beautiful Game‘, dessen Handlung zwischen 1969 und 1972 spielt: Der Mannschaftsgeist wird als Gegenentwurf zum Religionshass dargestellt.“

Stefan Fuhr: Fußball, Hass und Hoffnung: Musical „The Beautiful Game“ gestartet. In: Märkische Allgemeine (Brandenburg), 27. Januar 2003.

„Lloyd Webber hat eine Musik geschrieben, die nicht so kalkuliert wirkt und ähnlich überzeugt wie bei seinen frühen Werken. Bereits die Ouvertüre schafft Atmosphäre für den Grundkonflikt. Die musikalischen Motive reichen von irischer Volksmusik über Ballade zu Popanleihen der frühen Siebziger bis hin zur Fußballhymne, dem Titelsong ‚Ein herrliches Spiel‘ (‚The Beautiful Game‘).

[…] Frank Flade als musikalischer Leiter des Abends kann die klangliche Vielschichtigkeit mit sicherem Gespür entfalten. Was Regisseurin und Darsteller im hervorragend ausgeleuchteten Bühnenraum von Thomas Gruber umsetzen, lässt den Zuschauer nicht mehr los. Höhepunkt dieser Aufführung sind zweifelsfrei die von der chinesischen Regisseurin Mei Hong Lin choreografierten Fußballszenen.

Wie greift Politik in das private Leben ein und ändert es? Das Stück gibt uns Antworten, kann uns jedoch keine Wege aus diesem Dilemma zeigen. Die junge Truppe macht diese Geschichte zur eigenen und überzeugt. Das eigentlich unglaublich Wunderbare ist, dass es auch im oft zu unrecht abgewerteten unterhaltenden Musiktheater Stücke von einer Dimension gibt, die ergreifen und berühren, die die Beliebigkeit weit hinter sich lassen und trotzdem oder gerade deshalb so ungemein viel Erfolg haben.“

Lutz Hesse: The Beautiful Game, Mutige Entscheidung: Andrew Lloyd Webbers ergreifendes Musical an der Staatsoperette. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 100, Seite 8-9.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Empfohlene Zitierweise

„The Beautiful Game“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/the-beautiful-game/

Letzte inhaltliche Änderung: 19. Februar 2021.