{"id":3232,"date":"2024-11-22T16:06:13","date_gmt":"2024-11-22T15:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/?p=3232"},"modified":"2025-06-20T15:19:26","modified_gmt":"2025-06-20T13:19:26","slug":"kretschinskis-hochzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/kretschinskis-hochzeit\/","title":{"rendered":"Kretschinskis Hochzeit"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Musical in zwei Teilen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Musik von Alexander Kolker<br>Buch und Liedtexte von Kim Ryshow<br>Nach der gleichnamigen Kom\u00f6die von Alexander Wassiljewitsch Suchowo-Koblyn<br>Deutsche B\u00fchnenfassung von Ingeburg Kretzschmar<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inszenierung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschsprachige Erstauff\u00fchrung: 9. September 1977<br>Metropol-Theater Berlin, DDR<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Regie: Hans-Joachim Martens<\/li>\n\n\n\n<li>Musikalische Leitung: Hans-Werner Nicolovius<\/li>\n\n\n\n<li>Ausstattung: Werner Schulz<\/li>\n\n\n\n<li>Choreographie: Johanna Freiberg<\/li>\n\n\n\n<li>Ch\u00f6re: Kurt Damies<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besetzung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Pjotr Konstantinowitsch Muromski, ein reicher Gutsbesitzer: Gert B\u00f6hme \/ Gottfried Strehle<\/li>\n\n\n\n<li>Lidotschka, seine Tochter: Kriemhild Martens \/ Margot Stejskal<\/li>\n\n\n\n<li>Anna Antonowna Atujewa, ihre Tante: Margot D\u00f6rr \/ Marioara Vaidas<\/li>\n\n\n\n<li>Wladimir Dmitritsch Nelkin, Gutsbesitzer, Nachbar der Muromskis: Joachim Kuhnert \/ Hans Pschichholz<\/li>\n\n\n\n<li>Michail Wassiljewitsch Kretschinski, verarmter Adeliger und Spieler: Wolfgang Eilers \/ Fritz Hille<\/li>\n\n\n\n<li>Iwan Antonowitsch Rasplujew, Gnadenbrotempf\u00e4nger bei Kretschinski: Karl-Heinz Bentzin \/ Gunter Sonneson<\/li>\n\n\n\n<li>Nikanor Sawitsch Bek, Wucherer: Paul Arenkens<\/li>\n\n\n\n<li>Schtschebnjew, Kaufmann: Rudolf Hentschel \/ Martin Fleck<\/li>\n\n\n\n<li>Tischka, Diener im Hause Muromski: Werner Wittmar \/ Hans Recknagel<\/li>\n\n\n\n<li>Fjodor, Kammerdiener bei Kretschinski: Thorsten Kaphahn \/ Karl-Heinz Kossler<\/li>\n\n\n\n<li>Polizeibeamter: Hans Glogowski<\/li>\n\n\n\n<li>Spieler, Diener, G\u00e4ste, Gauner, Polizisten, eine Menschenmenge im Laden des Wucherers Bek: Chor und Ballett des Metropol-Theaters<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die jeweilige Besetzung wurde durch Aushang bekanntgegeben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Premierenchronik<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>UdSSR<\/td><td>UA<\/td><td>7. Juni 1973<\/td><td>Musikalische Kom\u00f6die, Leningrad<\/td><\/tr><tr><td>DDR<\/td><td>Dspr. EA<\/td><td>9. September 1977<\/td><td>Metropol-Theater, Berlin<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inhaltsangabe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ausgangspunkt des ersten Teiles der Kom\u00f6die &#8218;Kretschinskis Hochzeit&#8216; ist der \u00f6konomische Niedergang des Feudaladels in Ru\u00dfland in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Situation brachte viele adlige Hasardeure hervor, die, selbst verarmt, durch Gl\u00fcck im Spiel oder eine Geldheirat, die Mittel f\u00fcr ein &#8217;standesgem\u00e4\u00dfes&#8216; Leben gewinnen wollten. Einer davon ist der heruntergekommene Adlige Michail Wassiljewitsch Kretschinski, der im Gl\u00fccksspiel sein ganzes Verm\u00f6gen verloren hat. Dadurch ger\u00e4t er in die H\u00e4nde des gewissenlosen Wucherers Bek. Um aus seiner finanziellen Misere heraus zu kommen, beschlie\u00dft der besessene Kretschinski, um die Tochter des wohlhabenden, der Welt des Geldes gegen\u00fcber hilflosen Gutsbesitzers Muromski zu werben, ohne sie zu lieben. Diese ist aber bereits Muromskis Gutsnachbarn Nelkin versprochen. Kretschinski erlangt durch seine elegante Erscheinung und sein gewinnendes Auftreten die Liebe der reinen, unerfahrenen Lidotschka. Es gelingt ihm aber nicht, in der von&nbsp; Profit und Geld bestimmten morbiden Gesellschaft zu bestehen. Kretschinski mu\u00df erkennen, da\u00df er zu hoch gesetzt und sein eigenes Gl\u00fcck verspielt hat.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(aus dem Programmheft zur Deutschsprachigen Erstauff\u00fchrung)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritiken<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ein Musical-Stoff? Durchaus. Und Kim Ryshow zog das Libretto f\u00fcr das 1973 an der Leningrader Musikalischen Kom\u00f6die uraufgef\u00fchrte St\u00fcck dramaturgisch nicht ungeschickt auf. Er schuf viel Platz f\u00fcr Musik, den Alexander Kolker auch weidlich nutzte. Aber woran mag es gelegen haben, da\u00df es bei der DDR-Erstauff\u00fchrung dieses St\u00fcckes im Metropol-Theater (in der deutschen B\u00fchnenfassung von Ingeburg Kretzschmar) so wenig zu lachen gab, man nicht recht warm mit der Sache wurde? Geriet vielleicht doch alles etwas zu ernst, auch zu wenig originell, eine Spur zu schwerf\u00e4llig oder zumindest doch zu schwerbl\u00fctig? Das Genre der &#8218;Bitteren Kom\u00f6die&#8216; hat offensichtlich seine T\u00fccken &#8211; auch f\u00fcr den Regisseur, der seine Darsteller nicht gar so oft im hochdramatisch-pathetischen Ton daherkommen lassen d\u00fcrfte.&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Manfred Schubert: Zu schwerbl\u00fctig f\u00fcrs Musical?, Zur DDR-Erstauff\u00fchrung von &#8222;Kretschinskis Hochzeit&#8220; im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, Nr. 218, 14. September 1977.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wenn sich das Werk auch ank\u00fcndigt als Musical, best\u00e4tigt es diesbez\u00fcglich jedoch nicht unsere Vorstellungen. Es tendiert in einigen musikalischen Leitmotiven, wie der Kartenspielerszenerie und den Arien der Lidotschka, zur Oper, bietet Operettensujets, wenn Lebemann Kretschinski seine Aufwartung im Hause Muromski macht, wird musicalgerecht in Musik (einpr\u00e4gsam durch die Klarinette instrumentiert) und Szene, Gesang und Spiel des Wucherers, dessen seelenlose Raffgier Paul Arenkens [&#8230;] mit satirischer \u00dcberzeichnung \u00fcberzeugend typisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So bietet Kolker vielseitige, manchmal etwas ausschweifende musikdramatische Elemente f\u00fcr die von Ryshow mit kritischer Feder satirisch charakterisierten Vertreter der feudalen russischen Gessellschaft in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Martens war bem\u00fcht, all dies sorgf\u00e4ltig herauszuarbeiten, verlor sich dabei allerdings zu sehr in Details, so da\u00df die Inszenierung in manchen Passagen langatmig wirkte.&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Helga Wolle: Gescheitertes Spiel mit hohem Einsatz, &#8222;Kretschinskis Hochzeit&#8220; am Metropol-Theater. In: Neue Zeit, Nr. 223, 20. September 1977.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ohne Frage ist diese Tragikom\u00f6die ein am\u00fcsantes Sujet f\u00fcr ein Musical, gibt sie doch uns hier und heute Anla\u00df, \u00fcber eine bew\u00e4ltigte Vergangenheit zu lachen und Selbst-Erreichtes bewu\u00dft zu machen. Die dramaturgische Version von Kim Ryshow, deren Umsetzung ins Deutsche Ingeborg Kretzschmar im Auftrag des Metropol-Theaters besorgte, geht geschickt auf die Belange der Vertonung ein: Sie gibt reichlich Gelegenheit f\u00fcr eine vielseitige musikalische Gestaltung, bietet Raum f\u00fcr ausgedehnte Musikabl\u00e4ufe wie beispielsweise in zwei reizenden Traumszenen. Doch steht die Gesamtanlage dem Terrain des Opernhaften wohl n\u00e4her als dem der leichtgesch\u00fcrzten heiteren Muse. Aber zweifellos kleidet das Musical vielerlei Sujets, und was an diesem St\u00fcck zun\u00e4chst einmal positiv ins Auge f\u00e4llt, ist die eminente Rolle, die Musik hier spielt, ganz im Gegensatz zu mancher unserer landeseigenen Produktionen. [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So kam die musical-gerechte Leichtigkeit mit fl\u00fcssigem Tempo und inspirierendem Schwung nicht recht zustande. Eine gewisse Schwerf\u00e4lligkeit l\u00e4\u00dft vielfach wirklichen Spa\u00df nicht aufkommen. Am besten gefielen mir die effektvollen T\u00e4nze (Walzer, Mazurka), die leider raren Lieformen und die von kr\u00e4ftigem russischem Folklore-Gestus getragenen Partien [&#8230;].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kollektiv des Metropol-Theaters hat sich der Einstudierung des Musicals mit sp\u00fcrbarer Sorgfalt gewidmet, und die Darsteller waren mit Eifer und Engagement bei der Sache. Bedauerlich ist, da\u00df die Auff\u00fchrung die Neigung zur Schwerf\u00e4lligkeit im St\u00fcck noch unterstrich. So dominierten in der Regie von Hans-Joachim Martens ein derb chargierender Darstellungsstil und eine \u00fcberzogene Pathetik, wodurch M\u00f6glichkeiten musical-gerechten Vergn\u00fcgens verschenkt wurden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Liesel Markowski: Korrupter Held einer morbiden Gesellschaft, &#8222;Kretschinskis Hochzeit&#8220; im Metropol-Theater Berlin. In: Neues Deutschland, Nr. 233, 1.\/2. Oktober 1977<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Medien \/ Publikationen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Audio-Aufnahmen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>LP Gesamtaufnahme aus dem Jahre 1982<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DVD \/ Video<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1974 TV-Verfilmung des Musicals<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kommentar<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Die Autoren des Musicals haben das St\u00fcck von Suchowo-Kobylin, das die Grundlage des St\u00fccks bildet, erheblich ver\u00e4ndert. Jeder der drei Akten der Kom\u00f6die ist in eine Vielzahl von Gem\u00e4lden unterteilt, die wiederum in zwei Akten zusammengefasst sind. Dies erm\u00f6glichte es, die Atmosph\u00e4re, in der die Handlung stattfindet, insbesondere die fieberhafte Atmosph\u00e4re des Gl\u00fccksspielhauses, aufregender darzustellen. Das Bild der Hauptfigur des St\u00fccks von Krechinsky hat sich ebenfalls ge\u00e4ndert. In Suchowo-Kobylin ist er ein best\u00e4ndiger B\u00f6sewicht, der seine Braut verachtet und am Ende nur bedauert, dass sich ein gro\u00dfer Jackpot in Luft aufgel\u00f6st hat. In den Musicals von Kolker und Ryzhov wurden Krechinskys ver\u00e4chtliche Worte \u00fcber Lidotschka auf den Anfang des St\u00fccks \u00fcbertragen, als der Abenteurer seine vermeintliche Braut noch nicht gesehen hatte, und dann seine Einstellung zu ihr \u00e4nderte und er sich im Finale bitter vorwarf, sie verloren zu haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(von L. Mikheeva \/ A. Orelovich. In: www.belcanto.ru; ein Projekt von Ivan Fedorov &#8211; \u00dcbersetzung aus dem Russischen)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Empfohlene Zitierweise<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Kretschinskis Hochzeit&#8220;. In: Musicallexikon. Popul\u00e4res Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg. https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/kretschinskis-hochzeit\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzte inhaltliche \u00c4nderung: 04. Januar 2020.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musical in zwei Teilen Musik von Alexander KolkerBuch und Liedtexte von Kim RyshowNach der gleichnamigen Kom\u00f6die von Alexander Wassiljewitsch Suchowo-KoblynDeutsche B\u00fchnenfassung von Ingeburg Kretzschmar Inszenierung Deutschsprachige Erstauff\u00fchrung: 9. September 1977Metropol-Theater Berlin, DDR Besetzung: Die jeweilige Besetzung wurde durch Aushang bekanntgegeben. Premierenchronik UdSSR UA 7. Juni 1973 Musikalische Kom\u00f6die, Leningrad DDR Dspr. EA 9. 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