Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Wonderful Town [Oberhausen]

Musical

Musik von Leonard Bernstein
Buch von Joseph Fields und Jerome Chodorov
nach der Komödie „My Sister Eileen“ von Joseph Fields und Jerome Chodorov und den gleichnamigen Kurzgeschichten von Ruth McKenney
Liedtexte von Betty Comden und Adolph Green
Deutsche Fassung von Marcel Prawy

Inszenierung

Deutsche Erstaufführung: 7. November 1981
Theater, Oberhausen, Bunderepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA25. Februar 1953Winter Garden Theatre, New York
GBEA23. Februar 1955Princess Theatre, London
ADspr. EA9. November 1956Volksoper, Wien
DEA7. November 1981Theater, Oberhausen

Inhaltsangabe

Das Stück erzählt von zwei jungen Frauen, die aus einer verschlafenen Kleinstadt in Ohio nach New York kommen, um dort ihr persönliches und berufliches Glück zu finden. Eileen, die jüngere, will Schauspielerin werden, ihre Schwester Ruth als Schriftstellerin ihr Geld verdienen. Es ist das Jahr 1935, und die Lebensbedingungen sind aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation alles andere als einfach. Die Schwestern landen in Greenwich Village, dem Künstlerviertel von New York, auf der Christopher Street und beziehen eine schäbige Kellerwohnung, unter der mit viel Lärm der U-Bahn-Bau vorangetrieben wird. In den folgenden Tagen und Wochen lernen sie alle möglichen Typen aus dem Viertel kennen, erleben einige unverhoffte Großstadtabenteuer (die sie nicht zuletzt kurzfristig ins Gefängnis bringen) und erreichen schließlich – zumindest so ungefähr – das Gewünschte. Ruth erhält einen Job als Journalistin bei der Zeitung und lernt in Robert Baker den Mann fürs Leben kennen, und Eileen erhält ein Engagement als Sängerin (wenn auch nur in einem Nachtclub).

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Zuerst verschlug es manchem schier die Sprache, als das Musical ‚Wonderful town‘ so flott begann: mit dem jazzig lautstarken Melodienkranz des Vorspiels, den ersten überraschenden Bildwechseln, der originellen Tanznummern, wie die Ohio-Mädchen zwischen Wolkenkratzern umherirren mit ihrem „ich suche einen Job“.

[…] Schlußapplaus gab es jedenfalls in der Premiere genug und dieser war von den Ausführenden wohlverdient, zumal der Intensität wegen, mit der dem Anspruch der Gattung Musical standgehalten wurde, im Spielen, Tanzen, Singen zu gleich.“

FWD: Heitere Bilder aus New York. Bernsteins Musical ‚Wonderful Town‘ fand Beifall. In: Neue Ruhr Zeitung, 9. November 1981.

„Wenngleich man nun in Oberhausen sichtlich bemüht war, das Werk vom Weaner Charme und angestaubter US-Romantik zu befreien, so präsentiert sich ‚Wonderful Town‘ doch als Zerrbild der Metropole New York.

Bernsteins Musik stellt das von Saul Schechtmann geleitete Orchester in Oberhausen vor erstaunlich wenige Probleme, vor allem die Bläser setzten die jazzähnlichen Rhythmen und Melodien sicher um. Weit weniger überzeugen kann Joel Schnees Inszenierung, die es an einer pointierten Dialogführung mangeln läßt. Schnees Choreographie dagegen findet im praktikablen Bühnenbild Werner Schwenkes durch das Ballett eine temperamentvolle, technisch präzise Umsetzung.

Durch gesangliche und darstellerische Sicherheit überzeugt das Ensemble mit der herausragenden Elfie Gerhards, die der Schriftstellerin Ruth sensibles und lebendiges Gewicht gibt.“

Michael Schmitz: Großstadt-Melodie. Oberhausen: Bernstein-Musical. In: WAZ, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 9. November 1981, Seite: Kultur.

„‚Wonderful Town‘: ein für die amerikanische Gesellschaft maßgeschneidertes Musical, mit dem Erfolgsgaranten Bernstein als Macher. Und in Oberhausen? Joel Schnee aus Kassel inszeniert, nein, er choreographiert die schöne Schnulze von gestern mit Drall und Drive. Er bringt das gesamte Ensemble in tänzerische Bewegung. Flott geht es zu, kaum dehnt sich einmal eine Atempause – Schnee hält, zusammen mit dem etwas vordergründig leitenden Mann am Pult, Saul Schechtmann, die Truppe auf Trab.

So wird Marcel Prawys biedere Eindeutschung der sicherlich keckeren Originaldialoge erträglich: die Rasanz der Szene verdrängt das Mittelmaß des Textes. Schnee/Schechtmann und das temperamentvoll agierende, allerdings nicht immer sauber singende Enemble des Oberhausener Theaters – Intendant Gerhards sucht bekanntlich gern die Broadway-Erfolge von gestern und hat damit durchaus heute Erfolg – sichern ‚Wonderful Town‘ einen guten Eindruck.“

Jörg Loskill: Von gestern. Bernstein-Musical „Wonderful Town“ in deutscher Erstaufführung. In: Die Deutsche Bühne, Das Theatermagazin, Heft 1/1982, Seite 29.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Kommentar

2016 schrieb Roman Hinze eine neue Übersetzung, die noch im selben Jahr in der Dresdner Staatsoperette zur Aufführung kam.

Empfohlene Zitierweise

„Wonderful Town [Oberhausen]“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/wonderful-town-oberhausen/

Letzte inhaltliche Änderung: 17. November 2022.