{"id":1350,"date":"2024-11-08T08:59:17","date_gmt":"2024-11-08T07:59:17","guid":{"rendered":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/?p=1350"},"modified":"2024-11-14T11:00:40","modified_gmt":"2024-11-14T10:00:40","slug":"der-tunnel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/der-tunnel\/","title":{"rendered":"Der Tunnel"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Musical<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Musik von Thilo Wolf<br>Text von Ewald Arenz<br>in Zusammenarbeit mit Jean Renshaw<br>nach dem Roman &#8222;Der Tunnel&#8220; von Bernhard Kellermann<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inszenierung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urauff\u00fchrung: 16. Oktober 2015<br>Stadttheater, F\u00fcrth, Bundesrepublik Deutschland<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Musikalische Leitung: Thilo Wolf<\/li>\n\n\n\n<li>Regie: Jean Renshaw<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00fchnenbild &amp; Videogestaltung: Marc Jungreithmeier<\/li>\n\n\n\n<li>Kost\u00fcme: Anna Ignatieva<\/li>\n\n\n\n<li>Maske: Nicole Z\u00fcrner<\/li>\n\n\n\n<li>Lichtgestaltung: Sebastian Carol<\/li>\n\n\n\n<li>Konzeption &amp; Mediengestaltung der Projektionsfl\u00e4chen: Anne Chahine<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besetzung:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Mac Allen, Ingenieur: Alen Hodzovic<\/li>\n\n\n\n<li>Maude, seine Frau: Caroline Kiesewetter<\/li>\n\n\n\n<li>Charles Horace Lloyd: Ansgar Sch\u00e4fer<\/li>\n\n\n\n<li>Ethel Lloyd, seine Tochter: Antje Eckermann<\/li>\n\n\n\n<li>Samantha Woolf, Banmanagerin: Bettina Meske<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;M&#8220;, der Spielverderber \/ Personal Trainer: Oliver Fobe<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Premierenchronik<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>D<\/td><td>UA<\/td><td>16. Oktober 2015<\/td><td>Stadttheater, F\u00fcrth<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inhaltsangabe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Grundlage ist der 1913 erstmals erschienene Roman &#8218;Der Tunnel&#8216; des F\u00fcrther Autors Bernhard Kellermann.<br>Das Musical beginnt mit dem gro\u00dfen Plan des Ingenieurs Mac Allen. Er verspricht dem einflussreichen Milliard\u00e4r Lloyd und der Welt\u00f6ffentlichkeit, mit neuester Konstruktionstechnik und ca. 180 000 Arbeitern in 15 Jahren einen 5000 km langen Tunnel durch den Atlantik zu bauen. Die wahnwitzige Idee, Nordamerika und Europa auf dem &#8222;&#8218;Landweg&#8216; zu verbinden, \u00fcberzeugt nicht nur Lloyd, sondern auch andere Gro\u00dfindustrielle. Hinter den Kulissen spielt au\u00dferdem Lloyds Tochter Ethel eine gro\u00dfe Rolle. Sie verliebt sich in den Ingenieur und tut alles, um Mac Allen f\u00fcr sich zu gewinnen, obwohl er verheiratet ist. Mac Allans Frau Maud ist unzufrieden mit der sich anbahnenden Situation, denn Mac Allen lebt nur noch f\u00fcr den Tunnel und hat fast gar keine Zeit mehr f\u00fcr die Familie.<br>Mit der Leitung eines Atlantik-Tunnel-Syndikats wird die B\u00f6rsenspekulantin Woolf betraut. Sie sorgt weltweit f\u00fcr ein regelrechtes B\u00f6rsenfieber. Jeder, der es sich halbwegs leisten kann, erwirbt Anteile am Syndikat. Doch im siebten Baujahr ereignet sich 340 km vom amerikanischen Tunneleingang entfernt eine gewaltige Explosion. Tausende Arbeiter kommen ums Leben und das Syndikat ger\u00e4t ins Wanken&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Inhaltsangabe Stadttheater, F\u00fcrth, 2015)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritiken<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Arenz sch\u00e4lte aus der zwischen Faszination und Systemkritik wuchernden Geschichte ein \u00fcbersichtliches Stationen-Drama, das Haltestellen f\u00fcr jeden Aufkl\u00e4rungs-Anlass bietet. Der Pioniergeisterfahrer Mac Allen, Mann aus Eisen und Schrott sowie vermutlich beil\u00e4ufig Erfinder des Begriffs &#8218;Tunnelblick&#8216;, der seine ma\u00dflose Vision samt ihrer tausendfachen Opfer zum &#8218;Menschheitstraum&#8216; verkl\u00e4rt. Umgeben von zwei konkurrierenden Frauen, gelenkt von Investoren und B\u00f6rsenmaklern, genervt von einem herumgeisternden Coach, dessen Gratis-Zynismen f\u00fcr vor\u00fcbergehende Ern\u00fcchterung im Sendungsbewusstsein sorgen. Ein wenig Mephisto, ein wenig mehr noch &#8218;Cabaret&#8216;-Conferencier steckt in dieser Figur, von Oliver Fobe zum Fixpunkt der Irritation gemacht. [&#8230;]&nbsp;Er ist die interessanteste Person im Libretto-Sortiment, weil sie ungestraft den Handlungsfaden mit den Assoziationen des Nachsch\u00f6pfers verknoten kann. Da tun sich die Andern schwerer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;]&nbsp;Der Weg zwischen Privatleben und Weltgeschichte, Partyplappern und Katastrophe, hin und zur\u00fcck und auch mal au\u00dfen rum, ist mit 18 Songs gepflastert. Die Z\u00fcchtung von Ohrw\u00fcrmern war dem komponierenden Jazz-Pianisten Thilo Wolf weniger wichtig als der einheitliche Klangteppich, der sich wie gekl\u00f6ppelt unter die Vielfalt der Songnummern schiebt. F\u00fcr sie greift der Musiker tief in die eigene Erfahrungsschatzkiste, verteilt kantige Rhythmen aus dem Lehrbuch von Foxtrott, Tango, Rap und Rumba. Wolfs Swing-Motorik schnurrt ge\u00f6lt durch den Abend. Die S\u00e4nger sind alle stilsicher und hochprofessionell, k\u00f6nnten m\u00fchelos in jedem St\u00fcck von &#8218;Jesus Christ Superstar&#8216; an aufw\u00e4rts ihren Platz finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;]&nbsp;Auf der Drehb\u00fchne die neutralisierte Skyline aus dem vergr\u00f6\u00dferten Modellbaukasten, die erst per Video-Flutung zum austauschbaren Stadtbild oder zum flammenden Katastrophen-Szenario wird. Ansonsten ist die Ballung von gestaffelten Podesten der schwindelerregende Kletter-Parcours f\u00fcr alle, die da ohne Gel\u00e4nder nach ganz oben streben. Renshaw spielt mit der Metapher der Absturzgefahr, wie sie auch mehrfach Dialogs\u00e4tze zur Schablone macht, indem sie deren Wiederholungen wie einen Sprung in der Platte zelebriert. Sie sucht erfolgreich die inszenatorische Irritation, wenn die Story samt ihrer systemkritischen Umrankungen allzu glatt l\u00e4uft und f\u00e4hrt mit trockenem Witz dazwischen, sobald es betulich wird. Am Ende knallt sie dem Zuschauer, der da grade auf wahlweise tragische oder vers\u00f6hnliche Schlussperspektive eingestimmt ist, einen Blackout vor den Latz. Nein, es gibt keine tr\u00f6stliche Gewissheit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieter Stoll: Traum mit Absturzgefahr. In: Die Deutsche B\u00fchne, 18. Oktober 2015.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Doch die mit beeindruckenden visuellen Effekten (B\u00fchnenbild Marc Jungreithmeier) ausgestattete Inszenierung von Jean Renshaw mag trotz schauspielerischer und gesanglicher Glanzleistungen nicht so recht z\u00fcnden. Der erste Teil schleppt sich angesichts von Textl\u00e4ngen und Dialogplattit\u00fcden qu\u00e4lend dahin. Immerhin nimmt anhand der Dramatik des Stoffs (das Tunnelprojekt fordert wegen einer gigantischen Explosion 8000 Tote) der zweite Teil mehr Fahrt auf. In ihm wird auch die Gesellschaftskritik deutlich. Ein blinder Technikglaube gepaart mit skrupelloser Geldgier in Form von Aktienspekulationen offenbaren die wahre Triebfeder f\u00fcr das Wahnsinnnsbauwerk. Hieraus speist sich auch die Aktualit\u00e4t der Inszenierung. Der unreflektierte Glaube an die Segnungen der Digitalisierung entfalten derzeit den gleichen Effekt. Sinnbild f\u00fcr das Machbare des scheinbar Unmachbaren sind der Ingenieur Mac Allen, der Gro\u00dfunternehmer Charles Horace Lloyd und Bankerin Samantha Woolf. Alen Hodzovic verleiht dem selbstverliebten Ingenieur die n\u00f6tige Portion Besessenheit, Ansgar Sch\u00e4fer dem Gro\u00dfindustriellen die n\u00f6tige Portion Geldgier und Bettina Meske der Bankiersfrau die n\u00f6tige Portion Skrupellosigkeit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ralph Schweinfurth: Gelungene Inszenierung trotz unertr\u00e4glicher Plattit\u00fcden. Musical &#8222;Der Tunnel&#8220; feierte im Stadttheater F\u00fcrth eine umjubelte Premiere. In: Bayerische Staatszeitung, 18. Oktober 2015.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;F\u00fcr das passende &#8218;Metropolis&#8216;-Feeling dieses Vintage-Science-Fiction-Abenteuers sorgt in F\u00fcrth, neben den stilvollen, meist in Schwarz, Wei\u00df und Grau gehaltenen Kost\u00fcme von Anna Ignatieva, vor allem die B\u00fchneninstallation von Marc Jungreithmeier. Eine Ansammlung von Quadern, Leitern und T\u00fcrmen, die durch raffinierte Projektionen mal die kalte, abweisende Skyline von New York, mal das Innere eines gigantischen Banksafes oder eben auch die einsturzgef\u00e4hrdete Tunnel-Baustelle markiert, gew\u00e4hrleistet dank Einsatz der Drehb\u00fchne schnelle Szenenwechsel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;] Sicher, man kann nicht zweieinhalb Stunden permanent aufs Gaspedal dr\u00fccken, aber wenn Regisseurin Jean Renshaw die Figuren bei den ohnehin manchmal etwas lang geratenen Sprechszenen auch noch in die Warteschleife schickt und Textpassagen gleich mehrfach wiederholen l\u00e4sst, bremst das die ganze Sache noch einmal zus\u00e4tzlich aus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tobias Hell: Vintage Science Fiction. Urauff\u00fchrung &#8222;Der Tunnel&#8220; in F\u00fcrth. In: blickpunkt musical, Ausgabe 79, Nr. 06\/2015, November 2015 &#8211; Januar 2016, Seite 18-20.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Medien \/ Publikationen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Literatur<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bernhard Kellermann: <em>Der Tunnel<\/em>. Roman. Ars vivendi Verlag, 2015.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kommentar<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim &#8222;Deutschen Musical Theater Preis&#8220; 2016 wurde &#8222;Der Tunnel&#8220; in vier Kategorien nominiert; ausgezeichnet wurden Marc Jungreithmeier f\u00fcr das \u201ebeste B\u00fchnenbild&#8220; und Bettina Meske in der Kategorie &#8222;beste Nebendarstellerin&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Empfohlene Zitierweise<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Der Tunnel&#8220;. In: Musicallexikon. Popul\u00e4res Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg. https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/der-tunnel\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzte inhaltliche \u00c4nderung: 7. April 2024.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musical Musik von Thilo WolfText von Ewald Arenzin Zusammenarbeit mit Jean Renshawnach dem Roman &#8222;Der Tunnel&#8220; von Bernhard Kellermann Inszenierung Urauff\u00fchrung: 16. Oktober 2015Stadttheater, F\u00fcrth, Bundesrepublik Deutschland Besetzung:&nbsp;&nbsp; Premierenchronik D UA 16. 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