Tagung „Lebensschutz und Kleinfamilie. Entwicklung und Konfliktfelder katholischer Identitätsmarker in der Moderne“
Jahrestagung 2025 des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart
21.11.-23.11.2025, Katholische Akademie Hohenheim
Vom 21. bis 23. November 2025 fand im Tagungszentrum Hohenheim unter der Leitung von Daniela Blum und Johannes Kuber die gemeinsame Tagung des Geschichtsvereins und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Thema „Lebensschutz und Kleinfamilie. Entwicklung und Konfliktfelder katholischer Identitätsmarker in der Moderne“ statt, zu der ein interdisziplinäres und konfessionsübergreifendes Panel von Referent:innen aus Geschichtswissenschaft, Kirchengeschichte, Moraltheologie, Systematischer Theologie und Literaturwissenschaft aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien zusammenkam.
Die Tagung widmete sich der Frage, wie die katholische Kirche im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu ihren prägenden Positionen zu Ehe, Familie und ‚Lebensschutz‘ gelangte, betrachtete dabei vor allem die Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1968 und erschloss das Thema in vier Sektionen zu Ehe- und Familienvorstellungen, Sexualitätskonzepten, Nachkriegsambivalenzen und Konflikten.
Deutlich wurde, dass ‚Lebensschutz‘ und Kleinfamilie als zentrale katholische Identitätsmarker nicht aus einer kontinuierlichen Tradition hervorgegangen sind, sondern sich seit dem 19. Jahrhundert aus vielfältigen Abwehrprozessen, wissenschaftlichen Entwicklungen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen heraus formierten. Die Beiträge zeigten, wie naturwissenschaftliche Lustkonzepte, eugenische Debatten, Kriegs- und Nachkriegserfahrungen sowie innerkirchliche Modernisierungsängste das Lehramt unter zunehmenden Handlungsdruck setzten und zu immer normativeren, zugleich aber biologistisch verengten Positionierungen führten, die von vielen Gläubigen nicht mehr mitgetragen wurden. Besonders sichtbar wurde, wie stark das Lehramt Sexualität moraltheologisch verhandelte, sexualisierte Gewalt jedoch systematisch ausblendete, da Kurie und Bischöfe diese lange strikt von der Sexualität trennten – und damit eine bis heute wirkmächtige Sprachlosigkeit erzeugten.
Insgesamt zeigte sich, dass eine zukunftsfähige kirchliche Sexualethik nur durch dialogische Offenheit und eine realistische Wahrnehmung der Lebenswirklichkeiten möglich sein wird.


Auszug Tagungsprogramm
Freitag, 21.11.2025:
- ab 13:00 Uhr: Ankommen, Begrüßung, Einführung
- Sektion 1: Familien- und Ehekonzepte (14:30 – 18:00 Uhr)
- 19:30 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag „Ehe und Familie im Spannungsfeld zwischen kirchlichem Anspruch und konkreter Wirklichkeit“
Samstag, 22.11.2025:
- Sektion 2: Sexualitätskonzepte (09:00 – 11:00 Uhr)
- Sektion 3: Ambivalenzen der Nachkriegszeit (11:30 – 18:00 Uhr)
Sonntag, 23.11.2025:
- Sektion 4: Konflike (09:00 – 12:30 Uhr)
- 12:30 Uhr: Zusammenfassung und Abschluss
Tagungspublikation
Die Beiträge der Tagung erscheinen im Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte (RJKG), herausgegeben vom Geschichts-verein der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Mitglieder des Vereins erhalten das Jahrbuch kostenlos.
Tagungsleitung
- Prof. Dr. Daniela Blum (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
- Dr. Johannes Kuber (Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Fachbereich Geschichte)
Weitere Informationen zum Geschichtsverein:
www.gv-drs.de
info@gv-drs.de
Jahnstraße 30, 70597 Stuttgart










