Bodenbearbeitung von Blühflächen

Praxiserkenntnisse und Empfehlungen

Mehrjährige Blühfläche mit Emergenzfallen

Nutzen Insekten Blühflächen als Nist- und Überwinterungsquartiere und welchen Einfluss hat die Bodenbearbeitung? Diesen Fragen sind wir in einem vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojekt nachgegangen und leiten aus unseren Ergebnissen konkrete Empfehlungen für die Praxis ab.

Empfehlungen für die Praxis:

1

Mehrjährige Blühflächen bevorzugen

1
2

Bereits überjährige (zweijährige) Standzeit zeigt große Effekte

2
3

Frühzeitige Bodenbedeckung bei einjährigen Blühflächen sicherstellen

3
4

Offenboden für Wildbienen ermöglichen, doch Nutzungskonflikte beachten

4
5

Strukturvielfalt schafft Nistplatzangebot

5
6

Gestaffeltes Management anwenden

6
7

Grubbern statt pflügen

7

Insekten brauchen mehr als blühende Pflanzen

Blühende Pflanzen bieten vielen Insekten wichtige Nahrung, doch sie allein reichen nicht aus: Neben Nahrungsquellen müssen auch geeignete Nistplätze zur Verfügung stehen. Viele Insekten nisten im Boden und sind für die Fortpflanzung und zur Überwinterung auf ungestörte Böden angewiesen. Schätzungen zufolge nisten etwa 64–83 % aller Wildbienenarten im Boden (Antoine & Forrest, 2021).

In Agrarlandschaften werden Böden regelmäßig bearbeitet, insbesondere das Pflügen stellt einen intensiven Eingriff dar. Hierin zeigt sich ein potenzieller Konflikt zwischen der landwirtschaftlichen Nutzung und den Lebensraumansprüchen vieler nützlicher Insekten.

Blühflächen als Agrarumweltmaßnahmen leisten nachweislich einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und begünstigen darüber hinaus die Bestäubung von Nutzpflanzen und die natürliche Schädlingsregulation (Albrecht et al., 2020). Ob Blühflächen auch als Nist- und Überwinterungsquartiere genutzt werden, ist bisher jedoch noch unklar. In unserem Projekt haben daher untersucht, ob und wie ein- und mehrjährige Blühflächen von Insekten, insbesondere Wildbienen, als Nist- und Überwinterungsquartiere genutzt werden.

Was unsere Untersuchungen zeigen

Wie Blühflächen als Nist- und Überwinterungsquartier genutzt werden

Blühflächen werden bereits im Jahr der Anlage von vielen verschiedenen Insekten zum Nisten und Überwintern genutzt. Die Biomasse der Insekten nimmt insbesondere in den ersten zwei Jahren deutlich zu (nach dem ersten Winter: +56 %, nach dem zweiten Winter: +72 %). In späteren Jahren flacht der Anstieg ab (Grafik 1) (Hellerich et al., 2026a).

Grafik 1: Verlauf der Insektenbiomasse auf Blühflächen im Jahr der Anlage (Jahr 1) und darauffolgenden Jahren.
Grafik 1: Verlauf der Insektenbiomasse auf Blühflächen im Jahr der Anlage (Jahr 1) und darauffolgenden Jahren

Betrachtet man nur die Artengruppe der Wildbienen, zeigt sich ein anderer Verlauf. Die meisten Wildbienennester finden sich im zweiten Standjahr, d. h. nach dem ersten Winter (etwa 3,5-mal mehr als im Vorjahr). Für Bienen ist also eine Blühfläche im ersten Standjahr am attraktivsten, um sich dort einzunisten. Die Nestanzahl nimmt mit zunehmendem Flächenalter wieder ab (Grafik 2). Dies ist vermutlich auf den Anteil an Offenboden zurückzuführen, der für die Nistplatzwahl von Wildbienen besonders wichtig ist und im Jahr der Anlage noch besonders hoch ist (Hellerich et al., 2026b).

Grafik 2: Verlauf der Wildbienen-Nistdichte pro Hektar auf Blühflächen im Jahr der Anlage (Jahr 1) und in den darauffolgenden Jahren
Grafik 2: Verlauf der Wildbienen-Nistdichte pro Hektar auf Blühflächen im Jahr der Anlage (Jahr 1) und in den darauffolgenden Jahren

Was beim Umbruch von Blühflächen passiert

Das Pflügen von Blühflächen führt zu einer deutlichen Verringerung der Insektenbiomasse um durchschnittlich 63 % (Grafik 3). Dabei ist der Pflug-Effekt unabhängig vom Zeitpunkt (z. B. nach 1 oder 3 Jahren). Die Insektenbiomasse ist nach dem Umbruch immer auf demselben niedrigen Niveau – das Pflügen führt also zu einem „Reset“ (Hellerich et al., 2026a).

Grafik 3: Insektenbiomasse auf Blühflächen vor (links) und nach (rechts) dem Pflügen
Grafik 3: Insektenbiomasse auf ungepflügten (links) und gepflügten (rechts) Blühflächen unterschiedlichen Alters

Pflügen führt auch zu einer deutlichen Verringerung der Dichte an Wildbienennestern: Im Vergleich zu nicht gepflügten Blühflächen ist die Nistdichte auf gepflügten Flächen im ersten Jahr nach der Anlage um 72 % verringert (Grafik 4). Dies entspricht dem Pflügen von einjährigen Blühflächen, z. B. im Herbst oder Winter nach der Anlage. In späteren Jahren hat das Pflügen einen geringeren Effekt, da die Nistdichte insgesamt wieder abnimmt (Grafik 2) (Hellerich et al., 2026b).

Grafik 4: Nistdichte überwinternder Wildbienen pro Hektar, auf Blühflächen vor (links) und nach (rechts) dem Pflügen nach einem Jahr (entspricht einjährigen Blühflächen)
Grafik 4: Nistdichte überwinternder Wildbienen pro Hektar, auf nach einem Jahr ungepflügten (links) und gepflügten (rechts) Blühflächen

Untersuchungsmethoden

Die Untersuchung des Nist- und Überwinterungsangebotes von Blühflächen für Insekten, insbesondere Wildbienen, birgt einige methodische Herausforderungen: Sobald sich die Tiere einmal im Boden eingegraben haben, ist es kaum möglich, diese direkt zu erfassen. Weder ist bekannt ob sich auf der Untersuchungsfläche überhaupt Tiere befinden, noch, wo genau sie sich befinden. Im Rahmen des Projektes wurden deshalb mehrere Untersuchungsmethoden getestet und miteinander verglichen (siehe Hellerich et al., 2025).

Als geeignete Methode haben sich Nestaustrittsfallen (sog. „Emergenzfallen“) herausgestellt. Dabei handelt es sich um Zelte mit offenem Boden und einer Öffnung an der Oberseite, durch welche Insekten nach Verlassen des Erdbodens in ein Fallengefäß gelangen (Bilder 5 und 6). Je nach Zeitpunkt der Aufstellung werden somit entweder Insekten nach der Überwinterung gesammelt (Aufstellung im Frühjahr vor Beginn der Schlupfzeit) oder während der Fortpflanzungszeit (Aufstellung während der Flugsaison). Im Zuge des Projektes wurde die Methode weiterentwickelt. Wurden zunächst umgebaute Wanderzelte verwendet (siehe Bild 5), kommt mittlerweile ein neu entwickeltes, kostensparendes Design aus Netzstoff zum Einsatz (siehe Bild 6). Die Fallen können zur Erfassung und zum Monitoring von boden- und substratnistenden Fluginsekten auf unterschiedlichen Flächen (z. B. Nisthügel, Böschungen, Teiche, Feldwege) genutzt werden.

Der Einsatz der Nestaustrittsfallen erfolgte im Rahmen eines Feldversuchs in den Jahren 2023 und 2024 (siehe Hellerich et al., 2026a). Als Versuchsflächen dienten 12 mehrjährige Blühflächen verschiedenen Alters auf drei landwirtschaftlichen Betrieben in Opfingen und Riegel. Die Versuchsflächen wurden geteilt, wobei die eine Hälfte umgepflügt wurde, die andere nicht. Auf jeder Hälfte wurden im Frühjahr jeweils 8 Nestaustrittsfallen installiert, welche zwischen März und August alle zwei Wochen geleert wurden. Dieses Versuchsdesign ermöglichte die Untersuchung des Verlaufs der Nistaktivität über 1–5 Standjahre sowie die Auswirkungen des Pflügens. Die gesammelten Insekten wurden gewogen (Biomasse) und die Wildbienenarten bestimmt.

Ergänzend wurden im Jahr 2025 Nestaustrittsfallen auf jeweils 3 Blühflächen und jeweils drei anderen Landschaftsstrukturen (Böschungen, Feldwege, Straßenbankette) aufgestellt, um so das Nist- und Überwinterungsangebot dieser Strukturen zu vergleichen. Zur Veranschaulichung wurden die Ergebnisse des Vergleichs in einem Poster zusammengefasst.

Referenzen

  • Albrecht, M., Kleijn, D., Williams, N. M., Tschumi, M., Blaauw, B. R., Bommarco, R., Campbell, A. J., Dainese, M., Drummond, F. A., Entling, M. H., Ganser, D., Arjen de Groot, G., Goulson, D., Grab, H., Hamilton, H., Herzog, F., Isaacs, R., Jacot, K., Jeanneret, P., … Sutter, L. (2020). The effectiveness of flower strips and hedgerows on pest control, pollination services and crop yield: A quantitative synthesis. Ecology Letters, 23(10), 1488–1498. https://doi.org/10.1111/ele.13576
  • Antoine, C. M., & Forrest, J. R. K. (2021). Nesting habitat of ground‐nesting bees: A review. Ecological Entomology, 46(2), 143–159. https://doi.org/10.1111/een.12986
  • Hellerich, C., Klein, A., Garratt, M., Mix, M., Mupepele, A., & Fornoff, F. (2025). Beneath the buzz: Quantifying nest locations and densities of ground‐nesting wild bees (Hymenoptera: Anthophila). Methods in Ecology and Evolution, 16(7), 1334–1349. https://doi.org/10.1111/2041-210X.70062
  • Hellerich, C., Garratt, M., Klein, A., Fornoff, F. & Mupepele, A. (2026a). Reducing ploughing promotes ground-nesting flying insects. Agriculture, Ecosystem and Environment, 405, 110399. https://doi.org/10.1016/j.agee.2026.110399
  • Hellerich, C., Klein, A., Garratt, M., Mupepele, A. & Fornoff, F. (2026b). Annual wildflower plantings are ecological traps for ground-nesting wild bees (in prep)

Zum Projekt

Das Projekt „Wildbienen in Blühstreifen und der Einfluss von Bodenbearbeitung auf Wildbienennester“ (10/22 – 04/26) wurde finanziert vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Wir danken den beteiligten Landwirten Herrn Wagner (Opfingen), Herrn Linser (Opfingen) und Herrn Wagner (Riegel a.K.) für die Bereitstellung der Versuchsflächen.

Ansprechpartner

Portraitfoto von Christopher Hellerich

Christopher Hellerich

Projektmitarbeiter

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Portraitfoto von Felix Fornoff

Dr. Felix Fornoff

Projektmitarbeiter

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Prof. Dr. Anne-Christine Mupepele

Projektmitarbeiterin, Universität Marburg

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Portraitfoto von Alexandra-Maria Klein

Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein

Projektmitarbeiterin

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