Günther-Anders-Forschungsstelle
Heilen / Vernichten
Eine Untersuchung körperlicher Verschiebungen in Medizin und Militär innerhalb aufkommender Cyberwelten
Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, zu untersuchen, wie durch die Gestaltung und Nutzung von Cybertechnologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Künstlicher Intelligenz (KI) körperliche Verschiebungen in Medizin und Militärpraxis entstehen und wie diese Verschiebungen ambivalente Materialitäten bewirken. Aufbauend auf klassischen und zeitgenössischen Ansätzen der Phänomenologie, der Soziologie des Körpers und der Technik sowie der Science and Technology Studies (STS) analysiert die Studie, wie diese Ambivalenz zur Herausbildung neuartiger Verkörperungsmodi an der Schnittstelle von Fakten und Artefakten beiträgt, unter Berücksichtigung einer doppelten Nutzung dieser Technologien: zu heilen / zu vernichten. In diesem Zusammenhang zielt das Projekt darauf ab, die Ressourcen zu untersuchen, die in Prozessen mobilisiert werden, in denen Körperlichkeit durch AR, VR und KI allmählich aufgelöst, verschoben oder erfahrungsmäßig umgeortet wird. Es soll ein neues Verständnis dafür entwickelt werden, wie durch diese Cybertechnologien die Geschichte(n) der Sinnlichkeit und ihre damit verbundene phänomenologische Spezifizität in Gesundheits- und Militärlandschaften neu gestaltet werden. Die Untersuchung fragt zudem, ob sich durch AR, VR und KI neue Körperkonzepte und Erfahrungen herausbilden, und ob digital definierte Formen von Verwundbarkeit zwischen Krieg und Gesundheit zirkulieren. Da die durch Cybertechnologien verursachten Verschiebungen von Sinnen und Fähigkeiten zukünftige Möglichkeiten leiblichen Seins prägen und mit Prozessen der Bio-Objektivierung in den untersuchten Bereichen verknüpft sein können, stellt sich zentrale Fragen dieser Forschung: Können „Leiber“ solchen Transformationen widerstehen? Lassen sie sich möglicherweise auf spezifische Entfremdungsprozesse ein, die eine Kategorisierung neuer phänomenologischer Dimensionen ermöglichen? Oft wird dabei leibkörperliche Expertise durch die Ausbreitung digitaler Surrogatformen infrage gestellt. Daher ist ein tieferes Verständnis dafür erforderlich, wie ExpertInnen und NutzerInnen von Cybertechnologien in Medizin und Militär Bedeutungen von Leiblichkeit und deren phänomenologische Repertoires aushandeln. Um die Spannungen, Polarisierungen, Risiken und Verwundbarkeitspotentiale zu analysieren, die diese neuartigen „Körperlandschaften“ definieren, basiert das Forschungsvorhaben auf umfangreicher qualitativer Feldforschung. Diese beinhaltet fokussierte und multi-situierte Ethnografie, digitale Ethnographie und Ethnografie der Sinne sowie Leitfadeninterviews mit NutzerInnen und ExpertInnen. Durch die Auseinandersetzung mit diesen bislang wenig erforschten Bereichen möchte die Studie einen Beitrag zur Soziologie des Körpers und der Technik leisten – mit besonderer Aufmerksamkeit auf entstehenden sinnlichen Regimes und deren spezifischen phänomenologischen Dimensionen in medizinischen und militärischen Kontexten.
Laufzeit: Juli 2026-Juni 2029
Leitung: PD Dr. Denisa Butnaru
Wissenschaftliche Mitarbeit: Frederick Busch, MA
Förderung: DFG
Exil-Türkei, 1933-1945
Das Exil-Türkei, 1933-1945, Projekt konzentriert sich auf die Biographien deutsch-jüdischer Wissenschaftler*innen im türkischen Exil und zielt darauf ab, einen kreativen und praxisorientierten Lernprozess zu schaffen. Innerhalb dieses Prozesses wird sich stark an dem Student-Led Science-Konzept orientiert. Dieses Konzept wurde originell durch das Forschungsprojekt geprägt und praktiziert. Mithilfe dieses Konzeptes soll ein neues wirksames Bildungsinstrument zur Bekämpfung von Antisemitismus entwickelt werden.
Laufzeit: Januar 2025 bis Dezember 2026
Leitung des Projekts: PD Dr. Ercüment Celik
Förderer: SVB Universität Freiburg
LegiNot
LegiNot – Legitimation des Notfalls, Legitimationswandel im Notfall
Ziel des Projekts ist, die wechselseitigen Bedingungen und den Wandel von Legitimationsanforderungen, Legitimitätserwartungen und Legitimitätskriterien in einem ausgedehnten Notfallgeschehen einer systematischen Analyse zu unterziehen. Auf dieser Basis gilt es, Orientierungswissen für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zur (lokalen) Ausgestaltung und Vermittlung von Notfallmaßnahmen zu gewinnen. Im Wesentlichen bietet die gegenwärtige Pandemie die empirische Basis der Forschung, die Zielsetzungen richten sich aber generell auf weitreichende Notfälle.
Laufzeit: März 2022 – Mai 2025
Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Kaufmann
Fördergeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Wissenschaftliche Mitarbeit: Tjorven Harmsen; André Biermann
FreiburgRESIST
FreiburgRESIST – Sicher Leben in Freiburg: Resilienzmanagement für die City
Das Verbundprojekt FreiburgRESIST entwickelt und erprobt ein innovatives, digital vernetztes Resilienzmanagementsystem. Das System soll ein Vorreiter des Sicherheitsmanagements werden: Sicherheitsbehörden und Bevölkerung werden in der vorsorglichen Planung von Großveranstaltungen miteingebunden, eventuelle Evakuierungen während möglichen Gefahrensituationen bewältigt und die Krisenlagen nachbereitet und für die Resilienz analysiert.
Laufzeit: Oktober 2023 – September 2027
Leitung des Freiburger Teilprojekts: PD Dr. Elisa Orrù
Fachliche Verantwortung: Prof. Dr. Stefan Kaufmann (Soziologie), PD Dr. Elisa Orrù (Ethik), Prof. Dr. Alexander Stolz (Resilience Engineering)
Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung