GMK im Wintersemester 2025/26
Di. 21.10.2025 (1600 c.t. | HS 1119)
Antonia Kunze
ZPKM Freiburg
Entstehung populärer Musikprodukte in der DDR.
Das DFG-Projekt „Phonographische Musikpraxis und sozialistische Zentralautoritäten: Produktionspolitiken des DDR-Plattenlabels Amiga 1971 –1990“ und das Dissertationsprojekt „Popmusik im Mediensystem der DDR aus produktionsanalytischer Perspektive“
In der DDR erfolgte die Produktion von Schallplatten im Bereich der populären Musik zielgerichtet und planmäßig. Die mediale Präsenz von Künstler*innen unterlag hingegen mitunter zähen Aushandlungsprozessen. Sowohl das DFG-Projekt als auch das Dissertationsprojekt beschäftigen sich mit Produktionspolitiken im Netz kulturpolitischer, planwirtschaftlicher, technologischer und künstlerischer Faktoren. Dabei werden Fragen nach den Entstehungsbedingungen populärer Musikprodukte sowie nach den individuellen Gestaltungsmöglichkeiten und informellen Netzwerken behandelt.
Di. 28.10.2025 (1600 c.t. | HS 1119)
David Hughes
HfM Freiburg
A local hero in a global style: examining the music of Estêvão de Brito (c.1575-1641)
Estêvão de Brito (c.1575-1641) was a Portuguese-born chapelmaster and composer of polyphony who spent most of his career at the cathedral in Malaga. In his own lifetime Brito was a well regarded composer working in the polyphonic style that had, with the imperial projects of Spain and Portugal, spread around the globe by the seventeenth century. After his death, Brito’s music was relatively unknown outside of Malaga, but evidence from the archives of the cathedral show his continued importance as a local composer through the 18th, 19th and 20th centuries. This paper traces the use of Brito‘s music through that time and – through an analysis of Brito’s motet „Vox clamantis“ – demonstrates the compositional ingenuity that earned Brito the enduring epithet „el maestro“.
Di. 04.11.2025 (1600 c.t. | HS 1119)
Dr. Julia Freund
Universität Hamburg (Professurvertretung an der HfM Freiburg)
Kleckse, Flecke und Gekritzel in der neuen Musik
Theodor W. Adorno bediente sich der Metapher der „Sphäre des Kleckses“, um ein Aspekt der Schönberg’schen Musik zu beschreiben. Was genau ist kleckshaft an der neuen Musik? Dieser Frage spürt der Vortrag anhand von drei Beispielen (Adorno/Schönberg – Bussotti – Molitor) nach.
Di. 11.11.2025 (1800 c.t. | Humboldtsaal)
Prof. Dr. Dietmar Neutatz
Universität Freiburg
Ukrainisch oder ›kleinrussisch‹? Nation und Musik im Zarenreich
Ein Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe des FZM »musik + wissen«
Di. 18.11.2025 (1600 c.t. | ?)
Juniorprofessorin Hanna Werth
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf
Artists & Intimacy
Berührungen gehören zum Berufsbild darstellender Künstler*innen dazu – auf, vor und hinter der Bühne. Sie werden vorausgesetzt, angenommen, eingefordert. Jeder Stunt oder Kampf wird choreografiert, intime Berührungen so gut wie nie. Dabei helfen Agreement-Check-Ins, klare Choreografien, offene Kommunikation und andere Tools allen Beteiligten, sich im Prozess noch weiter fallen zu lassen und tiefer in ihre künstlerische Arbeit eintauchen zu können. Was braucht es, um „brave spaces“ zu schaffen? Intimitätskoordination kann nicht in einem Vakuum existieren – es braucht eine Konsens-Kultur, um nachhaltige Veränderungen zu kreieren, wie Künstler*innen frei und sicher miteinander erfinden, proben und arbeiten können.
Hanna Werth, Schauspielerin und Juniorprofessorin für Szene & Intimitätskoordination an der Robert Schumann Hochschule, erforscht Konsens in künstlerischen Arbeitsumfeldern und gibt einen Einblick in die Methoden und Tools der Intimitätskoordination.
Di. 25.11.2025 (1600 c.t. | HS 1119)
Alessandra Riudalbas
Universität Freiburg
Die Melodiestimmen im Pajarillo – einer Untergattung des venezolanischen Joropo llanero
Der Joropo llanero ist eine musikalische Gattung und zugleich ein Tanz, entstanden in Venezuela aus dem Austausch spanischer, indigener und afrikanischer Traditionen während der Kolonialzeit. Der Vortrag untersucht die Rolle und stilistischen Merkmale der Melodiestimmen im Pajarillo, insbesondere ihre Funktion im Ensemble und typische melodische Formeln.
Mi. 03.12.2025 (1800 c.t. | Humboldtsaal)
Prof. Dr. Christoph Reuter
Universität Wien
Wie gesund sind 432 Hz? Alltagsmythen über Musik
Ein Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe des FZM »musik + wissen«
Di. 09.12.2025 (1600 c.t. | HS 1119)
Clemens K. Thomas
HfMT Hamburg
Eine cute Oper – Das gegenwartsästhetische Phänomen der Cuteness als kompositorische Strategie in der Oper „Dollhouse“
Mit Cuteness wird eine ästhetische Kategorie in den musikalischen Diskurs eingeführt, die bisher unterbelichtet blieb, obwohl sie nicht nur im J- und K-Pop, sondern auch in der Neuen Musik gegenwärtig an Bedeutung gewinnt. Als Artistic Research ist die cute Oper „Dollhouse“ entstanden, die im November 2024 an der Staatsoper Hamburg uraufgeführt wurde. Wodurch zeichnet sich die Gattung „cute Oper“ aus? Wie klingt cute Musik? Und wie wird Cuteness als kompositorische Strategie in der Komposition von Dollhouse eingesetzt?
Di. 16.12.2025 (1600 c.t. | Online)
Valeria Schumann
HfM Freiburg
Der Einfluss soziokultureller Faktoren auf das Tätigkeitsprofil von Musikschaffenden. Eine vergleichende Studie zwischen Brasilien und Deutschland
Folgt.
Di. 13.01.2026 (1600 c.t. | HS 1119)
Cecilia Steinmacher
Musizieren und Wohlbefinden mit Fokus auf Laienensembles
Die positiven Effekte des Musizierens auf das menschliche Wohlbefinden stehen schon lange im Fokus der Forschung. Dabei wird vorrangig das Wohlbefinden vokaler Ensembles untersucht. Im Rahmen eines Promotionsvorhabens soll nun das Wohlbefinden in instrumentalen Laienensembles genauer betrachtet werden. Dafür wurde zunächst in Form eines systematischen Reviews der bisherige Forschungsstand zum Musizieren und Wohlbefinden zusammengetragen. Eine sich daran anschließende Fragebogenstudie wird verschiedene Facetten des Wohlbefindens von Amateurmusizierenden erheben. Erste Ergebnisse werden im Rahmen dieses Vortrags vorgestellt.
Di. 20.01.2026 (1600 c.t. | HS 1119)
Dr. Michelle Ziegler
Berner Fachhochschule
Kreative Kollaborationen in frühen elektronischen Studios
Sparsame Einrichtungen, spekulative Techniken, spontane Kollaborationen: Die elektronischen Studios, die sich in den 1950er Jahren zu konstituieren begannen, erforderten neue Formen der kreativen Tätigkeit. Der Vortrag diskutiert die veränderten Konstellationen von Autorschaft, kreativer Zusammenarbeit und Interaktion mit Technologien.
Di. 27.01.2026 (1600 c.t. | HS 1119)
Rostislav Krimer
HfM Freiburg
Lew Abeliowitsch – ein vergessener Schüler von Myaskovski: Musik zwischen Tragödie und Humanismus
Der polnisch-belarussisch-jüdische Komponist Lew Moissejewitsch Abeliowitsch (1912–1985) gehörte zum engsten Kreis von Dmitri Schostakowitsch und stand in der Tradition seines Lehrers Nikolai Myaskovski. Nach seiner Flucht im Zweiten Weltkrieg verband ihn eine enge Freundschaft mit Mieczysław Weinberg. Sein Werk, geprägt von Erinnerungen, Schmerz und Hoffnung, vereint Tragödie und Humanismus in einzigartiger Weise. Der Vortrag präsentiert neue Erkenntnisse aus meiner Dissertation, die musikwissenschaftliche Analyse und künstlerische Praxis miteinander verbindet.
Di. 03.02.2026 (1600 c.t. | HS 1119)
Humberto Sánchez
Promovend der Ethnomusikologie | Universität Frankfurt
Ethnomusicological tools for Contemporary Indigenous Musics in Mexico
This talk examines contemporary Indigenous musics, understood as recent musical phenomena in which Indigenous communities have appropriated and resignified popular genres such as rock, rap, punk, and reggae. In the context of Mexican ethnomusicology, there has been ongoing discussion about how to extend the in-depth, systematic, and ethnographic study of traditional music to newer sonorities and social contexts. Drawing on two case studies from Chiapas and Querétaro, the talk explores both the challenges and insights that arise when applying ethnomusicological tools—such as musical systems analysis, unstructured interviewing, semiotic approaches, orality, and mass media studies—to these evolving musical forms.
GMK im Sommersemester 2025
Di. 29.04.2025 (1800 c.t. | Online)
Gigliola di Grazia
Vom Gemäldehändler zum Klaviervirtuosen. Friedrich Kalkbrenners Londoner Jahrzehnt (1814–1824)
Di. 06.05.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Prof. Dr. Stefanie Steiner-Grage
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Künstliche Intelligenz und Musikwissenschaft – (wie) passt das zusammen?
Über die Nutzung von KI in einem musikhistorischen Seminar
Künstliche Intelligenz (KI) prägt inzwischen unseren Alltag. Am Telefon antworten Sprachbots, KI-generierte Songs erobern Plätze in den Charts, und auch an den Universitäten hält KI in Forschung wie Lehre Einzug. Dabei schreitet die Entwicklung in schier atemberaubendem Tempo voran, stellt so manche Tradition in Frage und uns vor zunehmende Herausforderungen.
Nach einem kurzen historischen Abriss und Beispielen für die Nutzung von KI-Tools in anderen geisteswissenschaftlichen Fächern wird über ein Seminar zum Thema „Florentiner Camerata“ im letzten Semester berichtet, in dem Übersetzungs- und generative KI-Tools testweise eingesetzt wurden. Welche weiteren Anwendungen außer dem allgegenwärtigen ChatGPT kommen noch in Frage? Wie fällt die Qualität einer Übersetzung von historischen Quellen, z.B. mit DeepL, aus? Ist eine Nutzung zur Literaturrecherche sinnvoll? Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Nutzung von KI-Schreibtools? Und wie ist überhaupt die rechtliche Lage, wenn schriftliche Arbeiten in zunehmendem Maße von generativen KI-Tools verfasst werden? Die bei unserem ebenso spielerischen wie kritischen Umgang mit den Tools erzielten Ergebnisse und Erkenntnisse waren durchaus überraschend und zeigen die Notwendigkeit, uns auch in der universitären Lehre damit auseinanderzusetzen.
Di. 13.05.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Elisa Rumici
Performing Virtuosity in Rautavaara’s Etudes Op. 42
This lecture explores Rautavaara’s Etudes Op. 42 in the context of 20th-century piano virtuosity, with reference to Debussy’s Études. Through analysis, performance, and pedagogy, it examines Rautavaara’s evolving view of virtuosity and piano technique, while also reflecting on his artistic identity as a composer-performer.
Di. 20.05.2025 (1800 c.t. | Online)
Prof. (stv.) Dr. Julian Caskel
Folkwang Universität der Künste Essen
Ecomusicology und Musikanalyse: Aktuelle Fallbeispiele und historische Weitungen
Die Ecomusicology (Ökomusikwissenschaft) ist eines der jüngsten Beschäftigungsfelder der Musikwissenschaft. Arbeitsbereiche haben sich z.B. in der Musikethnologie (Musik im Klimaaktivismus) oder der empirischen Musiksoziologie ergeben (etwa zur Auswertung der Klimabilanz verschiedenster musikbezogenen Tätigkeiten). In dem Vortrag sollen Beispiele vorgestellt werden, wie eine „ökologische Programmatik“ einerseits explizit in aktuellen Sonifikationen und Kompositionen eingebunden wird; es soll aber auch diskutiert werden, inwiefern sich eine solche Topik im Kontext der Historischen Musikwissenschaft auch auf Beispiele aus der (europäischen) Musikgeschichte früherer Jahrhunderte übertragen lassen könnte.
Di. 27.05.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Dr. Tobias Schick
Hochschule für Musik Freiburg
Zerbrochene Spiegel und doppelte Böden: Harmonik in sowjetischen Instrumentalkonzerten
Die Harmonik sowjetischer Musik ist oftmals von einer Verschränkung von durmolltonalen und posttonalen Zügen geprägt. Der Vortrag zeigt, wie die Verfremdung tonaler Momente ein gemeinsames und zugleich individuell ausgeprägtes Prinzip ist, und geht dabei nicht nur auf die Violinkonzerte von Prokof‘ev und Schostakowitsch, sondern auch auf weniger bekannte Werke von Komponisten wie Dmitrij Kabalevskij und Tichon Chrennikov ein.
Di. 03.06.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Jun.-Prof. Dr. Dennis Ried
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Segen oder Fluch? Hybride Edition als Spannungsfeld von Tradition und Digitalität
Die hybride Edition bringt die traditionelle und die digitale Edition zusammen. Doch was genau ist eine hybride Edition: Ein gewinnbringendes Konzept oder ein Marketing-Label? Der Vortrag wirft einen kritischen Blick auf den Status quo hybrider Editionen in der Musikwissenschaft.
Di. 17.06.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Hilde Pols
Die Psychologie des Notensatzes
In der westlichen Musik steht der Notentext im Zentrum des Musizierens, doch wird er im Überaum wie in der Forschung selten auf seine grafische und inhaltliche Qualitäten hin überprüft, trotz der wachsenden Popularität von Notensatzprogrammen, die uns weg von handwerklicher Kunst zu Automatismen und AI-gesteuerten Resultaten führt. Im Rahmen eines Dissertationsprojekts wurden in Fokusgruppen Expert/innen aus dem Bereich Komposition, Notensatz, Interpretation und Instrumentalunterricht gebeten, sich über ihren Umgang mit Noten im musikalischen Alltag auszutauschen. Sie besprachen, welche Aspekte ein gutes Notenbild ausmachen, verglichen Ausgaben und deren editorischen Entscheidungen und erzählten, wie sie zur digitalen Entwicklung beim Spiel von Tablets stehen. Anhand der Reflexiven Thematischen Analyse werden einige Einsichten dieser Konversationen aufgezeigt und diskutiert.
Di. 24.06.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Beatriz Prieto Rico
¿Dónde vas Alfonso XII / buen caballero / el desdichado…? Fassungen, politischer Gebrauch und historische Zuschreibungen eines populären Liedes
Die Romanze von Alfons XII. gehört heute zu den fünf beliebtesten Kinderromanzen in Spanien. Sie ist eine Adaption der Romanze „El palmero“ bzw. „La aparición“, deren Ursprünge bis ins späte 15. Jahrhundert zurückreichen. Die älteste erhaltene Handschrift wurde zwischen 1498 und 1502 zusammengestellt. Der Text erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach seiner Geliebten ist, ohne zu wissen, dass sie bereits verstorben ist. Diese Thematik erwies sich als besonders wandlungsfähig und eignete sich gut zur Anpassung an reale historische Ereignisse. Das Lied wurde an Geschichten von Königen und Königinnen, Legenden und sogar an Ereignisse des Bürgerkriegs angepasst und verbreitete sich über das Theater und später auch über das Kino bis in unsere Zeit.
Di. 01.07.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Marcus Caratelli
Bernard Herrmann und sein klassisches Werk: Sinfonik, Bühnen- und Kammermusik
Folgt.
Di. 08.07.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
David Auli Morales
Die Entgrenzung der Joropo-Maracas. Ein Einblick in neue instrumentaltechnische Konzepte und künstlerische Verwendungsperpektiven
Die Maracas sind ein perkussives Schüttelinstrument, das insbesondere in der traditionellen venezolanischen und kolumbianischen Volksmusik zum Einsatz kommt. Das Ziel des vorliegenden Promotionsvorhabens besteht in der Integration des Instruments in einen neuen musikalischen Kontext sowie in der Analyse und Untersuchung seiner technischen, klanglichen und visuellen Dimensionen.
GMK im Wintersemester 2024/25
Di. 22.10.2024 (1800 c.t. | HS 1119 & online)
Philipp Teriete – Freiburg
“Invisible Giants”: Black American Female Piano Pedagogues of the Late Nineteenth and Early Twentieth Centuries and Their Influence on Early Jazz Musicians
For a long time, women were accorded only a subordinate role in jazz historiography. In more recent years, though, the topics of gender and women in jazz have been studied increasingly and female jazz musicians have been given more appropriate recognition. However, the focus is mostly on performers/composers and, ironically, the portrayal of their lives and artistic work is often modeled after the tale of the male “jazz hero.”
Music pedagogues, on the other hand, have rarely been a subject of detailed discussion in jazz historiography, and when they were, male teachers are at the center of it. Female music educators have received less attention and least of all black women.
In fact, black female music pedagogues – most of whom received their instrumental training at the keyboard – played a crucial role for the musical education of black community in the United States, including that of black jazz musicians. Black female music pedagogues have taught countless children and adolescents at black schools, at Historically Black Colleges and Universities (HBCUs), as well as in churches and homes, laying the groundwork for the success stories of various genres of black music, among others black classical music and jazz.
In his presentation, philipp Teriete will examine the role of black female piano pedagogues of the late nineteenth and early twentieth centuries and their influence on early jazz musicians. Moreover, he will discuss the curricula at HBCUs, since many black pedagogues and jazz musicians were strongly influenced by their academic and aesthetic principles.
Di. 29.10.2024 (1800 c.t. | Archäologische Sammlung der Universität Freiburg)
PD Dr. Dahlia Shehata – Würzburg
Die Musikkulturen des alten Mesopotamien: Kenntnisstand und neue Forschung
Als eine der ältesten in Schrift und Bild dokumentierten Musikkulturen der Welt zeichnet sich die Musik des alten Vorderen Orients durch einen hohen Grad an Professionalisierung und Theoretisierung aus. Funde von reich verzierten Musikinstrumenten oder Keilschrifttafeln mit musiktheoretischen Inhalten sind Gegenstand intensiver, notwendigerweise interdisziplinärer Forschung.
Der Vortrag führt in den Stand und die Entwicklung der Erforschung der Musik Mesopotamiens ein und gibt einen Einblick in das junge Würzburger Projekt “Musical Instruments in Ancient Mesopotamia” (MIAM).
Di. 05.11.2024 (1800 c.t. | HS 1119 & online)
Dr. Áurea Domínguez – Basel
Innovation and Identities in the Early European Phonographic Industry
Initially dependent on American imports, European manufacturers soon began replicating Columbia and Edison’s designs while incorporating unique nationalistic elements. The presentation highlights the innovations of European inventors and the challenges they faced, such as legal and patent issues. It also explores how public use of the phonograph shaped the industry’s development, offering insights into the interaction between innovation, law, and cultural identity as it examines the rise of the phonograph industry in Europe at the turn of the twentieth century.
Di. 12.11.2024 (1800 c.t. | online)
Dr. Laurence Willis – Graz
Development Sections in Recent Formenlehre Treatises
Initially dependent on American imports, European manufacturers soon began replicating Columbia and Edison’s designs while incorporating unique nationalistic elements. The presentation highlights the innovations of European inventors and the challenges they faced, such as legal and patent issues. It also explores how public use of the phonograph shaped the industry’s development, offering insights into the interaction between innovation, law, and cultural identity as it examines the rise of the phonograph industry in Europe at the turn of the twentieth century.
Mi. 20.11.2024 (1800 s.t. | Humboldtsaal)
Prof. Dr. Katelijne Schiltz – Regensburg
“Ut cancer”: Über Krebskanons, Palindrome und andere Rückwärtsbewegungen
Ein Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe »musik + wissen« des Freiburger Forschungs- und Lehrzentrums Musik.
Di. 26.11.2024 (1800 c.t. | online)
Prof. Dr. Judith I. Haug – Olso
Ungleichgewicht der Geschichtlichkeiten: Quelle und Tradition in interkulturellen Projekten der Alten Musik
Interkulturelle Konzertprogramme sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Alten Musik-Szene. Inspiriert von historischen Ereignissen, Reiseberichten oder Orten, an denen verschiedene Kulturen aufeinandertrafen beziehungsweise koexistierten, bringen sie unterschiedliche Musiker*innen und Repertoires in der Aufführung zusammen. Aber welche Konsequenzen hat es, wenn notierte und datierbare Kompositionen der europäischen Kunstmusik auf Repertoires aus der “lebendigen”, als uralt und zeitlos empfundenen mündlichen Tradition vor allem des Nahen Ostens und der Mittelmeerregion treffen?
Di. 03.12.2024 (1800 c.t. | online)
Geoffrey McDonald – Freiburg
Making sense of large-scale structure
Music theory and music psychology have not always seen eye to eye on the role of form/structure in the perception of Western classical music. Geoffrey McDonald will discuss the questions and conflicts that have surfaced in recent decades of research in structural perception, as well as point to some promising new areas of study in both the theoretical and empirical fields. His talk will outline how an interdisciplinary approach to musical analysis — one that is based on the current state of empirical knowledge — can enrich traditional theory curricula, and inform how we think about music in praxis, both as heard and as performed.
Di. 10.12.2024 (1800 c.t. | HS 1119)
Dr. Peter Asimov – Cambridge
Yvonne Loriod and the Ambiguity of Submission
The first half of “La Martelée”, the opening movement of Yvonne Loriod’s final composition, Trois pièces pour deux pianos préparés (1951), is structured upon independent rhythmic schema in the two piano parts, respectively gendered “masculine” and “feminine”. Over time, the “feminine” piano’s rhythms increasingly yield to those of the “masculine” piano, culminating in what Loriod calls a “Fondution”—a made-up French word suggesting a “melting-together”—representing an idealised process of union between the two pianos, between man and woman, and between Messiaen and Loriod, manifested in their creative partnership over the 1950s and eventually their marriage in 1961.
In this paper, Peter Asimov retraces Loriod and Messiaen’s artistic entwinements over the 1940s and ’50s, from their compositional dialogues through her decision to cease composition in favour of a piano performance career chiefly devoted to his œuvre. Thinking with Simone de Beauvoir and Manon Garcia, he attempts to reconcile a critique of patriarchal modernism with an effort to comprehend Loriod’s own ambition to fuse with Messiaen. He concludes by extrapolating Garcia’s understanding of the “ambiguity of submission” from the Loriod-Messiaen microcosm to the broader dynamics of art music in order to better understand performers’ apparent willingness to subordinate themselves to composers.
Di. 17.12.2024 (1800 c.t. | HS 1119)
Prof. Dr. Cosima Linke – Freiburg
Zur Geschichte der musikalischen Subjektivität und Expressivität aus diskurshistorischer und analytischer Sicht
Der Vortrag versteht sich als ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der musikalischen Analyse mit besonderem Fokus auf der Geschichte musikalischer Subjektivität und Expressivität seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert bis hin zum frühen 20. Jahrhundert. Obwohl in der aktuellen Musikphilosophie verschiedene Theorien musikalischer Subjektivität und Expressivität diskutiert werden, fehlt es bislang meist noch an Ansätzen, die musikphilosophische, musikhistorische und musiktheoretisch-analytische Herangehensweisen enger zusammenführen. Hier kann eine Verknüpfung diskurshistorischer Perspektiven mit jüngeren hermeneutisch orientierten Methoden in der Musikanalyse ansetzen, auch im Sinne einer ›historisch informierten‹ Analyse. Dementsprechend sollen, neben der Einbeziehung von ausgewählten Quellen zur Instrumentalmusikästhetik, Beispiele von C.P.E. Bach, Ludwig v. Beethoven, Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Gustav Mahler exemplarische Schlaglichter auf die Geschichte der musikalischen Subjektivität und Expressivität werfen.
Di. 07.01.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Julin Lee – München
Soundtracks on/in Demand: Spreadable and Drillable. Television Series Soundtracks in the Streaming Era.
In her talk, Julin Lee aims to demonstrate how soundtracks in the era of Peak TV can be productively studied through the twin lenses of “drillability” (Mittell 2015) and “spreadability” (Jenkins et al. 2013). Drawing on case studies which include HBO’s Westworld, Netflix’s Stranger Things, Disney+’s The Mandalorian, and Prime Video’s The Rings of Power, she aspires to contribute to a better understanding of contemporary television series soundtracks’ function and reception by directing analytical focus on their “sprillability” – their dual roles as sites for the broader expansion of and deeper engagement with a series.
Di. 14.01.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Prof. Dr. Natasha Loges – Freiburg
Words Fail Me: Reflections on the Legacy of Pauline Viardot
Di. 21.01.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Prof. Dr. Kai Stefan Lothwesen – Trossingen
Suchen, Finden, Spielen. Perspektiven auf musikalische Kreativität und Improvisation
Als ephemeres Phänomen ist musikalische Improvisation flüchtig und nicht fixierbar, weshalb sie häufig der Komposition gegenübergestellt wurde. Die hinter diese beiden generativen Prozessen liegenden kognitiven Mechanismen sind aber durchaus vergleichbar, wie musikpsychologische Modelle nahelegen. Um musikalische Improvisation als Handlungskonzept greifbar werden zu lassen, sollen hier verschiedene Perspektiven eröffnet werden, die Erscheinungen musikalischer Improvisation, kreative Schaffensprozesse und ästhetische Zugänge thematisieren.
Di. 28.01.2025 (1800 c.t. | HS 1119 | online)
Prof. Dr. Konrad Küster – Freiburg
Wie komponierte Bach seine Kantaten?
Der Beitrag hat einen dreifachen Zweck.
Zunächst: Die Einblicke, um die es bei Bach gehen soll, sind durch ein Vorreiterprojekt der Digital Humanities möglich geworden; so tief in Bachs Manuskripte blicken (und daraus Konsequenzen ziehen) konnte man noch nie. Umfassend verfügbar, geben sie Details des Komponierens preis, die sich nie und nimmer in einer noch so idealen Neuedition transportieren ließen. Das hat zugleich exemplarischen Charakter; ähnlich untersuchen ließen sich im Prinzip ebenso die Werkquellen unzähliger anderer Komponist:innen. Die Bach-Einblicke (gerade in ein Buchmanuskript eingegangen) können obendrein weitgehende Auswirkungen auf das Aufführen seiner Musik haben.
Der zweite: Federführend hinter dem Digital-Humanities-Projekt (Zusammenstellung und Aufbereitung der Reproduktionen, Beschaffung der Metadaten: in https://www.bach-digital.de/) steht das Bach-Archiv Leipzig. Dieses wird eine Station unserer Exkursion nach Sachsen sein. Die Teilnehmer:innen an ihr (auch die, die normalerweise nicht am Kolloquium teilnehmen) sind also wärmstens zu dem Vortrag eingeladen; dieser bietet zugleich (als Einleitung) einen Schnelleinstieg zu „Bach in Leipzig“. (Niemand braucht also mitzureisen, ohne zu wissen, was „Sache“ ist; und alle anderen könen diese Startgrundlage ebenso bekommen.)
Der dritte: In der Vorlesung zur Musik des 16.-18. Jahrhunderts steht Italien im Fokus. Damit ist in jener Zeit vieles mitberührt, das den Raum nördlich der Alpen betrifft (nicht zuletzt Wien, zeitweilig auch Paris etc.), kaum aber Bach. Deshalb wendet sich die Einladung ausdrücklich auch an alle Teilnehmenden der Vorlesung. Weil sowieso der erwähnte „Schnelleinstieg“ geboten wird, ist der Vortrag (hoffentlich) auch für Studierende im 1. Semester verdaulich.
Di. 04.02.2025 (1800 c.t. | HS 1119)
Prof. Dr. Felix Diergarten – Luzern
Bruckners Vögel
GMK im Sommersemester 2024
Di. 16.04.2024 (1900 c.t. | HS 1119)
Ulrike Brinkmann – Freiburg
Englische „Prayer Book“-Liturgie und kirchenmusikalische Quellen der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
In ihrem Dissertationsprojekt untersucht Ulrike Brinkmann kirchenmusikalische Quellen der Church of England aus jener Zeit vor dem Hintergrund ihrer liturgischen Nutzung und geht dabei auch der Frage nach, welche Funktion das Anthem im Gottesdienst hat.
Di. 23.04.2024 (1800 c.t. | HS 1119)
Janine Droese – Hamburg
Album, Archiv, Musikgeschichte. Das Wiener Musikleben des 19. Jahrhunderts im Musikalbum der Familie von Wimpffen
Im Nachlass des Grafen Victor von Wimpffen im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde Wien befindet sich ein achtbändiges Album, in dem die Familie über ein gesamtes Jahrhundert hinweg handschriftliche, zumeist musikalische Einträge gesammelt hat. Begonnen wurde die Sammlung durch Maria von Wimpffen geb. Eskeles, die angeblich ein Beethoven-Autograph als Ausgangspunkt für ihre Sammlung wählte. Diese wurde in den Folgejahren offenbar mehrfach umgestaltet und erweitert. Nach ihrem Tod führten ihre Schwiegertochter Anastasia und ihr Sohn Victor das Album weiter. Schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erhielt die Sammlung öffentliche Aufmerksamkeit, und es gibt Indizien dafür, dass sich neben dem engen Kreis der Familie auch weitere Personen des Wiener Musiklebens bemühten, Einfluss auf die Auswahl der aufgenommenen Komponist:innen und Musiker:innen zu nehmen oder sich selbst im Rahmen des Albums zu verewigen. Heute hingegen kann das Album als weitgehend vergessen gelten.
Der Vortrag wird zum einen die Kompilation des Albums und seine Eingebundenheit in das Wiener Musikleben des 19. Jahrhunderts aufzeigen. Zum anderen wird das Album vor dem Hintergrund von Aleida Assmanns Theorie des kulturellen Gedächtnisses betrachtet. Abschließend soll der Blick geweitet und der Zusammenhang zwischen Musikalben im Allgemeinen, Archiv und Musikgeschichtsschreibung dargelegt und diskutiert werden.
Di. 30.04.2024 (1800 c.t. | online)
Ya’qub El-Khaled – Zwickau
„… the impossibly fast combined with the impossibly hard to finger…“. Zur Interpretation anspruchsvoller Lautenmusik
In zahlreichen Lautenbüchern des 16. Jahrhunderts sind Passagen notiert, die die Möglichkeiten des Instruments Laute zu übersteigen scheinen: z. B. sind Griffe notiert, die mehr Greiffinger erfordern als anatomisch vorhanden oder Stimmführungen, die selbst bei virtuosester Beherrschung des Instruments nicht realisierbar sind. Während moderne Praktiker bisher verständlicherweise einen Bogen um dieses Repertoire gemacht haben, konnten auch in der Musikwissenschaft lange Zeit keine überzeugenden Erklärungen für dieses Phänomen gefunden werden. Erst dank eines innovativen Neuansatzes, der musikhistorische, philologische und instrumentalpraktische Elemente miteinander verband, konnten vor Kurzem neuartige Erkenntnisse zum ‚unlautenistischen‘ Lautenrepertoire gewonnen werden. Diese zeigen: selbst das ‚unlautenistische‘ Repertoire kann gespielt werden – wenn man nur weiß wie.
Di. 07.05.2024 (1800 c.t. | HS 1119 & online)
Michael Struck – Kiel
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem. Entstehung – Entmythologisierung – Editionsprobleme
2022 legten Michael Musgrave (New York) und Michael Struck (Kiel/Bordesholm) ihre historisch-kritische Edition des „Deutschen Requiems“ im Rahmen der „Neuen Ausgabe sämtlicher Werke“ von Johannes Brahms vor. In seinem anschaulichen Vortrag mit zahlreichen Ablichtungen von Handschriften und frühen Drucken berichtet Michael Struck von spannenden neuen Erkenntnissen und interessanten editorischen Problemen bei der Arbeit an dem über 640-seitigen Band und spricht auch Folgen für Aufführungen des Brahms-Requiems an.
Di. 14.05.2024 (1800 c.t. | online)
Nicola di Stefano – Rom
Consonance and dissonance perception in audition and beyond
Consonance and dissonance are foundational notions in Western music theory and harmony, with a long history of research and theorizing, stretching from ancient Greek philosophy to modern-day laboratories. A solid body of evidence demonstrates that humans’ processing advantages for consonance are encoded in the auditory system. Nevertheless, debates persist regarding the assumed universality of consonance and dissonance perception and its implications for musical traditions. In my presentation, I will critically examine various bio-psycho-musicological findings related to consonance and dissonance perception, while also exploring the potential for extending these concepts beyond the realm of auditory perception.
Di. 28.05.2024 (1800 c.t. | HS 1119 & online)
Konstantin Voigt – Freiburg
Ars, Cantus und Musica um 900 – Marginalia zur Fusion distinkter Wissensbereiche zum Konzept „Musiktheorie“
Di. 11.06.2024 (1800 c.t. | HS 1119 & online)
Janik Hollaender – Freiburg
Frömmigkeitspraxis als Zugang zur Musikästhetik der Renaissance?
Nur wenige Musikhandschriften und Quellen sind uns aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhalten. Die wenigen Quellen, unter denen die Mailänder Chorbücher (Libroni) und die darin enthaltenen Motetti Missales eine herausragende Stellung einnehmen, überliefern jedoch ein außergewöhnlich expressives und eigenwilliges Repertoire. In meinem Vortrag möchte ich die darin enthaltenen Kompositionstechniken mit der Liturgie- und Frömmigkeitspraxis des späten 15. Jahrhunderts parallelisieren, um Rückschlüsse auf die Entstehungskontexte der Musik möglich zu machen.
Di. 25.06.2024 (1800 c.t. | online)
Cüneyt Ersin Mıhçı – Istanbul
Forging National Music on Both Sides of the Aegean between 1870–1920
Music is an efficient medium that has the power of conveying ideas and shaping identities, including national ones. This talk looks specifically on how music contributed to the construction of national identities in Greece and the late Ottoman Empire between 1870 and 1920, when national sentiment reached new highs. Based on a comparative approach, this lecture aims to show similarities but also differences in the emergence of narratives around music and national identity in both nations. In order to approach this complex topic, the speaker will use historical materials and data to look how the national music discourse in both nations emerged and what fundamental topics were debated. Secondly, by using case studies from the field of music school education, the presenter will show how the ideas of the national music discourse were put into practice. A selection of Ottoman and Greek school songs will show which ideological and pedagogical currents they followed, but also how school songs were used to convey national ideology to young children that in the future would shape the national collective.
Mi. 03.07.2024 (1800 c.t. | Humboldtsaal)
Heiner Gembris – Paderborn
Musikalische Entwicklung in der Lebenszeitperspektive
Ein Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe »musik + wissen« des Freiburger Forschungs- und Lehrzentrums Musik.
