Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Neue Studie zeigt: Lehrkräfte lernen ständig dazu

Freiburg, 02.06.2026

Forschende der Universität Freiburg habenuntersucht, wie sich das pädagogisch-psychologische Wissen von Mathematiklehrkräften im Schulalltag entwickelt. Im Durchschnitt nimmt es deutlich zu – auch noch lange nach dem Studium. Förderlich ist dabei die systematische Reflexion von Unterrichtserfahrungen.

Eine Lehrerin bespricht mit Schulkindern Aufgaben an einem Schreibtisch im Klassenzimmer.
Forschende der Universität Freiburg haben untersucht, wie sich pädagogisches Wissen von Mathematiklehrkräften im Laufe ihrer Karriere entwickelt. Foto: AdobeStock_391344115_BalanceFormCreative

Lehrkräfte lernen auch nach ihrem Studium noch viel dazu: Sie bauen ihr pädagogisch-psychologisches Wissen im Berufsalltag häufig immer weiter aus – mit positiven Effekten auf die Qualität ihres Unterrichts. Wichtig hierfür ist, dass die Lehrer*innen den eigenen Unterricht bewusst reflektieren. Das zeigt eine Längsschnittstudie mit Mathematiklehrkräften in Deutschland, die von den Universitäten Freiburg und Potsdam, der Humboldt-Universität Berlin und dem DIPF, dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt a. M., gemeinsam durchgeführt wird. Die neuen Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Contemporary Educational Psychology erschienen.

Professionelle Kompetenz von Lehrkräften

„Unsere Ergebnisse sind ermutigend“, sagt Prof. Dr. Thamar Voss, Professorin für Empirische Schul- und Unterrichtsentwicklungsforschung an der Universität Freiburg und Leiterin der Studie. „Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte sich auch lange nach dem Studium weiterentwickeln. Selbst in der späteren Berufsphase, in der formale Lerngelegenheiten oft weniger strukturiert sind, bauen viele ihr professionelles Wissen weiter aus.“ Pädagogisch-psychologisches Wissens bildet die Grundlage dafür, Unterricht lernwirksam zu gestalten – etwa, wenn es darum geht, Lernprozesse zu strukturieren, auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen oder hilfreiche Rückmeldungen zu geben. Hierin zeigt sich die Professionalität von Lehrkräften im Alltag.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsprogramm „COACTIV-expeRt – Entwicklung und Bedeutung der professionellen Kompetenz von Lehrkräften“ untersucht, wie sich die professionelle Kompetenz von Lehrkräften über die gesamte Berufslaufbahn hinweg entwickelt. Grundlage ist eine umfangreiche Längsschnittstudie mit über 800 Lehrkräften, die seit ihrem Referendariat 2007/08 über viele Jahre hinweg wiederholt befragt wurden. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche Faktoren die professionelle Entwicklung von Lehrkräften fördern oder behindern.

Portrait von Prof. Dr. Thamar Voss

„Wer guten Unterricht und Unterrichtserfolge will, muss die professionelle Entwicklung von Lehrkräften langfristig begleiten. Lehrkräfte können ein Berufsleben lang weiterlernen und sollten darin unterstützt werden. Davon profitieren am Ende vor allem ihre Schülerinnen und Schüler.“

Prof. Dr. Thamar Voss

Professorin für Empirische Schul- und Unterrichtsentwicklungsforschung, Universität Freiburg

Intensive Erfahrungen im Referendariat

Dr. Nikolaus Bönke und Prof. Dr. Thamar Voss von der Universität Freiburg sowie Talha Sajjad vom DIPF legen nun neue Ergebnisse zur Entwicklung des pädagogisch-psychologischen Wissens vor. Dieses Wissen wurde in der Studie mithilfe eines standardisierten Kompetenztests mehrfach gemessen. Das Ergebnis: Im Durchschnitt nimmt es im Schulalltag deutlich zu – besonders stark während des Referendariats; hier sammeln angehende Lehrkräfte erstmals intensiv praktische Erfahrungen im Klassenzimmer und werden dabei eng begleitet. Aber auch danach ist der Zuwachs noch signifikant.

Doch die Studie macht auch deutlich: Entscheidend ist nicht allein die gesammelte Erfahrung, sondern auch, was Lehrkräfte daraus machen: Wer Unterricht bewusst reflektiert, also das eigene Handeln hinterfragt und daraus Schlüsse für künftige Unterrichtssituationen zieht, entwickelt sich deutlich stärker weiter. Angebote, die systematische Reflexion fördern – etwa Mentoring, kollegiale Beratung oder Fortbildungen – bleiben daher auch im späteren Berufsleben wichtig.

Schülerinnen und Schüler profitieren

Für die Lehrkräftebildung ergibt sich daraus eine klare Botschaft, sagt Voss: „Wer guten Unterricht und Unterrichtserfolge will, muss die professionelle Entwicklung von Lehrkräften langfristig begleiten. Lehrkräfte können ein Berufsleben lang weiterlernen und sollten darin unterstützt werden. Davon profitieren am Ende vor allem ihre Schülerinnen und Schüler.“

Weitere Informationen

  • Originalpublikation: Bönke, N., Sajjad, T., Voss, T. (2026). They keep on learning: Teachers’ pedagogical/psychological knowledge increases over 15 years in the teaching profession. Contemporary Educational Psychology, 85, 102459. DOI: https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2026.102459
  • Prof. Dr. Thamar Voss ist Professorin für Empirische Schul- und Unterrichtsentwicklungsforschung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Freiburg und Leiterin der COACTIV-expeRt-Studie. Dr. Nikolaus Bönke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut. Talha Sajjad ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt a.M.

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