Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Forschung

  • Wir erforschen die Mechanik und Physik von Oberflächen und Grenzflächen.
  • Wir entwickeln Berechnungsmethoden für das Verhalten von Materialien.
  • Wir kombinieren atomistische Ansätze mit Kontinuumsmodellierung und Datenanalyse.
  • Wir bewegen uns auf Längenskalen vom Ångström bis Armlänge.

Durch unser Wissen unterscheiden wir uns nur wenig,
in unserer grenzenlosen Unwissenheit aber sind wir alle gleich.

Karl R. Popper

Kontaktmechanik und Adhäsion

Die Rauheit von Oberflächen bestimmt maßgeblich, wie Festkörper miteinander in Kontakt treten. Selbst scheinbar ebene Oberflächen berühren sich nur an den höchsten Erhebungen ihrer Topografie. Dadurch ist die tatsächliche Fläche, über die ein enger atomarer Kontakt besteht, sehr viel kleiner als die scheinbare Kontaktfläche.

Wir entwickeln theoretische und rechnergestützte Modelle zur Beschreibung der Kontaktmechanik rauer Oberflächen und überprüfen diese in enger Zusammenarbeit mit experimentell arbeitenden Forschungsgruppen.

Zu unseren Arbeiten gehört unter anderem der erste direkte Vergleich elastisch-plastischer Kontaktmodelle mit experimentellen Messungen realer Kontaktflächen. Darüber hinaus haben wir eine parameterfreie Theorie zur Adhäsionshysterese weicher Kontakte entwickelt. Sie erklärt, warum zum Trennen eines Kontakts eine größere Kraft erforderlich sein kann als zu dessen Herstellung.

Unsere früheren Arbeiten zur Adhäsion im Bereich partieller Kontakte führten zudem zu einem heute als Pastewka-Robbins-Kriterium bekannten Kriterium für das Einsetzen von Adhäsion.

Tribologie: Reibung, Verschleiß und Schmierung

Ein grundlegendes Verständnis von Reibung und Verschleiß auf atomarer Ebene ist entscheidend, um langlebige und zuverlässige mechanische Systeme zu entwickeln.

Mithilfe von Molekulardynamiksimulationen und sorgfältig entwickelten interatomaren Potentialen konnten wir den Mechanismus des Diamantverschleißes aufklären: An der gleitenden Kontaktfläche kommt es zunächst durch Scherung zu einer Amorphisierung des Diamants. Anschließend wird das Kohlenstoffmaterial durch Oxidation in Form von CO oder CO₂ abgetragen.

Unsere Arbeiten liefern damit eine der bislang detailliertesten atomistischen Beschreibungen von Verschleiß für ein beliebiges Material.

Diese Erkenntnisse übertragen wir auch auf geschmierte Kontakte. Dabei kombinieren wir durch maschinelles Lernen gewonnene Stoff- und Materialgesetze mit kontinuumsmechanischen Modellen. So schlagen wir eine Brücke zwischen Molekulardynamiksimulationen und technischen Simulationen im größeren Maßstab, insbesondere für Grenz- und Mischreibung.

Modellierung & Simulation von Materialien

Wir entwickeln und nutzen atomistische Simulationsmethoden, um das Verhalten von Materialien unter mechanischer Belastung zu untersuchen. Dabei beschäftigen wir uns unter anderem mit reaktiven interatomaren Potentialen, die das Aufbrechen chemischer Bindungen realistisch beschreiben, mit der Dynamik von Versetzungen in Hochentropielegierungen sowie mit den viskoelastischen Eigenschaften amorpher Materialien.

Unsere Open-Source-Simulationswerkzeuge, darunter matscipy, stellen der wissenschaftlichen Gemeinschaft effiziente Implementierungen von Algorithmen für Bruch- und Kontaktmechanik sowie für elektrochemische Prozesse auf atomarer Ebene zur Verfügung.

Datenbasierte Oberflächenforschung

Um aus Messungen von Oberflächentopografien wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, sind robuste statistische Methoden entscheidend. Wir treiben die Entwicklung von contact.engineering voran, einer frei zugänglichen Plattform zur Analyse und zum Austausch von Daten zur Oberflächenstruktur.

Die Plattform wird inzwischen von mehr als 480 Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Ingenieurinnen und Ingenieuren genutzt. Gemeinsam haben sie bereits mehr als 19.500 Messungen beigetragen.

Um die Reproduzierbarkeit in der Oberflächenmesstechnik zu verbessern, haben wir außerdem die Surface Topography Challenge initiiert, an der sich schon über 60 Forschungslabore weltweit beteiligt haben.

Simulationsmethoden

Effiziente numerische Verfahren sind eine wichtige Voraussetzung für Simulationen über verschiedene Längenskalen hinweg. Wir entwickeln FFT-basierte solver für mechanische Probleme in heterogenen Materialien, unter anderem für Kontakt- und Bruchmechanik sowie für die Homogenisierung von Metamaterialien.

Unsere Spektralverfahren ermöglichen Simulationen mit einer Auflösung, die mit herkömmlichen Finite-Elemente-Methoden nur mit unverhältnismäßig hohem Rechenaufwand möglich wäre.