Zum Tod von Prof. Dr. Günter Dux

Das Institut für Soziologie trauert um Prof. Dr. Günter Dux, der am 9. Mai 2026 im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Günter Dux hat von 1974 bis 1997 am Institut für Soziologie gewirkt und das damalige Gesicht des Instituts wesentlich mitgeprägt. In seinen Forschungen hat er seit Ende der 1960er Jahre mit bewundernswerter Produktivität seine historisch-genetische Theorie der Kultur ausgearbeitet. Sie umfasst zum einen eine Konstitutionstheorie des Sozialen, welche die Entstehung von Bewusstsein, Sinn und Kultur im Anschluss an naturale Bedingungen rekonstruiert. Zum anderen expliziert sie eine Theorie der Geschichte, in der praktisch-soziale Anforderungen an die Lebensführung die Subjekte zur Fortentwicklung ihrer Denkformen nötigen und diese Denkformen zugleich den Rahmen ihres Welt- und Selbstverständnisses abstecken. Die von Günter Dux behandelten Themen reichen von der Hominisation bis zur modernen Demokratie, von der Ausbildung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in frühagrarischen Gesellschaften bis zu den Glaubenskämpfen der Gegenwart, von der Genese des Zeitbegriffs bis zur historischen Entwicklung moralischer Kategorien. Seine Arbeiten liegen in einer 13-bändigen Ausgabe „Gesammelter Schriften“ des Springer Verlags vor. Für ein dermaßen weit gestecktes, ebenso systematisches wie enzyklopädisches Lebenswerk brauchte es eine Neugier, die nicht an Fächergrenzen halt machte, ein hohes Maß an Gelehrsamkeit, geistiger Spannkraft und Disziplin sowie nicht zuletzt einen langen Atem. Vor allem aber zeichnete Günter Dux das aus, was man Erkenntnisoptimismus nennen könnte – die Zuversicht in die Aufklärbarkeit der Welt mit den Mitteln der Wissenschaft. Sein letzter Text trägt den Titel „Vom Glück der Erkenntnis“.
Das Institut für Soziologie wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.