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Naturkultur: vom globalen Aussterben zur lokalen Hoffnung

Tandemvortrag mit Dr. Javier Francisco: DFG Graduiertenkolleg „Imperien“, Mitglied der Jungen Akademie Nachhaltigkeit & Dr.in phil. Marion Mangelsdorf: Zentrum für Anthropologie und Gender Studies (ZAG)

Dr. Javier Francisco: Auswirkungen von Imperien auf die bio-kulturelle Vielfalt - ein globaler Blick: Der weltweite Verlust von Arten geht einher mit einem Rückgang von kultureller Vielfalt. Wie hängen diese Phänomene zusammen? Ökolog*innen und Linguist*innen liefern bisher zwei Erklärungsansätze: erstens, die Evolution von Spezien und Sprachen sind von ähnlichen geographischen und klimatologischen Treibkräften beeinflusst. Zweitens treiben historische Entwicklungen in den vergangenen 500 Jahren den immer schnelleren Verlust von Arten und Sprachen an. Es spricht vieles dafür, dass Ereignisse wie die Gründung von Staaten, Zentralisierung von Gesellschaften, intensive Landwirtschaft, kapitalistische Wirtschaftsformen, große Migrationsströme und die Intensivierung von Landnutzung eine wesentliche Rolle in der Entwicklung von Arten- und Sprachenverlust geführt haben. All diese Prozesse waren untrennbar mit der Expansion der europäischen Imperien verbunden, deren Ausdehnung über 500 Jahre (ca. 1415 - 1970) Gesellschaften und deren Ökosysteme aller Kontinente betroffen hat. In diesem Beitrag wird Javier Francisco diese Prozesse darstellen und diskutiert, wie Erkenntnisse uns helfen können, aktuelle Prozesse in der globalen bio-kulturellen Vielfalt besser zu verstehen.



Dr.in phil. Marion Mangelsdorf: Pflanzen und Tiere als Verwandte von Menschen? Das Konzept der kin ecology, eine anthropologische Perspektive auf Artenverlust und –zusammenleben am Beispiel der kanadischen Gitga’at First Nation und Walen: In Bodies of Water (2019) weist die Kulturwissenschaftlerin der Feminist Environmental Humanities Astrida Neimanis daraufhin, dass nicht nur wir Menschen zu zwei Drittel aus Wasser bestünden, sondern dass die Erde ebenfalls zu zwei Drittel von Wasser umspannt sei. In diesem Beitrag lädt die Kulturwissenschaftlerin Marion Mangelsdorf dazu ein, in den Naturkulturraum Meer einzutauchen, in die verwundeten Meereswelten und instabilen Wasserkreisläufe, die in und um uns zirkulieren. Korallenbleiche, Überfischung, Verschmutzung durch Lärm und Mirkoplastik setzt der [Bio-]Diversität an und in den Ozeanen zu. Was bedeutet es, wenn wir von wechselweise aufeinander verwiesenen Naturkulturen ausgehen, von einem integrativen Konzept, das für die bedrohte Vielfalt in Flora und Fauna ebenso wie für die schwindende Vielfalt menschlicher Daseinsformen sensibilisiert?


Konkretisiert werden sollen diese Überlegungen anhand der kin-centric ecology, der Gitga’at First Nation eines kanadischen Meeresterritoriums. Ihrem Verständnis nach gelten Pflanzen als auch Tiere, selbst unbelebte Entitäten, wie Wasser und Wind, als Verwandte. Der Dokumentarfilm The Whale and the Raven (2019) verdeutlicht den Einsatz dieser Menschen für ihr ebenso wie das Territorium der dort angesiedelten Walpopulation, ihrer Wal-Verwandten.


 


Regelmäßiger Termin: Die Vortragsreihe findet vom 04.05.2022 bis 20.07.2022 mittwochs, 18.00 bis 19.30 Uhr, im Veranstaltungssaal der Universitätsbibliothek statt und wird zusätzlich per Live-Stream übertragen. Zur Teilnahme vor Ort bitten wir um eine Anmeldung per E-Mail an Vortragsreihe@zfs.uni-freiburg.de für den jeweiligen Termin bis zum Veranstaltungstag.


Webseite:
https://www.zfs.uni-freiburg.de/de/zertifikat-nachhaltigkeit/oeffentliche-vortragsreihe

Interne Verantwortlichkeit:
Freiburger Akademie für Universitäre Weiterbildung (FRAUW), Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS)

Kontakt:
Victoria Klotz
zertifikat-nachhaltigkeit@zfs.uni-freiburg.de