Räumliche Transformationsprozesse der Energiewende

Das Forschungsprojekt „Räumliche Transformationsprozesse der Energiewende“ beschäftigte sich mit Planungsbezogener Analyse- und Gestaltungspotenzialen der Geschlechterforschung.

Zusammenfassung

Thema des Projektes ist die Betrachtung der Energiewende als ein nachhaltigkeitsorientierter raum- und planungsbezogener sozial-ökologischer Transformationsprozess. Die Energiewende bezeichnet einen Umbau des deutschen Energiesystems bei dem insbesondere der Anteil der erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden soll. Die fortlaufenden Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen u.a. zum Ausbau der Windenergie in Deutschland sowie die mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine einhergehende Energiekrise verdeutlichen die Internationalität, Komplexität und Nichtlinearität der Prozesse, innerhalb derer räumliche Planung zu agieren hat.

Aus raumplanerischer Perspektive stellen die Entstehung von sogenannten Energielandschaften sowie die Gestaltung einer raumbezogenen Governance bedeutsame Themenfelder der Energiewende dar. Diese sind aus Perspektiven der Geschlechterforschung bislang noch weitgehend unerschlossen. Dabei ist aus dem Gender Planning bekannt, dass Geschlechterperspektiven den Blick auf Marginalisierungen und Hierarchisierungen (z.B. in Bezug auf Normierungen, Wissensformen, Arbeitsbegriffe und Ökonomieverständnisse) zu lenken vermögen. Im Bezug auf eine nachhaltige Raumentwicklung leisten Geschlechterperspektiven sowohl Beiträge zu einer intra- und intergenerationellen Gerechtigkeit sowie zu einer Integration unterschiedlicher Entwicklungsdimensionen (ökologisch, ökonomisch, sozial, kulturell).

Im theoriegeleiteten Teil des Projektes wurden – aufbauend auf eigene Vorarbeiten – intersektionale Geschlechterperspektiven auf raumbezogene Transformationsprozesse der Enerigwende formuliert. Unterschieden werden Geschlecht als Differenz-, Struktur- und Prozesskategorie sowie als epistemologische Kategorie. Ein darauf basierendes Projektergebnis ist die Entwicklung der planungsbezogenen Heuristik „EnerGesch“. Diese formuliert – für jede der vier Geschlechterperspektiven – macht- und herrschaftskritische Fragen an Energiewendeprozesse, die in empirischen Studien angewendet werden können.

Im empirischen Teil des Projektes wurde der Ausbau von Windkraftanlagen im nordhessischen Reinhardswald sowie der Ausbau von Solar- und Windanlagen auf ehemaligen Braunkohleabbauflächen in Jänschwalde in der brandenburgischen Lausitz in qualitativen Interviewstudien untersucht. Obwohl die Ergebnisse regional spezifisch sind, werden die Beiträge einer sozialwissenschaftlich orientierten Energiewendeforschung deutlich: Bei der Frage, ob und inwieweit die Energiewende Beiträge zu raumbezogenen Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit leistet, gilt es aus Geschlechterperspektiven insbesondere danach zu fragen, welche Auswirkungen die Transformationsprozesse auf die geschlechtlich konnotierte Versorgungsökonomie haben, inwiefern Gewinne (un)gleich verteilt werden, welche Personen oder Wissensbestände in Planungs- und Entscheidungsprozessen eingebunden oder ausgeschlossen werden und wo und wie Dichotomien hergestellt, manifestiert oder aufgelöst werden.

Teilprojekte

Teilprojekt 1: Windpark Reinhardswald

Teilprojekt 2: Jänschwalde

Vorrangfläche für Windenergie im Reinhardswald
Vorrangfläche für Windenergie im Reinhardswald

Publikationen

  • Dankers, J.; Herdlitschka, T.; Kapitza, K.; Mölders, T. (2024): Energielandschaften nachhaltig:er gestalten? Geschlechterperspektiven auf räumliche Transformationsprozesse der Energiewende. In: Leibenath, M.; Gailing, L.; Birnbaum, A. (Hrsg.): Landscapes for Future? Landschaften und sozial-ökologische Transformationen. Wiesbaden, 133-151. DOI: 10.1007/978-3-658-43082-5_9
  • Dankers, J.; Herdlitschka, T.; Kapitza, K.; Mölders, T. (2024): Geschlechterperspektiven auf Landschaft. In: Kühne, O.; Weber, F.; Berr K.; Jenal, C. (Hrsg.): Handbuch Landschaft. 2. Auflage. Wiesbaden, 485-495. DOI: 10.1007/978-3-658-42136-6_35
  • Herdlitschka, T., Kapitza, K. (2023). Energiewende und Gerechtigkeit. Geschlechterperspektiven als Augenöffner. In: Politische Ökologie 41 (172), 60-65.
  • Herdlitschka, T.; Dankers, J.; Kienesberger, M.; Kapitza, K.; Mölders, T. (2024): Nachhaltigkeitsforschung und Geschlechterperspektiven: intersektionale Ansätze zur Analyse sozial-ökologischer Transformationen. In: GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 16 (3), 104-120. DOI: 10.3224/gender.v16i3.08
  • Herdlitschka, T.; Hülz, M.; Kapitza, K.; Mölders, T. (2022): Geschlechterperspektiven auf räumliche Transformationsprozesse der Energiewende. In: Nachrichten der ARL 52 (2/3), 42-45.
  • Mölders, T.; Dannenberg, J.; Herdlitschka, T.; Hülz, M.; Kapitza, K. (Hrsg.) (2025): Gender – Macht – Energiewende. Potenziale der Geschlechterforschung im Kontext raumbezogener Transformationen. Bielefeld.
  • Mölders, T.; Hülz, M. (2022): Die Energiewende als räumlicher Transformationsprozess: Forschungsprojekt an der ARL verbindet raum- und planungswissenschaftliche Zugänge mit Zugängen der Geschlechterforschung. In: Neues Archiv für Niedersachsen, Zeitschrift für Stadt-, Regional- und Landesentwicklung (2), 116-118.

Ansprechpartnerin

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Prof. Dr. Tanja Mölders

Projektleitung

Projektdaten

ProjektleitungProf. Dr. Tanja Mölders
Laufzeit10/2021 – 03/2024
FinanzierungDFG
Deutsche Forschungsgemeinschaft