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Die Temperatur der Resilienz. Wärmeversorgung und Wohlfahrt um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Studium generale der Universität Freiburg in Verbindung mit dem Centre for Security and Society CSS der Universität Freiburg und der Volkshochschule Freiburg

Der russische Krieg in der Ukraine hat zum ersten Mal in der jüngeren europäischen Zeitgeschichte die Gewährleistung der Wärmeversorgung für große Teile der Bevölkerung in Westeuropa in Frage gestellt. Erst jetzt wird öffentlich über unterschiedliche Heizsysteme, Sparmöglichkeiten, vertretbare Raumtemperaturen, soziale Ungleichheit in Form von Energiearmut (fuel poverty), wirtschafts- und sozialverträgliche Umverteilungen oder strukturelle Abhängigkeiten gestritten. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren zwei Drittel der Kohlendioxidemissionen der europäischen Haushalte durch Heizen verursacht wurden. Auch die Geschichte des Heizens, beispielsweise die Frage, wie Entscheidungen für bestimmte Wärmeinfrastrukturen getroffen wurden, hat bisher nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. Der Vortrag wird den Zusammenhang zwischen Wärmeversorgung und staatlicher Wohlfahrt an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert beleuchten – jener Zeit, in der Wärme mehr und mehr zu einem sozialen Gut wurde. Am Beispiel deutscher Großstädte wird gezeigt, wie die Entwicklung neuer Heizsysteme – insbesondere der Zentral- und Fernwärme – untrennbar mit neuen Vorstellungen von Gesundheit, Hygiene und sozialer Teilhabe, aber auch mit einem ausgeprägten Technikoptimismus und staatlichen Interventionen verknüpft war. Die neuen kollektiven Heizsysteme sollten im doppelten Sinne Resilienz erzeugen: zum einen als effizientere und sicherere Variante im Vergleich zu individuellen Heizungen, zum anderen als Schutzschild für die rasant wachsende urbane Bevölkerung gegen die negativen Folgen der Industrialisierung.


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