{"id":3989,"date":"2025-02-14T15:49:48","date_gmt":"2025-02-14T14:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/?p=3989"},"modified":"2025-09-05T10:23:27","modified_gmt":"2025-09-05T08:23:27","slug":"spiegel-das-kaetzchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/spiegel-das-kaetzchen\/","title":{"rendered":"Spiegel, das K\u00e4tzchen"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Musikalische Kom\u00f6die<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Musik von Paul Burkhard<br>Buch und Gesangstexte von Fridolin Tschudi<br>Nach der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inszenierung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urauff\u00fchrung: 20. November 1956&nbsp;<br>Bayerisches Staatstheater, Theater am G\u00e4rtnerplatz, M\u00fcnchen, Bundesrepublik Deutschland<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Musikalische Leitung: Kurt Eichhorn<\/li>\n\n\n\n<li>Regie: Willy Duvoisin<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00fchnenbild: Max Bignens<\/li>\n\n\n\n<li>Choreografie: Jaroslav Berger<\/li>\n\n\n\n<li>Chor: Hanns Haas<\/li>\n\n\n\n<li>Kost\u00fcme: Spherl Schr\u00f6ck<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besetzung:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Spiegel, ein junger Kater: Ferry Gruber<\/li>\n\n\n\n<li>Pineiss, Stadthexenmeister: Albrecht Peter<\/li>\n\n\n\n<li>Miesmies, eine junge K\u00e4tzin: Christine G\u00f6rner<\/li>\n\n\n\n<li>Das sch\u00f6ne, reiche Fr\u00e4ulein: Lilian Benningsen<\/li>\n\n\n\n<li>Frau von Eule: Irmgard Barth<\/li>\n\n\n\n<li>Die Begine, eine Hexe: Franziska Wachmann<\/li>\n\n\n\n<li>Der J\u00fcngling: Gebhard Streicher<\/li>\n\n\n\n<li>Feldleutnant: Harry Friedauer<\/li>\n\n\n\n<li>Kapuziner: Werner Dietrich<\/li>\n\n\n\n<li>Erster Kater: Marshall Rainer<\/li>\n\n\n\n<li>Zweiter Kater: Ekmar Veit<\/li>\n\n\n\n<li>Dritter Kater: Hans Koervers<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>&#8222;Tanz der Katzen&#8220;: Annaluise Schubert, John Schapar und die Tanzgruppe<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;Tanz der italienischen Kom\u00f6dianten&#8220;: Annaluise Schubert (Colombine), Reinhold Weise (Harlekin) und die Tanzgruppe<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Premierenchronik<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>D<\/td><td>UA<\/td><td>20. November 1956<\/td><td>Theater am G\u00e4rtnerplatz, M\u00fcnchen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inhaltsangabe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte spielt in Seldwyla, einer mittelalterlichen schweizerischen Kleinstadt. Spiegel, das K\u00e4tzchen, trauert. Seine Herrin ist verstorben. Niemand k\u00fcmmert sich mehr um ihn. In seiner Not schlie\u00dft er einen Pakt mit dem Stadthexenmeister Pineiss, der ihm Futter verschafft, dem er jedoch Haare seines Fells \u00fcberlassen muss, und der ihm ank\u00fcndigt, ihn in f\u00fcnf Tagen zu t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spiegel lernt die h\u00fcbsche Miesmies kennen, so dass er bereut, den Pakt geschlossen zu haben. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus, um Spiegel davon zu befreien und Pineiss zu bestrafen. Alles geht gut. Zum Schlu\u00df ist Spiegel frei und Pineiss heiratet die h\u00e4\u00dfliche Begine. Ganz Seldwyla lacht ihn aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(<em>Wolfgang Jansen<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritiken<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Von allen Librettisten und Komponisten, die je das&nbsp;\u0152uvre Gottfried Kellers nach musikdramatischen Stoffen durchmusterten, haben Fridolin Tschudi und Paul Burkhard bestimmt den &#8218;musikabelsten&#8216; herausgegriffen. Das M\u00e4rchen &#8218;Spiegel, das K\u00e4tzchen&#8216;, das inmitten der &#8218;Leute von Seldwyla&#8216; steht, erschlie\u00dft sich in doppeltem Sinne ganz zwanglos dem Einstr\u00f6men von Musik: zur Herbeif\u00fchrung der allgemeinen zauberischen M\u00e4rchenatmosph\u00e4re und zur Hervorhebung der satirischen Elemente durch scherzhafte Gesangsformen, Instrumentalwitz und Parodien. Von allen diesen M\u00f6glichkeiten, die sie noch um viele Kunstmittel der Gattung &#8218;Oper&#8216; vermehrten, haben unsere Autoren reichlich Gebrauch gemacht und dabei das urspr\u00fcngliche Gedankengut des Dichters mit einer Treue gewahrt, die bisweilen bis zur Selbstaufopferung ging.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;] Das musikdramatische Endprodukt, das am 20. November im &#8218;Theater am G\u00e4rtnerplatz&#8216; in M\u00fcnchen seine bejubelte Urauff\u00fchrung erlebte, zeigte in gleicher Weise die charakteristischen Warenzeichen der ber\u00fchmten &#8218;Versfabrik&#8216; Tschudis wie die des nicht minder ber\u00fchmten Klanglaboratoriums Burkhards. Tschudi hat den Aufstieg von kleinen Verskomplexen zu den Textgebilden gro\u00dfer Arien und Ensemble mit nachtwandlerischer Sicherheit wortgewandt und pointenreich durchgef\u00fchrt, und Burkhard hat aus dem Gedanken, da\u00df er diesmal nicht f\u00fcr &#8217;singende Schauspieler&#8216;, sondern f\u00fcr &#8217;schauspielernde S\u00e4nger&#8216; schrieb, reizende Buffowendungen gewonnen, die in ihrem Stil an die besten Vorbilder des Genres gemahnen, wie etwa die Triumpharie des Pineiss oder das Lachduett von Spiegel und Eule.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>RH: &#8222;Spiegel, das K\u00e4tzchen&#8220; als musikalische Kom\u00f6die. Urauff\u00fchrung in M\u00fcnchen. In: Neue Z\u00fcrcher Zeitung, 23. November 1956, Nummer 3330, Seite 5.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Es ist wahrlich keine sch\u00f6ne Aufgabe, das am\u00fcsant gewollte und sympathisch erdachte Werklein von zweien der popul\u00e4rsten Schweizer Autoren auf die Ursachen seines Mi\u00dflingens zu untersuchen. Aber man kann selbst mit der freundschaftlichsten Gesinnung und dem st\u00e4rksten eidgen\u00f6ssischen Solidarit\u00e4tsgef\u00fchl nicht verschweigen, da\u00df die musikalische Kom\u00f6die &#8218;Spiegel, das K\u00e4tzchen&#8216; von Fridolin Tschudi und Paul Burkhard ein liebensw\u00fcrdiger Mi\u00dferfolg ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Eine musikalische Kom\u00f6die &#8211; in der Sprache unserer Zeit also ein &#8218;Musical&#8216; &#8211; ist es nicht; denn es verwendet das gesprochene Wort nur wenig und dann meist melodramatisch untermalt; es enth\u00e4lt gro\u00dfe opernhafte Arien, Duette, Ch\u00f6re, Ensembles und Pantomimen. Eine komische Spieloper ist es trotzdem nicht, weil die Musik sich nicht \u00fcber d\u00fcnnes Operettenniveau erhebt, und eine Operette ist es dem ganzen Stoff nach nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;] Die bis ins kleinste malerische und szenische Detail durchdachte und ausgearbeitete Auff\u00fchrung wurde im musikalischen Bereich von Kurt Eichhorn geleitet, der aber mit aller liebevollen Differenzierungen aus der Partitur nichts hervorzaubern konnte, was nun einmal nicht ist. &#8218;Es fehlt in der Tat an nichts, und es ist daf\u00fcr gesorgt, da\u00df sich&#8217;s der Kater in seinem Zaubergarten wohl sein lassen kann; denn schlie\u00dflich, und damit zieht sich Pinei\u00df diskret zur\u00fcck, ist ja hier im wahrsten Sinne &#8211; alles f\u00fcr die Katz!'&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>ohr.: Ales f\u00fcr die Katz. Zur Urauff\u00fchrung von &#8222;Spiegel, das K\u00e4tzchen&#8220; in M\u00fcnchen. In: Die Tat, 4. Dezember 1956, Seite 10.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Fridolin Tschudi hat den ausnehmend h\u00fcbschen Text in Versen geschrieben, die, voll Witz und Charme und aktuellen Anz\u00fcglichkeiten, der Romantik des Kellerschen M\u00e4rchens dennoch angemessen sind. Den Zauber des Stoffes hat Paul Burkhard mit seiner musikalischen Erfindungskraft durchtr\u00e4nkt. Seine Sprache ist melodi\u00f6s und strotzt von Einf\u00e4llen, um die ihn die meisten modernen Opernkomponisten nur beneiden k\u00f6nnen. Der Titel &#8218;Musikalische Kom\u00f6die&#8216;, den er dem Werk gegeben hat, trifft das Genre, wie Burkhard selbst bemerkt hat, nicht genau. Es ist eher in der N\u00e4he der Komischen Oper angesiedelt, mit gro\u00dfen Arien, Duetten, Terzetten und Ch\u00f6ren, stellenweise mit gesprochenem oder melodramatischem Text. Das Orchester schweigt kaum ja. Unaufh\u00f6rlich quilt der Reichtum der Melodien, gem\u00e4\u00dfigt modern, immer reizvoll und oft au\u00dferordentlich witzig instrumentiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;] Das Publikum schien zun\u00e4chst vom Stoff etwas befremdet, spendete dann aber herzlichen Beifall.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hans Lehmann: &#8222;Spiegel, das K\u00e4tzchen&#8220;. Schweizer Urauff\u00fchrung in M\u00fcnchen. In: Der Bund, 24. November 1956, band 107, Nummer 552, Seite 4.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Medien \/ Publikationen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Literatur<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gottfried Keller: <em>Spiegel, das K\u00e4tzchen<\/em>. Stuttgart: Reclam 2006.<\/li>\n\n\n\n<li>Philipp Flury, Peter Kaufmann: <em>O mein Papa&#8230;, Paul Burkhard, Leben und Werk<\/em>. Z\u00fcrich: Orell F\u00fcssli 1979.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Empfohlene Zitierweise<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Spiegel, das K\u00e4tzchen&#8220;. In: Musicallexikon. Popul\u00e4res Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg. https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/spiegel-das-kaetzchen\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzte inhaltliche \u00c4nderung: 23. August 2025.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikalische Kom\u00f6die Musik von Paul BurkhardBuch und Gesangstexte von Fridolin TschudiNach der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller Inszenierung Urauff\u00fchrung: 20. November 1956&nbsp;Bayerisches Staatstheater, Theater am G\u00e4rtnerplatz, M\u00fcnchen, Bundesrepublik Deutschland Besetzung:&nbsp;&nbsp; Premierenchronik D UA 20. November 1956 Theater am G\u00e4rtnerplatz, M\u00fcnchen Inhaltsangabe Die Geschichte spielt in Seldwyla, einer mittelalterlichen schweizerischen Kleinstadt. Spiegel, das K\u00e4tzchen, trauert. 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