{"id":445,"date":"2024-10-18T11:00:18","date_gmt":"2024-10-18T09:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/?p=445"},"modified":"2025-10-17T08:56:03","modified_gmt":"2025-10-17T06:56:03","slug":"anatevka-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/anatevka-hamburg\/","title":{"rendered":"Anatevka (Fiddler On The Roof) [Hamburg]"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Musical<\/h4>\n\n\n\n<p>Musik von Jerry Bock<br>Buch von Joseph Stein<br>Gesangstexte von Sheldon Harnick<br>Nach einer Erz\u00e4hlung &#8222;Tevje, der Milchmann&#8220; von Scholom Aleichem<br>Deutsche \u00dcbersetzung des Buchs und der Liedtexte von Rolf Merz<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inszenierung<\/h4>\n\n\n\n<p>Deutschsprachige Erstauff\u00fchrung: 1. Februar 1968<br>Operettenhaus, Hamburg, Bundesrepublik Deutschland<\/p>\n\n\n\n<p>Regie und Choreografie der Original-Produktion in New York: Jerome Robbins<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Regie: Karl Vibach<\/li>\n\n\n\n<li>Choreografie: Tom Abbott<\/li>\n\n\n\n<li>Musikalische Leitung: Dalibor Brazda<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00fchnenbild: Boris Aronson<\/li>\n\n\n\n<li>Kost\u00fcme: Edith Matisek<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Besetzung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Tevje, ein Milchmann: Shmuel Rodensky<\/li>\n\n\n\n<li>Golde, seine Frau: Lilly Towska<\/li>\n\n\n\n<li>Zeitel, ihre Tochter: Eva Berthold<\/li>\n\n\n\n<li>Hodel, ihre Tochter: Ute Hertz<\/li>\n\n\n\n<li>Chava, ihre Tochter: Dagmar Laurens<\/li>\n\n\n\n<li>Sprintze, ihre Tochter: Brigitte Schacht<\/li>\n\n\n\n<li>Bielke, ihre Tochter: Manuela Dahm<\/li>\n\n\n\n<li>Jente, Heiratsvermittlerin: Haide Lorenz&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Frumah Sarah: Josta Hoffmann<\/li>\n\n\n\n<li>Oma Zeitel: Marianne Hachfeld<\/li>\n\n\n\n<li>Schandel: Senta Sommerfeld<\/li>\n\n\n\n<li>Mottel Kamzoll, Schneider: Herbert Dubrow<\/li>\n\n\n\n<li>Perchik, Student: Michael R\u00fcth<\/li>\n\n\n\n<li>Lazar Wolf, Metzger: Rolf Arndt<\/li>\n\n\n\n<li>Motschach, Gastwirt: Martin Rosen<\/li>\n\n\n\n<li>Rabbi: Walter Gr\u00fcters<\/li>\n\n\n\n<li>Mendel, sein Sohn: Peter Drescher<\/li>\n\n\n\n<li>Awram, Buchh\u00e4ndler: Erich Uhland<\/li>\n\n\n\n<li>Nachum, der Bettler: Lothar Anton<\/li>\n\n\n\n<li>Wachtmeister: Reinhold Nietschmann<\/li>\n\n\n\n<li>Fedja, ein junger Russe: Bernd Hoffmann<\/li>\n\n\n\n<li>Der Fiedler: David Winer-Moses<\/li>\n\n\n\n<li>Russischer S\u00e4nger: Julius Skoda<\/li>\n\n\n\n<li>Russent\u00e4nzer: Juri Cumpelik, Stanislav Simek, Jiri Sykora<\/li>\n\n\n\n<li>Flaschent\u00e4nzer: Richard Bernwinkler, Volker Clages, Ulrich Quernhorst, Jiri Sykora<\/li>\n\n\n\n<li>Dorfbewohner: Ruth Gleim, Astrid Kollex, Marion Th\u00fcren, Ingrid-Hertha Verch, Hanna Waage, Antje Wahlen, Gerti Eller, Helmuth Behrendt, Harry Brandert, Wolfgang Feustel, Peter Rosemeyer<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Premierenchronik<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>USA<\/td><td>UA<\/td><td>22. September 1964<\/td><td>Imperial Theatre, New York<\/td><\/tr><tr><td>Israel<\/td><td>EA<\/td><td>7. Juni 1965<\/td><td>Alhambra Theater, Tel Aviv<\/td><\/tr><tr><td>NL<\/td><td>EA<\/td><td>21. Dezember 1966<\/td><td>Theater Carr\u00e9, Amsterdam<\/td><\/tr><tr><td>GB<\/td><td>EA<\/td><td>16. Februar 1967<\/td><td>Her Majesty&#8217;s Theatre, London<\/td><\/tr><tr><td>D<\/td><td>Dspr. EA<\/td><td>1. Februar 1968<\/td><td>Operettenhaus, Hamburg<\/td><\/tr><tr><td>CSSR<\/td><td>EA<\/td><td>21. Februar 1968<\/td><td>Tyl Theater, Prag<\/td><\/tr><tr><td>A<\/td><td>EA<\/td><td>15. Februar 1969<\/td><td>Theater an der Wien, Wien<\/td><\/tr><tr><td>CH<\/td><td>EA<\/td><td>15. Juli 1969<\/td><td>Rieter Park (Freilichtauff\u00fchrung), Z\u00fcrich<\/td><\/tr><tr><td>DDR<\/td><td>EA<\/td><td>23. Januar 1971<\/td><td>Komische Oper, Berlin<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inhaltsangabe<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Geschichte, die das Musical erz\u00e4hlt, spielt 1905 in dem kleinen \u00d6rtchen Anatevka, in der N\u00e4he von Kiew. Tevje ist ambulanter Milchh\u00e4ndler und hat f\u00fcnf T\u00f6chter, von denen drei im heiratsf\u00e4higen Alter sind. Doch die Tradition verpflichtet ihn, immer zuerst die \u00c4lteste zu verheiraten. Au\u00dferdem ist es in Anatevka \u00fcblich, dass die Ehe \u00fcber die Heiratsvermittlerin angebahnt wird. \u00dcber ihre Vorschl\u00e4ge entscheiden die jeweiligen V\u00e4ter, die untereinander auch den Ehevertrag aushandeln. Zu sehen bekommen sich die Brautleute also zumeist erst am Hochzeitstag.<\/p>\n\n\n\n<p>Tevje freilich muss erleben, wie diese Regel, nach der er selbst und seine Frau Golde verm\u00e4hlt wurden, von seinen T\u00f6chtern au\u00dfer Kraft gesetzt wird. Die \u00c4lteste, Zeitel, soll nach dem Willen ihrer Eltern den wohlhabenden, aber \u00e4lteren Witwer Lazar Wolf heiraten. Doch diese hat sich heimlich mit dem armen, aber netten Schneider Mottel Kammzoll verlobt. Kleinlaut bitten sie Tevje um Zustimmung zur Verbindung. Weichherzig, wie er nun einmal ist, gibt er nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite ist Hodel. Sie verliebt sich in den politisch aufgeweckten Studenten Perchik, den auch Tevje mag, der aber \u00fcber kein nennenswertes Einkommen verf\u00fcgt. Wie soll man ihm da seine Tochter anvertrauen. Tevje sagt Nein. Doch sie ignorieren sein Verbot und beschlie\u00dfen ohne seine Zustimmung zu heiraten. Tevje wird nur noch um seinen Segen gebeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Tochter Chava schlie\u00dflich verliebt sich in den Russen Fedja. Erz\u00fcrnt verbietet Tevje ihr den Umgang mit ihm: \u201eEr ist eine andere Art von Mensch\u201c, h\u00e4lt er ihr vor Augen. \u201eWie hei\u00dft es im Guten Buch: Bleib unter deinesgleichen. Mit anderen Worten: Ein Vogel liebt m\u00f6glicherweise einen Fisch. Aber wo wollen sie zusammen ihr Haus bauen?\u201c Daraufhin tritt Chava heimlich zum russisch-orthodoxen Glauben \u00fcber und heiratet Fedja trotzdem. Ohnm\u00e4chtig, trauernd verst\u00f6\u00dft Tevje sie aus dem Familienverbund. Dies ist seine Grenze. \u00dcber die Tradition der Eheanbahnung kann man mit ihm streiten, auch sieht er z\u00e4hneknirschend dar\u00fcber hinweg, dass seine Meinung bei der Wahl der Ehepartner nicht unbedingt gefragt ist, doch seinen Glauben aufgeben, dem muss er seine Zustimmung verweigern. \u201eKann ich alles leugnen, woran ich glaube? Sollte ich versuchen, mich so weit zu verbiegen, ich w\u00fcrde zerbrechen.\u201c Seine Identit\u00e4t als Jude w\u00e4re gef\u00e4hrdet, das Leiden in der Diaspora verl\u00f6re ihren Sinn, der stabilisierende Zusammenhalt der Gemeinschaft zerbr\u00e4che, die fragile Balance des Fiedlers auf dem Dach w\u00fcrde gest\u00f6rt und er st\u00fcrzte in die Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat lebt die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung von Anatevka unsicher. Sind es zuerst nur Zeitungsberichte und pers\u00f6nliche Erz\u00e4hlungen, die von Judenverfolgungen in anderen Landesteilen berichten, so teilt der Wachtmeister Tevje eines Tages vertraulich mit, dass er die Anweisung zu einem Pogrom auch in dieser Stadt erhalten habe. Ausgerechnet zur Hochzeitsfeier von Zeitel und Mottel schlagen die Russen los und zertr\u00fcmmern systematisch den ohnehin geringen Besitzstand der Juden.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich folgt der Erlass, dass sie nicht l\u00e4nger geduldet sind. Sie m\u00fcssen Anatevka binnen drei Tagen verlassen. Es spielt keine Rolle, dass sie teilweise schon seit Generationen in dem Ort wohnen. Sie haben drei Tage Zeit, um ihr Hab und Gut, das sie nicht mitnehmen k\u00f6nnen, zu verkaufen. Dann verstreuen sie sich in alle Winde: Jente, die Heiratsvermittlerin, bricht nach Pal\u00e4stina auf, Tevje mit Frau und T\u00f6chtern nach Nordamerika, Zeitel und Mottel gehen zun\u00e4chst nach Warschau (seinerzeit noch zum Russischen Reich geh\u00f6rend, da es Polen nicht gab), wollen aber sp\u00e4ter in die USA nachkommen, Hodel ist ihrem Studenten, der nach Sibirien verbannt wurde, gefolgt. Selbst Chava und Fedja verlassen Anatevka. Fedja eher aus Sympathie denn gezwungenerma\u00dfen. Sie wollen nach Krakau (was seinerzeit zu \u00d6sterreich geh\u00f6rte).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihnen geht der Fiedler, eine gebrochene Folge der Eingangsmelodie wiederholend. Denn an der unsicheren Existenz der Vertriebenen wird sich auch anderenorts nichts \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Wolfgang Jansen<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritiken<\/h4>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber Anatevka steht und f\u00e4llt ohnehin mit dem Hauptdarsteller, der also nicht den Fiedler auf dem Dach spielt, diese Symbolfigur aus Chagalls Bilderwelt, sondern den Milchmann Tevje. Nach Zero Mostel in New York und Topol in London erscheint in Hamburg, wie vordem schon genau 352mal in Tel Aviv, der Israeli Shmuel Rodensky vom Habimah-Theater. Und dieser Gast lohnt die weiteste Anreise, ein tapsiger B\u00e4r mit Zottelbart, auf dem Kopf den Speckdeckel, wie ihn nicht anders auch die Hafenarbeiter gleich rechts um die Ecke vom Operettenhaus tragen, ein unerh\u00f6rt stark ausstrahlender Schauspieler mit einer beachtlichen Musikalit\u00e4t. Er ist ein abendf\u00fcllendes Ereignis, allein schon mit seinem gebrochenen Deutsch, das dem Jiddischen oft zum Verwechseln \u00e4hnlich klingt &#8211; ein Gl\u00fccksfall. Da f\u00fchrt einer mit immer pr\u00e4sent gehaltener praller K\u00f6rperlichkeit, mit seiner verschmitzten Flick\u00e4ugigkeit und einem klug differenzierenden Patriarchen-Charme das Publikum \u00fcber drei Spielstunden hin wie am B\u00e4ndel. Da zeigt einer vom Typ Kerl wie ein Baum au\u00dfer einem unordentlich sortierten Schatz von Bibelzitaten die Selbstverteidigung durch Sophistik als sanfte Kunst des \u00dcberlebens vor. Da \u00fcberspielt ein einzelner, als Milchmann verkleidet, die reichhaltige Klischeesammlung dieser Geschichte, die D\u00fcrftigkeit der musikalischen Nummern, die vollends riskante Schr\u00e4glage dieses Musicals am Schlu\u00df, wenn \u00fcberall im Hause die Schnupft\u00fccher gezogen werden, ehe die lang anhaltende Danksagung einsetzt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Klaus Wagner: Der Fiedler auf dem Dach, Deutschsprachige Erstauff\u00fchrung von &#8222;Anatevka&#8220; in Hamburg. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Februar 1968.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>&#8222;Das St\u00fcck ist so erstaunlich wie sein Star. Nirgends Klamauk &#8211; weder bei fr\u00f6hlicher Kneipen-Szene noch bei der t\u00e4nzerischen Darstellung eines grotesken erdachten Traumes. Es hat kein Happy-End, im Gegenteil, die Juden m\u00fcssen raus aus ihrem Dorf Anatevka: So ist der Schlu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch der Dramatik wird dort, wo sie dem Stoff nach roh und brutal sein m\u00fc\u00dfte, die Spitze abgebrochen. Eine anti-j\u00fcdische Aktion, von &#8218;oben&#8216; befohlen, wird vom russischen (christlichen)&nbsp; Polizeichef in ein Scheinpogrom umgewandelt. Die Gottesn\u00e4he der frommen Gemeinde, so naiv sie sich ausspricht, wird nirgends Bigotterie. Es ist ein herzr\u00fchrender Bilderbogen, der klagt, nicht anklagt, und dessen B\u00f6gen mit Einzelheiten vollen Humors gezeichnet sind, und dies noch zu b\u00f6ser Letzt: &#8218;Ich geh&#8216; nach Chicago&#8216;, sagt beim allgemeinen Auszug der einzig reiche Mann von Anatevka, der Metzger Lazar Wolf (Rolf Arndt). Ein Ausruf, der gewiss eine amerikanische Zutat des theatergewandten Librettisten Joseph Stein ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik des Musicals? &#8211; Wer je im Pariser Viertel um die Rue du Temple, wo fromme Juden wohnen, Schallplatten gekauft hat, kennt den musikalischen Reichtum j\u00fcdischer Folklore, die, in der Tonalit\u00e4t des Tempelgesangs wurzelnd, im mittelalterlichen Deutschland streng ritterliche Volksliedz\u00fcge angenommen, nicht weniger sch\u00f6n sich jedoch in Polen und Ru\u00dfland mit den dort gewachsenen Tanzweisen verm\u00e4hlt hat. Es war wohl die Pflicht und Schuldigkeit des Komponisten Jerry Bock, das Ganze instrumental auf gem\u00e4\u00dfigte Pseudo-Jazz-Art aufzuz\u00e4umen (der Dirigent Dalibor Brazda polierte den amerikanischen Glanz ein bi\u00dfchen zu eifrig, und leiser w\u00e4re st\u00e4rker gewesen), aber die urspr\u00fcngliche Kraft dieser neu gez\u00e4hmten und nachempfundenen Volksmusik schl\u00e4gt \u00fcberall durch. Schon ist das Lied vom armen Mann, der lieber reich sein m\u00f6chte, ein Schlager, den bald auch bei uns die Geiger von den D\u00e4chern spielen werden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Josef M\u00fcller-Marein: J\u00fcdisches Musical, &#8222;Anatevka&#8220; &#8211; ein Welterfolg. In: Die Zeit, 9. Februar 1968<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>&#8222;Zwar hat Vibach nach der Pauszeichnung des Originalmodells gearbeitet (einschlie\u00dflich der \u00fcbernommenen B\u00fchnenbilder von Boris Aronson &#8211; die Kost\u00fcme sind deutsche Eigenproduktion von Edith Matisek), und er hat sich des gleichen Tom Abbott als choreographischen Mitarbeiters versichert, der auch schon in London dabei war, aber die Do-it-yourself-Methode hat sich an diesem Objekt doch nur sehr begrenzt bew\u00e4hrt. Man erkennt gerade noch die Umrisse von Robbins&#8216; Inszenierung und Choreographie. Ihr Geist und ihr szenisches Fleisch aber sind ziemlich geschrumpft. Und auch mit dem Handwerk steht&#8217;s nicht zum besten &#8211; es fehlt durchaus an Attacke, Projektion und Timing.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df die Hamburger Auff\u00fchrung so flach, so unatmosph\u00e4risch wirkt, hat aber auch mit den Schauspielern zu tun. In New York war Robbins wochenlang mit seinem Ensemble in j\u00fcdische Familien gegangen und hatte sie an Ort und Stelle j\u00fcdische Sitten und Gebr\u00e4uche, Traditionen und Rituale studieren lassen &#8211; ganz abgesehen davon, da\u00df er sich seine Darsteller alle typgerecht aus einem unersch\u00f6pflichen j\u00fcdischen Schauspielerreservoir aussuchen konnte. Was Hamburg dagegen bietet, ist ein Schmink- und Masken-Judentum ohne menschliche Substanz (zu den ganz wenigen Asunahmen geh\u00f6rt Herbert Dubrow in der Rolle Mottels, des Schneiders, aus dessen traurigen, m\u00fcden, kurzsichtigen Augen wirklich ein Menschenschicksal blickt).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abstand der Hamburger Schauspieler zu ihren Rollen (bei der Darstellerin der Hodel auch zur Musik &#8211; so falsch hat man selten im deutschen Theater singen h\u00f6ren) wurde um so deutlicher, da man f\u00fcr den Tewje einen israelischen Schauspieler importiert hatte, der alles mitbrachte, was seinen deutschen Kollegen fehlte: Shmuel Rodensky.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Horst Koegler: Vater Courage, jiddisch und als Musical. In: Theater heute, Nr. 3, M\u00e4rz 1968, Seite 44.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Medien \/ Publikationen<\/h4>\n\n\n\n<p>Audio-Aufnahmen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>&#8222;Fiddler On The Roof&#8220;. Original Broadway Cast, Studio-Einspielung vom 27. September 1964, USA 1964, RCA\/Ariola International 1985, RD87060 (1xCD).<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;Anatevka&#8220;. Deutsche Originalaufnahme Operettenhaus, Der Welterfolg des Musicals &#8222;Fiddler On The Roof&#8220; in deutscher Premierenbesetzung, Studioeinspielung 1968, Hamburg, Teldec 2292-43897-2 (1xCD)<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;Deutsche Originalaufnahme aus &#8218;Anatevka&#8216; (Fiddler on the roof)&#8220;. Operettenhaus Hamburg, Shmuel Rodensky, CBS 3280, Vinyl-Single 1968, A-Seite: &#8222;Wenn ich einmal reich w\u00e4r'&#8220;, B-Seite: &#8222;Zum Wohl!&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;Anatevka&#8220; (&#8222;Fiddler On The Roof&#8220;), Melodien-Querschnitt aus dem Musical in deutscher Sprache. metronome 1968, HLP 10.190 (1xLP).<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;Anatevka&#8220; (&#8222;Fiddler On The Roof&#8220;). Original-Einspielung der Inszenierung im Theater an der Wien, Studioeinspielung, Mai 1969, Preiserrecords 93200, Digital remastered 1987 (1xCD).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Video \/ DVD<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>&#8222;Anatevka&#8220; (&#8222;Fiddler On The Roof&#8220;). Musicalfilm, USA 1971, Zweitausendundeins Edition, Film 54, B004LR975C. (1xDVD)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Literatur<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Scholem Alejchem: <em>Die Geschichten von Tewje dem Milchh\u00e4ndler<\/em>. Berlin (DDR): Volk und Welt 1977.<\/li>\n\n\n\n<li>Wolfgang Jansen: <em>&#8222;&#8230;\u00fcberw\u00e4ltigender Witz und wunderbar tiefer Ernst&#8220;, Zur deutschsprachigen Erstauff\u00fchrung von Jerry Bocks &#8218;Anatevka&#8216; in Hamburg 1968<\/em>. In: Ders.: <em>Musicals, Geschichte und Interpretation<\/em>. Gesammelte Schriften zum popul\u00e4ren Musiktheater, Band 1, M\u00fcnster u.a.: Waxmann 2020, Seite 256-263.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kommentar<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Amsterdamer Premiere war zugleich die europ\u00e4ische Erstauff\u00fchrung. Die Produzenten \u00e4nderten den Originaltitel in &#8222;Anatevka&#8220;. Dieser Titel wurde in der Bundesrepublik, \u00d6sterreich und der Schweiz \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch liegt kein Premieren-Programmheft vor. Die Besetzungsliste wurde daher aus verschiedenen Quellen (sp\u00e4teren Programmheften, Premierenrezensionen u.a.) zusammengestellt. Sobald ein Programmheft der Premiere vorliegt, werden die Angaben noch einmal abgeglichen und gegebenenfalls korrigiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erstauff\u00fchrung in der DDR trug den Titel &#8222;Der Fiedler auf dem Dach&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Empfohlene Zitierweise<\/h4>\n\n\n\n<p>&#8222;Anatevka&#8220; (&#8222;Fiddler On The Roof&#8220;). In: Musicallexikon. Popul\u00e4res Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg. https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/anatevka-hamburg\/<\/p>\n\n\n\n<p>Letzte inhaltliche \u00c4nderung: 13. Oktober 2025.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musical Musik von Jerry BockBuch von Joseph SteinGesangstexte von Sheldon HarnickNach einer Erz\u00e4hlung &#8222;Tevje, der Milchmann&#8220; von Scholom AleichemDeutsche \u00dcbersetzung des Buchs und der Liedtexte von Rolf Merz Inszenierung Deutschsprachige Erstauff\u00fchrung: 1. Februar 1968Operettenhaus, Hamburg, Bundesrepublik Deutschland Regie und Choreografie der Original-Produktion in New York: Jerome Robbins Besetzung: Premierenchronik USA UA 22. 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