{"id":884,"date":"2024-10-21T17:20:18","date_gmt":"2024-10-21T15:20:18","guid":{"rendered":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/?p=884"},"modified":"2025-06-20T11:50:07","modified_gmt":"2025-06-20T09:50:07","slug":"coco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/coco\/","title":{"rendered":"Coco"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ein Transgendermusical<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Musik und Songtexte von Markus Sch\u00f6nholzer<br>Text von Alexander Seibt<br>nach einer Idee von Cihan Inan<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inszenierung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urauff\u00fchrung: 20. April 2018<br>Vidmar 1, Liebenfeld bei Bern, Schweiz<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Musikalische Leitung: Hans Ueli Schlaepfer<\/li>\n\n\n\n<li>Regie: Stefan Huber<\/li>\n\n\n\n<li>Choreographie: Timo Rad\u00fcnz<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00fchne: Jos\u00e9 Luna<\/li>\n\n\n\n<li>Kost\u00fcme: Heike Seidler<\/li>\n\n\n\n<li>Lichtgestaltung: Rolf Lehmann<\/li>\n\n\n\n<li>Sounddesign: Marcel Schneider<\/li>\n\n\n\n<li>Video: Michael Ryffel<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besetzung:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Coco: Mariananda Schempp<\/li>\n\n\n\n<li>Der K\u00f6rper: Gabriel Schneider<\/li>\n\n\n\n<li>Rick \/ Pesche \/ Chirurg: Luka Dimic<\/li>\n\n\n\n<li>Papa \/ Ivan \/ Chirurg: Jonahan Loosli<\/li>\n\n\n\n<li>Mama \/ Patricia \/ Chirurgin: Grazia Pergoletti<\/li>\n\n\n\n<li>Gilette \/ \u00c4rztin: Christoph Marti<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Premierenchronik<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>CH<\/td><td>UA<\/td><td>20. April 2018<\/td><td>Vidmar 1, Liebefeld bei Bern<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inhaltsangabe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Coco war die ber\u00fchmteste Transfrau der Schweiz der 1990er-Jahre, verletzlich, getrieben, charismatisch. In Bern war sie ein Star: Eine Frau im K\u00f6rper eines Mannes, die leidenschaftlich und furchtlos gegen alles anrennt, was zwischen ihr und jenem Tag steht, an dem sie endlich sagen kann: <em>\u00abJetzt bin ich: Ich.\u00bb<\/em> Ihre gr\u00f6ssten Widersacher scheinen dabei weder ihre Eltern noch ihr \u00fcberfordertes Umfeld zu sein, es ist ihr eigener K\u00f6rper. Obwohl sie sich mit zwanzig einer geschlechtsangleichenden Operation unterzieht, bleibt ihr Leben eine verzweifelte Suche nach sich selbst \u2013 und ohne Happy End.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Anspruch auf historische Genauigkeit zu erheben, ist COCO die Hommage an eine Frau, die ihren anspruchsvollen Weg mit Entschlossenheit und W\u00fcrde gegangen ist. Aber tats\u00e4chlich geht es in dieser Geschichte um uns alle \u2013 um die Notwendigkeit, sich die alles entscheidende Frage zu stellen: \u00abWer bin ich?\u00bb Und es geht um den Mut, den wir daf\u00fcr aufbringen m\u00fcssen. Aber vor allem geht es um den Preis, den wir f\u00fcr die Antwort zahlen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Homepage Konzert Theater Bern [https:\/\/www.konzerttheaterbern.ch\/programm\/coco\/10312\/], aufgerufen am 4. Oktober 2022.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritiken<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Das neue Musical kreiert eine Fiktion \u00fcber eine Frau, die im K\u00f6rper eines Mannes lebt und dadurch gezwungen ist, sich selbst zu hinterfragen: &#8218;Wer bin ich?&#8216; Dieser Zwiespalt wird durch die Gestaltung der Figur klar gezeigt, die mit zwei \u00fcberzeugenden Darstellern besetzt ist: Mariananda Schempp als divenhafte, verletzliche, innerlich zerrissene Coco und Gabriel Schneider als trotteliger, androgyner K\u00f6rper. Wobei der K\u00f6rper Coco stumm begleitet, oft ratlos&nbsp; ihre Attacken ertr\u00e4gt, aber von den Mitmenschen real wahrgenommen wird. Coco empfindet diesen K\u00f6rper als ein Gef\u00e4ngnis, zu welchem der Schl\u00fcssel weggeworfen wurde. Zugleich \u00fcberfordet sie im Verlauf des Musicals die ihr nahestehenden Menschen mit der Botschaft: &#8218;Ich bin eine Frau.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[&#8230;] Die vielf\u00e4ltigen Emotionen der Figuren werden durch die stimmungsvollen Kompositionen von Markus Sch\u00f6nholzer perfekt unterstrichen und von der gro\u00dfartigen Band unter der Leitung von Hans Ueli Schlaepfer (Keyboards) pr\u00e4sentiert. [&#8230;] Wenige Requisiten verwandeln die B\u00fchne in einen Club, Operationssaal oder eine Wohnung (B\u00fchnenbild: Jos\u00e9 Luna). In dieser Wohnungt tr\u00e4umt die junge Frau von drei Chirurgen mit \u00fcbergro\u00dfer Schere, Beil und Motors\u00e4ge in den H\u00e4nden, die in grotesken Gesangs- und Tanzszenen (Choreographie: Timo Rad\u00fcnz) von ihrer lasziven, zynischen Chefin (Christoph Marti) wie Hunde zur\u00fcckgepfiffen werden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Martina Friedrich: Wer bin ich? Urauff\u00fchrung von &#8218;Coco&#8216; &#8211; ein Transgendermusical am Konzert Theater Bern. In: blickpunkt musical, Ausgabe 94, 03\/2018 Mai &#8211; Juni 2018, Seite 64-65.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Das Buch weist vor allem gegen Ende einige L\u00e4ngen auf und das St\u00fcck wird immer mehr zum Schauspiel. Die Musik, toll interpretiert von der vierk\u00f6pfigen Band, ist sehr gelungen, teils naiv kindlich und verletzlich, teils bluesig, teils schmissig mit viel Tempo. Ihr bleibt aber fast ausnahmslos nur die Statistenrolle. Das, was ein Musical ausmacht, n\u00e4mlich die perfekte Symbiose aus Geschichte und Musik, bleibt weitgehend unerreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was in Erinnerung bleibt, ist eine ber\u00fchrende Geschichte, die virtuose Inszenierung und die schauspielerischen Leistungen von Mariananda Schempp, Christoph Marti und Gabriel Schneider. Dazu Achtung und Empathie f\u00fcr Mitmenschen wie Coco, die wie wir alle das Recht haben, sie selbst zu sein und daf\u00fcr respektiert zu werden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Susanne Weber: Coco. Ein Leben auf der verzweifelten Suche nach sich selbst. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 191, Juni\/Juli 2018, Seite 16-17.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;An der karnevalesken Lustigkeit, mit der die Regie von Stefan Huber das St\u00fcck angeht, kann man sich anf\u00e4nglich durchaus etwas st\u00f6ren. Dass beim Orgasmus auf offener Szene die Konfetti-Kanone volles Rohr ins Publikum ballert, na ja, ein Schenkelklopfer. Die Grundidee der Inszenierung aber \u00fcberzeugt: Die Identit\u00e4tsspaltung der Titelfigur wird auf der B\u00fchne leibhaftig durch die ihre Verdoppelung: Der K\u00f6rper (Gabriel Schneider) repr\u00e4sentiert die \u00e4ussere m\u00e4nnliche H\u00fclle als l\u00e4stiges Gef\u00e4ngnis, Coco (Mariananda Schempp) gibt das innere, betont weibliche Wesen im Ringen um \u00e4ussere Anerkennung. Im Kampf dieser gegens\u00e4tzlichen Existenzen wechseln Scherz und Schmerz auf stimmige Weise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"id-doc-1cbmf2rq91\">[&#8230;] Auch wenn das alles ganz spassig klingt, die herberen T\u00f6ne nehmen in der zweiten H\u00e4lfte des gut zweist\u00fcndigen Abends zu \u2013 zum Gl\u00fcck. Die Musik, anf\u00e4nglich doch recht nah am unverbindlichen Musical-Sound, wird deutlich kratzb\u00fcrstiger, live gespielt von der vierk\u00f6pfigen Band unter der Leitung von Hans Ueli Schlaepfer an den Keyboards.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"id-doc-1cbmfsm9v0\">Auch wenn das St\u00fcck Motive der realen Coco in die Handlung einbaut, ist es bewusst keine biografische Nachzeichnung. Am Ende werden dem Publikum zwei Schl\u00fcsse angeboten: zuerst die Champagner-Party nach gegl\u00fcckter Operation, Jubel, Trubel, Heiterkeit \u2013 wer sich das Ende so w\u00fcnsche, soll danach bitte gehen; dann die Variante, die n\u00e4her am realen Leben von Coco liegt, der Absturz ins trunkene Elend, in die Verzweiflung, die Verlassenheit, den Suizid. 1998 hat sich Coco, die erste Transfrau der Schweiz, mit 29 Jahren auf ihrer letzten Station in Biel umgebracht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alfred Schlienger: Wie selbstbestimmt sind wir, was wir sind \u2013 oder sein m\u00f6chten? Das Transgendermusical &#8218;Coco&#8216; in den Berner Vidmarhallen wippt verzweifelt spassig auf der Kippschaukel von Komik und Tragik. In: Neue Z\u00fcrcher Zeitung, 22. April 2018.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kommentar<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christoph Marti hat als Gilette in der Kategorie &#8222;Bester Darsteller in einer Nebenrolle&#8220; den Deutschen Musical Theater Preis 2018 gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Empfohlene Zitierweise<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Coco&#8220;. In: Musicallexikon. Popul\u00e4res Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg. https:\/\/uni-freiburg.de\/musicallexikon\/coco\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzte inhaltliche \u00c4nderung: 4. Oktober 2022.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Transgendermusical Musik und Songtexte von Markus Sch\u00f6nholzerText von Alexander Seibtnach einer Idee von Cihan Inan Inszenierung Urauff\u00fchrung: 20. April 2018Vidmar 1, Liebenfeld bei Bern, Schweiz Besetzung:&nbsp;&nbsp; Premierenchronik CH UA 20. April 2018 Vidmar 1, Liebefeld bei Bern Inhaltsangabe &#8222;Coco war die ber\u00fchmteste Transfrau der Schweiz der 1990er-Jahre, verletzlich, getrieben, charismatisch. 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