Siegelement der Uni Freiburg in Form einer Blume

Internationale Tandem-Lehrforschung

in Kooperation mit der Gadjah Mada Universität, Yogyakarta, Indonesien

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Allgemeine Informationen

Seit 2004 findet jährlich eine gemeinsame Lehrforschung von Studierenden der Sozial- und Kulturanthropologie (SKA) der Universität Freiburg und der Gadjah Mada Universität (UGM) statt. Die Forschungsaufenthalte wechseln dabei im Jahresrhythmus zwischen Deutschland und Indonesien und werden von Lehrenden beider Universitäten begleitet. Im Kontext eines alle zwei Jahre wechselnden Rahmenthemas entwickeln die Studierenden eigene Fragestellungen, die sie in Kleingruppen in beiden Ländern bearbeiten.

Durch das gemeinsame forschende Lernen erweitern die Teilnehmenden ihre Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und ihre eigene Positionierung kritisch zu reflektieren. Zudem sammeln sie wertvolle Erfahrungen in inklusiven Formen der Wissensproduktion, die für eine reziproke und dekoloniale Lehr- und Forschungspraxis von zentraler Bedeutung sind.

Die Tandem-Lehrforschung wurde von Judith Schlehe ins Leben gerufen und im Laufe der Jahre durch die Zusammenarbeit mit weiteren lokalen und interdisziplinären Partnerinstitutionen kontinuierlich weiterentwickelt. So arbeiteten die Studierenden der SKA von 2011 bis 2017 gemeinsam mit Studierenden der Politikwissenschaft (Internationale Beziehungen) beider Universitäten zusammen. Von 2014 bis 2017 war zudem die Hasanuddin Universität in Makassar beteiligt, und im Jahr 2020 kam die University of Indonesia (UI) in Jakarta hinzu. Zwischen 2018 und 2022 wurde das Projekt außerdem im Rahmen des European Campus durch die Universität Basel ergänzt. Seit 2023 wird die Tandem-Lehrforschung von Michaela Haug in Zusammenarbeit mit Pujo Semedi Hargo Yuwono und Sita Hidayah an der Gadjah Mada Universität weitergeführt.

Aktuelle Lehrforschung

Tandem-Lehrforschung 2025 & 2026: Alternative Food- & Agri-Cultures

Das Tandem Team 2025 an der UGM in Yogyakarta

Im Sommer 2025 war erstmals auch die Universität zu Köln in die Tandem-Kooperation eingebunden – durch die Zusammenarbeit mit dem Kölner Institut für Ethnologie und der Förderung durch die Forschungsinitiative Sharing a Planet in Peril.

Die 2025 gestartete Tandem-Lehrforschung widmet sich unter dem Rahmenthema „Alternative Food- & Agri-Cultures“ der Frage, wie Lebensmittel jenseits konventioneller, industrialisierter Systeme produziert, verteilt, erworben und konsumiert werden. Studierende der Universität Freiburg (UFR), der Universität zu Köln (UzK) und der Universitas Gadjah Mada (UGM) untersuchten dabei aus sozial- und kulturanthropologischer Perspektive, welche Motivationen, Ziele, Herausforderungen und Auswirkungen mit alternativen Formen der Lebensmittelproduktion und -versorgung in Yogyakarta verbunden sind. Ziel dieser Initiativen ist es, nachhaltigere, sozial gerechtere und vielfältigere Ernährungsweisen zu fördern. Im Folgenden werden die einzelnen Projekte vorgestellt.

Ivana Renada (UGM) und Laura Bock (UzK)

Kommensalität und Glaube in Yogyakarta

Im Rahmen unserer Tandem-Lehrforschung gingen wir der Frage nach, wie eng Ernährungsgewohnheiten und religiöse Praxis miteinander verflochten sind. Unsere Forschung führte uns in die religiöse Gemeinschaft Sapta Darma, deren Ursprung in Yogyakarta liegt. Mehrere Abende und Nächte verbrachten wir im Sapta Rengga, dem spirituellen Zentrum der Gemeinschaft. Durch informelle Gespräche, teilnehmende Beobachtungen, semi-strukturierte Interviews sowie gemeinsames Kochen und Essen erhielten wir Einblicke in das Leben der Menschen im Tempel und in der umliegenden Nachbarschaft.

Dieser kurze, aber intensive dreiwöchige Forschungsaufenthalt zeigte uns, dass das gemeinsame Essen (Kommensalität) nicht nur ein Gefühl von Solidarität und Zugehörigkeit stiftet, sondern auch, dass Rituale rund um das Essen häufig weniger Ausdruck des Glaubens selbst sind, sondern tief in der javanischen Kultur verwurzelt bleiben. Wir danken allen Menschen, die uns während dieser Zeit Einblicke in ihren Alltag und ihre Glaubenspraxis gewährt haben.

Agustina Herawati (UGM), Elias Sontomayor (UzK), Raden Ahmad Imam Surya (UGM) und Andeta D. Shafira (UGM)

Rewang – Kochen als Gemeinschaft

Im Rahmen des Tandem-Forschungsprogramms führten wir eine Feldforschung im Dorf Hera, Sumber, Magelang, durch, um mehr über rewang zu erfahren – eine gemeinschaftliche Kochpraxis, die tief im javanischen Sozialleben verwurzelt ist und in diesem Dorf über Generationen weitergegeben wurde. Rewang ist nicht nur eine Tätigkeit, sondern auch eine Möglichkeit, soziale Verbindungen in der Gegenwart zu pflegen. Es geht über das Kochen hinaus und verkörpert Gegenseitigkeit, Solidarität und den moralischen Wert von gotong royong (gegenseitige Hilfe) sowie menschliche Verbundenheit innerhalb der Gemeinschaft. Die gemeinsame Forschung bot uns zudem die Gelegenheit, voneinander und miteinander zu lernen. Durch teilnehmende Beobachtung erforschten wir, wie eine alltägliche Handlung wie das Zubereiten von Speisen zu einem kulturellen Medium wird, das Traditionen bewahrt, Gemeinschaftsbindungen stärkt und sich an gesellschaftliche Veränderungen anpasst. 

Ulyana Duve (UFR) und Aniella Putri (UGM)

Schmetterlingstee & Spezialitätenkaffee

Für unser gemeinsames Forschungsprojekt konzentrierten wir uns auf das Thema „Trends im Getränkekonsum unter jungen Menschen in Yogyakarta“. Dabei untersuchten wir zwei besonders beliebte Getränke – Spezialitätenkaffee und Schmetterlingserbsentee – und analysierten, wie sie in der Stadt konsumiert werden. Im Verlauf des Projekts führten wir Interviews mit verschiedenen Personen in und um Yogyakarta, darunter Landwirt*innen, Cafébesitzer*innen, Baristas und Kund*innen. Im Rahmen unserer Feldforschung besuchten wir außerdem eine Kaffeefarm, wo wir mehr über den Anbau und die Verarbeitung von Kaffee erfuhren. Wir stellten fest, dass Kaffee in Yogyakarta nicht nur als Energielieferant getrunken wird, sondern auch eine soziale Funktion hat, da er Menschen zusammenbringt.

Pauline Mahrwald (UFR), Muhammad Ade Putra (UGM) und Jonathan Ephram Purnomo (UGM)

Lupis: Zwischen Tradition und Wandel

Unser Team begann seine Forschung mit einem Interesse an traditionellem Essen und Märkten und stieß dabei auf lupis – einen traditionellen indonesischen Snack aus Klebreis, Palmzuckersirup und Kokosnuss. Wir wollten verstehen, warum er so beliebt ist, welche Erinnerungen und Verbindungen Menschen mit ihm verbinden und wie er hilft, Traditionen in Yogyakarta lebendig zu halten. Durch Feldforschung auf Märkten und Straßenständen, teilnehmende Beobachtung und Interviews mit Verkäufer*innen und Kund*innen erkannten wir, dass Tradition nichts Starres ist, sondern sich ständig wandelt und neu verkörpert – besonders sichtbar beim berühmten Lupis-Stand von Mbah Satinem, der durch eine Netflix-Serie bekannt wurde.

Unsere Forschung lehrte uns nicht nur etwas über die kulturelle und emotionale Bedeutung von lupis, sondern auch über uns selbst und unsere Beziehung zu Yogyakarta. Die dreieckige Form des Lupis wurde schließlich zu einem Symbol unserer Gruppe – für Forschung, Freundschaft und gemeinsame Erinnerung.

Athagiina Imela Sharira Hanung (UGM) und Stella Giehl (UzK)

Kelompok Tani: Urbane Landwirtschaft zwischen Solidarität und Governance

Im Rahmen eines dreiwöchigen Tandem-Projekts erforschten wir alternative Lebensmittelsysteme und urbane Landwirtschaft in Yogyakarta. Unsere Forschung konzentrierte sich auf urbane Anbaugemeinschaften in Yogyakarta, wobei wir verstehen wollten, wie kelompok tani (Bäuer*innengruppen) in größere soziale Netzwerke und Verwaltungsstrukturen eingebettet sind. Besonders interessierte uns, wie Beziehungen zu lokalen Gemeinschaften, staatlichen Institutionen und NGOs die Entwicklung und Nachhaltigkeit solcher Initiativen beeinflussen. Unsere Feldforschung mit den Gruppen KTD Hijau Daun und KWT Srikandi umfasste Interviews mit Mitgliedern in verschiedenen Rollen. Dabei zeigte sich, dass die Nachhaltigkeit dieser Gruppen stark von externen Partnerschaften und Governance-Netzwerken abhängt, die Legitimität und Unterstützung sichern. Gleichzeitig stellten wir fest, dass starke interne Dynamiken – insbesondere Vertrauen und Solidarität unter den Mitgliedern – eine zentrale Rolle für die dauerhafte Widerstandsfähigkeit spielen.

Bernadien Pramudita Tantya Kirana (UGM), Luca Wilke (UzK) und Meysyah Dwi Nastiya (UGM)

Soziokulturelle Dimensionen des Anbaus von Piper retrofactum

Unsere Tandem-Forschung befasste sich mit Piper retrofractum, einer in Indonesien heimischen „Chili“-Art, die einst im gesamten indonesischen Archipel weit verbreitet war, bevor sie durch die heute übliche Chili (Capsicum sp.) ersetzt wurde. Die Forschung konzentrierte sich auf die soziokulturellen Auswirkungen des Anbaus von Piper retrofractum in Yogyakarta. Als Handelsgut ist Piper retrofractum relativ einfach anzubauen, benötigt wenig Pflege, liefert kontinuierliche Erträge, hat eine lange Lebensdauer und erzielt stabile, hohe Preise. Der Anbau trägt sowohl zum Wohlstand einzelner Haushalte als auch zur Gemeinschaft bei. Als Gewürz wird es hauptsächlich in jamu (traditionelles javanisches Kräutergetränk) und in einigen Speisen verwendet, auch wenn der Gebrauch aufgrund des hohen Preises eher selten ist.

Julia Kümmel (UFR) und Pitania Citra Prabandini (UGM)

Generationale Perspektiven auf Jamu

Unser Team erforschte jamu, ein traditionelles javanisches Gesundheitsgetränk. Obwohl jamu eine zentrale Rolle im Alltag vieler Javaner*innen gespielt hat, scheint die jüngere Generation dem Getränk gegenüber eine eher negative Haltung einzunehmen. Daher vertreten einige die Ansicht, dass jamu sich weiterentwickeln und an die Bedürfnisse der jungen Generation anpassen müsse – etwa durch Veränderungen von Geschmack, Aussehen und Rezeptur. Andere wiederum befürchten, dass eine zu starke Abwandlung dazu führen würde, dass jamu seinen eigentlichen Zweck als Gesundheitsgetränk verliert. Trotz dieser unterschiedlichen Auffassungen bleibt offensichtlich, dass jamu auch heute noch eine wichtige Rolle für die javanische Identität spielt.

Sagaralange Wunga Paramahita (UGM), Eka Maia Hertanti (UGM) und Bianca Turbiglio (UGM)

Permakultur als Alternative? Regenerative Landwirtschaft in und um Yogyakarta

Während des Tandemprojekts beschäftigten wir uns mit den wirtschaftlichen Aspekten gemeinschaftsbasierter Permakulturprojekte in und um Yogya. Wir fragten uns, ob Permakultur und regenerative Landwirtschaft tatsächlich eine sozioökonomische Alternative darstellen können, die sich vom monokulturellen und ausbeuterischen System des neoliberalen Gesellschaftsmodells löst.

Unsere Feldforschung fand an zwei Hauptstandorten statt, wo wir teilnehmende Beobachtungen und halbstrukturierte Interviews durchführten. Diese Permakulturprojekte legen großen Wert auf Ernährungsselbstversorgung. In dieser gemeinsamen Zeit lernten wir viel voneinander und von den Menschen, denen wir begegneten. Es war eine großartige Gelegenheit, gemeinsam zu forschen, die Werkzeuge anthropologischer Forschung praktisch anzuwenden und Wissen sowie Erfahrungen mit unseren Gesprächspartner*innen zu teilen.

Aisha Johan (Ame) (UGM) und Sandra Tamara Tikale (UzK)

Hühnerherz & Rindermagen: Soziokulturelle Perspektiven auf Innereien

Der Verzehr von Innereien – also tierischer Nebenerzeugnisse jenseits des Schlachtfleisches – ist eine Praxis, die vielen Indonesier*innen völlig normal erscheint, während sie für viele Deutsche zunehmend ungewöhnlich wirkt. Ausgehend von unseren eigenen Positionen als Innereien-Liebhaberin und Innereien-Skeptikerin untersuchten wir während unseres Tandem-Forschungsprojekts die Perspektiven auf den Verzehr von Innereien in Yogyakarta. Wir wollten verstehen, warum und wie junge Menschen Innereien konsumieren oder ablehnen, mit Fokus auf Hühner- und Rinderinnereien.
Durch Interviews, Gespräche, eine Fokusgruppe, Umfragen und Beobachtungen auf Märkten und Imbissständen erhielten wir Einblicke in die Vielfalt dieser Esspraxis. Geschmack, Textur, Gewohnheit und Gesundheitsüberzeugungen beeinflussen Entscheidungen ebenso wie ökonomische und moralische Überlegungen. Einige betonten die Bedeutung von Kräutern und Gewürzen im Zusammenhang mit Innereien, andere äußerten ethische Vorbehalte. Einheitliche Trends gibt es kaum – vielmehr spiegeln sich in den Essgewohnheiten soziale Medien, wirtschaftliche Bedingungen, Urbanisierung und der Wandel traditioneller Gerichte wider. 

Ayesha Nuriya Hanan (UGM) und Carla Sofia Derzenbach (UFR)

Tourismus und Urbane Landwirtschaft in Yogyakarta

Unser Team interessierte sich für die Schnittstelle von urbaner Landwirtschaft und Tourismus und stellte insbesondere die Frage, wie und warum Initiativen der urbanen Landwirtschaft zunehmend touristische und besucherorientierte Aktivitäten integrieren, wie Workshops oder die Teilnahme am kampung wisata (Tourismusdorf)-Programm.

Zu diesem Zweck besuchten wir drei Initiativen in der Stadt Yogyakarta: Kebun Sayur Bausasran, Kebun Kali Code und Kampung Wisata Sura Amerta. Im Verlauf von drei Wochen diskutierten wir Themen wie die Ziele der Initiativen in Bezug auf das Wohl der Gemeinschaft, öffentliche Bildung, die Entwicklung des Potenzials der Nachbarschaft sowie die Multifunktionalität von Räumen. Wir sind allen Menschen, die sich die Zeit genommen haben, mit uns in den Austausch zu treten, und die bereit waren, ihre Erfahrungen und Perspektiven zu teilen, außerordentlich dankbar.

Helena Bröer (UFR), Fida Afra’ Effendi (UGM), Graceia Kirana (UGM) und Laura Landsberg (UFR)

Tempe Benguk: Eine lokale Alternative?

Im Rahmen unserer Feldforschung in Kulon Progo beschäftigten wir uns damit, welche Herausforderungen und Potenziale Tempe Benguk als lokale Alternative zu soja-basiertem Tempeh in Indonesien bietet und ob es möglicherweise auch über Kulon Progo hinaus eine Alternative sein könnte. Dazu kombinierten wir teilnehmende Beobachtung mit informellen Gesprächen mit Produzent*innen und Verkäufer*innen, besuchten Haushalte, beteiligten uns am Produktionsprozess und führten Marktbeobachtungen durch, um sowohl praktische als auch soziale Perspektiven auf dieses traditionelle Lebensmittel zu erfassen.
Tempe Benguk wird nach wie vor traditionell hergestellt: Die fermentierten Benguk-Bohnen werden sorgfältig mit Gewürzen geschichtet und anschließend gekocht. Auf lokalen Märkten ist die Nachfrage jedoch begrenzt, da viele Konsument*innen mit soja-basiertem Tempeh vertrauter sind. Tempe Benguk wird meist als Snack und weniger als Grundnahrungsmittel konsumiert, was sowohl die kulturelle Bedeutung als auch die Schwierigkeiten zeigt, traditionelle Alternativen in veränderten Lebensmittelmärkten zu fördern.

Tandem-Lehrforschung 2023 & 2024: Urban Future-Making

Das Tandem Team 2023 an der UGM in Yogyakarta

In den Jahren 2023 und 2024 lag der Fokus der Übungsforschungen auf städtischer Zukunftsgestaltung unter dem Thema „Urban Future-Making“. Im August 2023 untersuchten Studierende der Sozial- und Kulturanthropologie der Universitas Gadjah Mada (UGM) und der Universität Freiburg (UFR) in Yogyakarta Prozesse des städtischen Wandels und Vorstellungen zukünftiger Stadtwelten. Im Sommer 2024 richtete sich der Blick dann auf Freiburg, wo ähnliche Fragen der Stadtgestaltung und insbesondere Visionen für eine „grüne“ Stadtzukunft erforscht wurden.

Aqilurrachman Abdul Charitz und Frederik Budach gemeinsam mit Aktivist*innen

Different Shades of Green“ – Wahrnehmung des Stadtteils Dietenbach

Im Rahmen der diesjährigen Tandem-Lehrforschung in Kooperation mit der Universitas Gadjah Mada beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Visionen einer „grünen Stadt“. Im Zentrum steht der geplante Freiburger Stadtteil Dietenbach, der am Stadtrand entstehen soll. Für das Bauprojekt müsste ein Teil des Waldes im benachbarten Rieselfeld gerodet werden. Dagegen engagiert sich eine kleine, heterogene Gruppe von Aktivist*innen, die den Erhalt des Waldes fordert.

Unser Projekt untersucht die verschiedenen Vorstellungen einer „grünen Zukunft“, die unter Stadtplaner*innen, Aktivist*innen sowie Befürworter*innen und Gegner*innen des Projekts existieren. Ziel ist es, die unterschiedlichen Bedeutungen von „grün“ sichtbar zu machen – und so zu beleuchten, was eine „grüne Zukunft für alle“ heißen kann.

Bianca Rahmavisya, Emily Schwab und Leo Kasper während eines Expertinnen-Interviews mit Prof. Dr. Tanja Mölders

Feministische Stadplanung im Rieselfeld

Unser Forschungsteam befasste sich mit dem Thema feministische Stadtplanung am Beispiel des vergleichsweise jungen Freiburger Stadtteils Rieselfeld. Wir wollten herausfinden, wie sich feministische Ansätze in der Stadtplanung konkret umsetzen lassen – und ob dies im Rieselfeld bereits geschehen ist. Dafür führten wir Expert*inneninterviews mit Wissenschaftler*innen verschiedener Fachrichtungen sowie mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Freiburg.

Im Anschluss interessierte uns die Perspektive der Bewohner*innen: Wie erleben sie die öffentlichen Räume im Rieselfeld? In unseren Gesprächen ging es unter anderem um Fragen der Teilhabe und Inklusivität, um das Leben junger Familien und um die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Stadtteils durch verschiedene Generationen – also darum, welche Bilder vom Rieselfeld ältere und jüngere Menschen jeweils prägen.

Carina Piening, Maya Wirsing und Michael Dira Van Terry bei der Critical Mass

Grüne Mobilität – Auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Stadt

Wir begannen unsere Forschung mit der Erkundung der Fahrradkultur Freiburgs, einer Stadt, die weithin als besonders fahrradfreundlich gilt. Uns interessierte, was Menschen dazu motiviert, Rad zu fahren – ob sie dies vor allem aus ökologischen Überzeugungen tun oder aus praktischen Gründen – und wie sie die Zugänglichkeit der Fahrradinfrastruktur wahrnehmen.

Wir besuchten Initiativen, die sich für fahrradbasierte Mobilität einsetzen: Fahrradrecycling-Werkstätten, Reparaturbetriebe, die Bewegung „Critical Mass“ und den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Dabei fiel uns auf, dass viele der von uns befragten Menschen mit der aktuellen Situation für Radfahrer*innen – sowohl in Deutschland als auch in Freiburg – unzufrieden sind. Sie verbindet die Freude am Radfahren mit dem Wunsch nach mehr Klimaschutz. In vertiefenden Interviews zeigte sich, dass diese Themen eng miteinander verwoben sind. Eine autofreie Stadt liegt zwar noch in weiter Ferne, doch zahlreiche Ideen und Initiativen zeigen, dass viele Menschen bereits aktiv auf dieses Ziel hinarbeiten.

Laura Landsberg, Josephine, und Julia Kümmel erkunden Vauban – einen der bekanntesten ‚grünen‘ Stadtteile Freiburgs

Autofrei leben im Vauban

Während unserer Feldforschung im Freiburger Stadtteil Vauban – international bekannt als Modellviertel für nachhaltige Stadtentwicklung – untersuchten wir, welche Auswirkungen die dortige Planung auf das alltägliche Leben hat. Als Forscherinnenteam JJL (Julia, Josephine und Laura) führten wir Interviews und Beobachtungen durch, um herauszufinden, wie das Konzept des autofreien Wohnens im Alltag umgesetzt wird.

Dabei lernten wir nicht nur viel über grüne Stadtplanung, sondern auch voneinander – durch gemeinsames Forschen, Diskutieren und Reflektieren. Nach einem Monat intensiver Arbeit gewannen wir vielfältige Einblicke, etwa darin, wo und wie Vauban Parkflächen für Bewohner*innen mit Autos bereitstellt, obwohl der Stadtteil auf Autofreiheit ausgerichtet ist. Vor allem aber verdeutlicht Vauban, dass Inklusivität und Nachhaltigkeit durch partizipative Stadtplanung entstehen, die viele Akteur*innen und Perspektiven einbezieht.

Lehrforschung 2023 – Urbane Zukunftsgestaltung in Yogyakarta

Nicole Rumert und Putri Sekar Melati

Landwirte der Generation Millennials in Yogyakarta: Hoffnungen und Bestrebungen der städtischen Bauern in Yogyakarta

Während unserer Tandem-Forschung mit jungen Landwirten in der Stadt Yogyakarta beschäftigten wir uns mit dem Thema „urbane Zukunftsgestaltung“. Als internationales Team tauchten wir in die Hoffnungen und Bestrebungen unserer Gesprächspartner ein, indem wir an verschiedenen Treffen teilnahmen und uns an verschiedenen landwirtschaftlichen Aktivitäten beteiligten. Die Erfahrung, als Tandem zu arbeiten, war eine wertvolle Gelegenheit, bei der wir voneinander lernen, Hindernisse als Team überwinden und gemeinsam die Welt der Anthropologie erkunden konnten.

Antonia Riegger, Aqilurrachman Abdul Charitz, Daiva und Cornelius Prabhaswara Marpaung

Gelanggang Mahasiswa UGM

Meine Gruppe widmete sich dem „Gelanggang Mahasiswa“, einem Gebäudekomplex auf dem Campus unserer Partneruniversität, der Universitas Gadjah Mada in Yogyakarta (UGM). Im Gelanggang befanden sich von 1975 – 2020 Räumlichkeiten für die verschiedenen Initiativen, in welchen Studierende fakultätsübergreifend aktiv sind, sich austauschen und vernetzen. Im Jahr 2020, während der Zeit der Online-Lehre aufgrund von Corona, wurde der Gebäudekomplex dann von der Universität abgerissen mit der Ankündigung, dass ein neues Gelanggang gebaut werden soll – das sogenannte GIK, welches sich aktuell im Bau befindet und Anfang 2024 eröffnet werden soll.

Wir beschäftigten uns mit Fragen wie: Wie werden studentische (Frei-)Räume an der Universität erschaffen, gestaltet und verhandelt, wie prägen sie die Universitätskultur und welche Konflikte entstehen durch die Interessen unterschiedlicher Akteur*innen?

Im Laufe unserer Forschung bekamen wir den Eindruck, dass die in den Prozess involvierten Akteur*innen unterschiedliche und teils entgegengesetzte Interessen in das neue GIK haben. Welche dieser Erwartungen, Hoffnungen oder Ängste das GIK bei seiner Eröffnung erfüllen wird und wie die involvierten Akteur*innen und vor allem die Studierenden der UGM darauf reagieren werden, bleibt abzuwarten.

Bianca Rahmavisya und Kiara Roller

Street Food & Abfallwirtschaft in Yogyakarta

Meine Tandem-Partnerin und ich haben zu dem Thema Street Food und Müll geforscht. Wir legten unseren Fokus auf die Verpackungen, die in diesem Sektor anfallen. Dabei kategorisierten wir welche Verpackungen es gibt und aus welchen Beweggründen sich die Verkäufer*innen dafür entschieden haben. Außerdem befragten wir die Kundschaft, ob die Verpackung eine Auswirkung auf ihre Kaufentscheidung haben. Neben diesen Aspekten erweiterten wir unseren Blick darauf, wie die Müllinfrastruktur in Yogyakarta ist und welche Auswirkungen der Verpackungsmüll auf die Region hat.

Wir fanden heraus, dass die gängigste Verpackungen single use Verpackungen sind, die aus Plastik bestehen. Oft waren der Preis oder die Effizienz die Hauptargumente für diese Entscheidung und bei der Kundschaft spielte die Verpackung oft eine zweite Rolle, primär stand die Qualität des Essens im Vordergrund. Nichtsdestotrotz gab es wenige Personen, die auch nachhaltige Verpackungen anboten, jedoch in der Unterzahl.

Josephine, Sitti Monira Fyenci F. Laya und Nora Papanastasiou

Abfallmanagement im Sukunan Eco Village

Unser Team beschloss, das Sukunan Eco-Village zu erforschen, da nach unserem Verständnis dieser Kampung, erfolgreich ein gemeindebasiertes Abfallwirtschaftsprogramm umgesetzt hatte. Unser Ziel war es, zu verstehen, wie sich diese Initiative auf die BewohnerInnen des Kampungs auswirkte. Durch zahlreiche Interviews mit den BewohnerInnen von Sukunan stellten wir fest, dass das ursprünglich als nachhaltiges Abfallwirtschaftsprojekt konzipierte Vorhaben sich allmählich zu einer aufstrebenden Tourismusattraktion entwickelt hatte. Wir hatten das Glück, eine Anthropologin zu treffen, die seit über 20 Jahren aktiv am Programm beteiligt war. Sie kehrte in den Kampung zurück, um die Entwicklung des Programms zu überprüfen, und lud uns großzügig ein, sie zu begleiten. Es war äußerst wertvoll, eine Anthropologin in ihrem Forschungsfeld zu erleben und zu beobachten, wie sie ihre Datensammlung durchführte.

Hanes, Kawai Labiba Mathilda Ahmad, Leo Kasper und Muhammad Harits Hibatullah

Die Zukunftsperspektive von Kindern in Kalicode

Unser aller Leben ist geprägt durch Zeitlichkeit und die scheinbar (un)endlichen Möglichkeiten der Zukunft. Besonders Kinder haben in der Regel noch den Großteil ihrer Zukunft vor sich und scheinen so noch viel offensichtlicher das Potential einer ungeschriebenen Zukunft zu verkörpern mit all den möglichen Richtungen, die sie noch einschlagen könnten. Doch inwiefern prägen die ökonomische Bedingungen des Umfeldes, in dem sie aufwachsen ihr ‚Zukunftspotential‘ und eventuell Vorstellungen von und Erwartungen an ihre eigene Zukunft? Dazu hat meine Tandemforschungsgruppe versucht in einem Stadtteil Yogyakartas zu forschen, der ökonomisch als stark benachteiligt gilt. Innerhalb von einem Monat konnten wir leider keine eindeutigen Ergebnisse erarbeiten, jedoch durften wir eine große Gruppe an Kindern aus diesem Stadtteil kennenlernen und durften an unterschiedlichen Nachbarschaftsevents, die dort stattgefunden haben, teilnehmen. So haben wir einen ersten Einblick in diese Thematik bekommen und konnten uns mit unterschiedlichen Methodiken der Feldforschung ausprobieren. Zudem war es sehr spannend zum ersten Mal in einer Forschungsgruppe mit Anthropologie-Studierenden eines anderen Landes zusammenzuarbeiten und diese für mich neue Gruppendynamik mitzuerleben und zu gestalten! Alles in allem bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung, die mir einen neuen Einblick in die Möglichkeiten der anthropologischen Zusammenarbeit geboten hat.