Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Wodka Cola (Leave it to me)

Musical

Musik und Songtexte von Cole Porter
Buch von Bella und Samuel Spewack
Deutsche Übersetzung von Michael Kunze
Stuttgarter Fassung von Dietrich Hilsdorf und Michael Quast

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 31. Dezember 1987 
Württembergisches Staatstheater, Stuttgart, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA9. November 1938Imperial Theatre, New York
DDspr. EA31. Dezember 1987Württembergisches Staatstheater, Stuttgart

Inhaltsangabe

„[…] schickt nun das Staatstheater Stuttgart A.P. Goodhue, den Badewannenproduzenten aus Little Peatown als Botschafter nach Moskau. Und das nur, weil er zufällig mehr für die Regierungspartei gespendet hat, als der Zeitungsboß Mr. Brody. Goodhue ist damit ebenso unglücklich, wie Mr. Brody darüber wütend ist. Brody schickt daraufhin seinen Zeitungsreporter Tom Thomas auch nach Moskau, damit er den Konkurrenten Goodhue abservieren kann. Der etwas trottelige Badewannenproduzent wünscht sich aber nichts sehnlicher, als wieder heim in den Westen zu dürfen. Tom rät Goodhue, einen politischen Fehltritt nach dem anderen zu begehen, doch was er auch tut, er erntet Lob und hohe Auszeichnungen. Jubel statt Tadel bringt ihm beispielsweise ein Tritt in den Hintern des bundesdeutschen Botschafters ein (Washingon kabelt sofort „Treten Sie ihn nochmal!“), und durch ein geplantes Scheinattentat verhindert er ein wirkliches Attentat auf den sowjetischen Außenminster Schewardnadse. A.P. Goodhues Abberufung erfüllt sich erst, als er einen Friedensplan entwickelt.“

Gerhard Knopf: Kalter Kaffee. Nichts Prickelndes bei ‚Wodka Cola‘ in Stuttgart. In: Das Musical, Heft 9, Februar/März 1998, Seite 20-21.

Kritiken

„Das alles ist ja ganz nett und war im Jahre 1938 sicher gewagter als heute, doch die Story ist allemale zu dünn, um daraus ein Politstück zu machen. Was in Stuttgart von dieser ‚musical comedy‘ übrig blieb, war verschwindend gering. Regisseur Dietrich Hilsdorf unternahm etliche Klimmzüge, um politische Satire über die Rampe zu bringen, was ihm dann aber doch nicht kabaretreif gelang. Für den Showteil jedenfalls schienen ihm die Kräfte bereits zu fehlen. Was hätte Jerome Savary, ursprünglich als Regisseur vorgesehen, dann aber wegen seiner Arbeit an ‚Cabaret‘ abgesprungen wohl daraus gemacht?

[…] Und nicht zuletzt demonstrierten einige Protagonisten überdeutlich, daß nicht jeder gute Staatsschauspieler auch ein guter Musicaldarsteller sein muß. An dieser Tatsache führt nun mal kein Weg vorbei. Auch die Ballettcompany erinnerte eher an ein drittklassiges Fernsehballett, was im wesentlichen an der fantasielosen Choreographie von Newa Howard (‚Linie 1‘ in Berlin und Stuttgart) lag, die ihre Truppe ganz offensichtlich nicht genügend gefordert hatte.

[…] ‚Wodka Cola‘ ist nun mal nicht gerade ein überaus prickelndes Getränk, was aber in Stuttgart serviert wurde, war allenfalls schales Mineralwasser, und wer trinkt das schon gern? Vieleicht das Publikum, denn es bejubelte die Produktion, als gelte es, einen neuen Hit zu feiern.“

Gerhard Knopf: Kalter Kaffee. Nichts Prickelndes bei ‚Wodka Cola‘ in Stuttgart. In: Das Musical, Heft 9, Februar/März 1998, Seite 20-21.

„Der Regisseur Dietrich Hilsdorf, seit seiner Frankfurter Fassbinder-Inszenierung von »Der Müll, die Stadt und der Tod« im diplomatischen Schlamassel nicht eben unerfahren, hat sein aktualisiertes Russen-Stück angerichtet wie einen zu üppigen Borschtsch mit Tanzeinlagen.

Grell und schrill donnert die Botschaftergattin ihren »Schlappschwanz« von Fabrikantengatten eine steile Karrieretreppe rauf und runter, der deutsche Botschafter (Ost) sächselt, sein Pendant aus dem Westen gibt fränkische Volksweisheiten von sich: »Tritt dir ein Ami hinten rein, kannst bald du Bundeskanzler sein.

[…] Die Übersetzung des 1938 am Broadway uraufgeführten Musicals hat der Schlagertexter und Doktor der Jurisprudenz Michael Kunze besorgt, der sich schon anderwärts um die Geschicke der Getränkeindustrie („Die kleine Kneipe“) und den Rausch der großen Politik („Evita“) verdient gemacht hat. Die Transponierung des Polit-Spektakels in die Ära Reagan, Gorbatschow und Kohl ist dem Texter um so leichter gefallen, als das im Weißen Haus, im Kreml und am Rhein regierende Panoptikum von Politikern auch nach 50 Jahren Krieg, kaltem Krieg und Entspannung nicht weniger kindisch geworden ist, als es in den dreißiger Jahren war.“

Barbara Grimm & Michael Quast: Stalin am Broadway. Ein Cole-Porter-Musical, das die komplizierten Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR 1938 besang, wurde in Stuttgart zum Ausklang des Glasnost-Jahres aktualisiert. In: Der Spiegel, 1/1988.

„Dem Stoff fehlt das lebensnah Überschaubare und Erfahrbare. Es ist mehr eine politiklamottige Posse mit Gesang. Aber diesem dünnen Stückchen solider Spaßmacherei aus den dreißiger Jahren nun auch noch Glasnost, Gorbatschow, DDR und BRD, Rust-Cessnar und Reagan-Anekdoten aufzuladen, also so zu tun, als seien fünfzig Jahre nur ein Tag, ist dramaturgisch wenn nicht ein Wahnwitz, so doch eine unproduktive Frechheit.

[…] Zum Song der Frau des Botschafters und auch sonst von Fall zu Fall tanzen in Stuttgart eine Reihe von Girls und Boys, denen man bei jedem Schritt, jeder Drehung, jedem Sprung die ungeheure Anstrengung ihrer Tanzarbeit anmerkt. Abgesehnen davon, daß kaum etwas synchron zusammengeht, scheinen sie alle Blei in den Beinen und Säure in den Mienen zu haben.

[…] Eine riesige, betonverputzte Wendeltreppe, an den Rundwänden des schon schaudernd erwähnten bestialischen Bunkers entlang (‚Bühne‘: Johannes Leiacker) ließ eigentlich keine Auftritte und Abgänge zu, sondern war eine erbarmungslose Falle für jede Art von Beinen.“

Gerhard Stadelmaier: Sirup ohne Schuß. „Wodka Cola“, ein Musical frei nach Cole Porter, angerichtet im Stuttgarter Kleinen Haus. In: Stuttgarter Zeitrung, 2. Januar 1988.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Empfohlene Zitierweise

„Wodka Cola (Leave it to me)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/wodka-cola/

Letzte inhaltliche Änderung: 14. September 2023.