Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

The Black Rider

The Casting of the Magic Bullets

Inszenierung und Bühnenbild von Robert Wilson
Musik und Gesangstexte von Tom Waits
Buch von William Burroughs
Arrangements von Greg Cohen und Tom Waits
Deutsche Übersetzung von Udo Breger und Wolfgang Wiens

Inszenierung

Uraufführung: 31. März 1990
Thalia Theater, Hamburg, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:

Premierenchronik

DUA31. März 1990Thalia Theater, Hamburg
AEA12. Juni 1990Messepalast, Wien
CHEA15. Dezember 1995Theater Neumarkt, Zürich

Die österreichische Erstaufführung war ein Gastspiel der Hamburger Produktion anläßlich der Wiener Festwochen.

Inhaltsangabe

„Zunächst die Handlung: Sie variiert die Geschichte des ‚Freischütz‘ – den uralten Mythos vom Kreuzweg und vom Pakt mit dem Teufel, eine Erzählung, die überall auf der Welt in ähnlicher Form wiedergegeben wird: Ein junger Mann muß den Probeschuß abfeuern, um die Tochter des Erbförsters samt Försterei sein Eigen nennen zu können. Aus Angst, die Probe nicht zu bestehen, verkauft der Bräutigam in spe für die unfehlbaren Zauberkugeln (‚magic bullets‘) seine Seele dem Teufel.“

(W. Wigand: Hamburg: The Black Rider. In: Das Musical, Die Musicalzeitschrift, Heft 23, Juni/Juli 1990, Seite 15-16)

Kritiken

„Teufel auch: Zum finsteren Schluß, nach knapp drei Stunden entfesseltem Gespensterzauber und trommelfellzerrüttendem Gruselsound, geschieht etwas, was selbst im schwärzesten Märchen nicht passieren darf. Ein Höllensohn fährt zum Himmel. Das Theatermärchen ist aus, das Böse triumphiert.

Doch der wahre Höllenlärm brach erst hinterher los, im Parkett und in den sonst eher ruhigen Spalten der Feuilletons. Halbstundenlang bejubelte das Premierenpublikum im Hamburger Thalia Theater das Musical […]. Der lauteste Jubel aber galt keinem der drei Urheber, sondern dem Beelzebub-Darsteller Dominique Horwitz. Mit wunderbar komischen Grimassen, weit abstehenden, grell beleuchteten Henkelohren und markerschütterndem Gesang hat Horwitz die Rolle des diabolischen Conférenciers an sich gerissen. Das Publikum zweifelte keinen Augenblick: Der Mann hat seine finale Himmelfahrt verdient. 

‚Stelzfuß‘ heißt Horwitz im Drama, das Burroughs, Wilson und Waits aus den Quellen der Weberschen ‚Freischütz‘-Oper gebastelt haben. […] Von Webers Oper dagegen blieb nichts. Denn die Frage, wer im Wettstreit des ungleichen Künstlertrios Burroughs/Wilson/Waits schließlich die Oberhand behielt, ist schnell entschieden: ‚The Black Rider‘ ist vor allem ein Musical von Tom Waits. Es ist die ‚Cats‘-Version für Intellektuelle und Snobs.“

(ohne Namen): Teufelspakt für Millionen. In: Der Spiegel, Heft 15, 9. April 1990, Seite 239-240.

„Standing Ovations für ‚The Black Rider‘ im Hamburger Thalia-Theater. Robert Wilson (Regie), Tom Waits (Musik), William S. Burroughs (Buch) sowie ein glänzend disponiertes Ensemble – allen voran Annette Paulmann als Käthchen – wurden begeistert für ihre Leistungen gefeiert. Als Rock-Star Tom Waits im Premierentaumel dann noch zum Mikrofon griff und eine Strophe des Titelsongs hineinröhrte, brandete einstimmiger Jubel vom Parkett bis zum Rang.

Was wurde da geboren? Ein Musical? Dann besteht vielleicht doch noch Hoffnung für die künstlerische Zukunft dieses von Entertainment-Spekulanten zugrundegerichteten Genres – und diese Hoffnung kommt (paradoxerweise oder zukunftsweisend?) vom Sprechtheater.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Dieser Triumph war nicht vorprogrammiert, erwartet wurde er ohnehin nicht. Denn dafür sah das teure Spiel mit den drei amerikanischen Assen viel zu sehr nach einer der üblichen Kalkulationen des Kulturbetriebes aus: exotische Namen, hoher Einsatz – und da war noch die fahle Erinnerung an Robert Wilsons Mittäterschaft beim klebrig-kitschigen ‚The Forest‘ an der Berliner Volksbühne. […] ‚The Black Rider‘ ist ein Musical, kein Zweifel. Aber ist es, wie es ja der hochgesteckte Anspruch der Verantwortlichen war, das Über-Musical geworden? – Nein!“

W. Wigand: Hamburg: The Black Rider. In: Das Musical, Die Musicalzeitschrift, Heft 23, Juni/Juli 1990, Seite 15-16.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Kommentar

Das Stück basiert auf der deutschen Volkssage „Der Freischütz“ von August Apel und Friedrich Laun aus dem Jahr 1810.

Empfohlene Zitierweise

„The Black Rider“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/the-black-rider/

Letzte inhaltliche Änderung: 18. Februar 2020.