Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Verschränkung bestimmt die Dynamik von Attosekunden-Photoionisation in CO₂

Freiburg, 23.10.2025

Die Arbeitsgruppe für Attosekunden- und Starkfeldphysik zeigt, dass die Ionenpolarisation und die Elektron–Ionen-Verschränkung das Timing der Elektronenemission verschieben – ein Schlüsselfaktor für die verlässliche Interpretation ultraschneller Molekülexperimente.

Ein Labor mit vielen technischen Apparaten
Ein Labor der Arbeitsgruppe Attosekunden- und Starkfeldphysik an der Universität Freiburg. Foto: Ianina Kosse / Universität Freiburg

In einer Studie, die Experimente und Theorie kombiniert, hat die Arbeitsgruppe Attosekunden- und Starkfeldphysik an der Universität Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Giuseppe Sansone gezeigt, wie Verschränkung die Dynamik der Photoionisation auf der Attosekunden-Zeitskala beeinflusst. Mithilfe eines komplexen Detektionsgeräts, das die Geschwindigkeiten von Photoelektronen und Photoionen aus demselben Molekül messen kann, untersuchten die Forschenden die Dynamik des Photoionisationsprozesses in einem CO₂-Molekül. Sie zeigten, dass die Dynamik der Photoelektronenemission auf der Attosekunden-Zeitskala beeinflusst werden kann, indem man das System mit einem zusätzlichen Infrarot-Laserimpuls interagieren lässt. Dieser Effekt hängt stark von der Verschränkung zwischen dem Photoelektron und dem im Photoionisationsprozess erzeugten Photoion ab.

„Unsere Ergebnisse zeigen einen deutlichen Einfluss der Verschränkung auf der Attosekunden-Zeitskala während des Photoionisationsprozesses des Photoelektron-Photoion-Systems. Durch die Anwendung komplexerer Laserfelder auf das System könnten wir möglicherweise dessen Verschränkungseigenschaften auf einer bisher unerreichten Zeitskala manipulieren“, sagt Dr. Ioannis Makos, Erstautor der Veröffentlichung. „Unsere Arbeit wird weitere Untersuchungen zur tiefen Verbindung zwischen der Verschränkung des Photoelektron-Photoion-Systems und seiner ultraschnellen Dynamik anregen. Diese Verbindung wurde in der Attosekundenforschung bisher weitgehend übersehen“, so Sansone. Der Artikel wurde in Nature Communications veröffentlicht.

Portrait von Giuseppe Sansone, Leiter der Attosekunden- und Starkfeldphysik am Physikalischen Institut der Universität Freiburg

„Unsere Arbeit wird weitere Untersuchungen zur tiefen Verbindung zwischen der Verschränkung des Photoelektron-Photoion-Systems und seiner ultraschnellen Dynamik anregen. Diese Verbindung wurde in der Attosekundenforschung bisher weitgehend übersehen.“

Prof. Dr. Giuseppe Sansone

Leiter der Attosekunden- und Starkfeldphysik am Physikalischen Institut der Universität Freiburg

Verschränkung als Grundlage der Quantentechnologien

Die Photoionisation gehört zu den Schlüsselexperimenten, die wesentlich zum Verständnis der quantisierten Natur von Licht-Materie-Wechselwirkungen auf mikroskopischer Ebene beigetragen haben. In diesem Prozess absorbiert ein System ein Energiequant, was zur Freisetzung eines Photoelektrons führt. In Molekülen resultiert dieser Vorgang in der Bildung eines Photoelektrons, das das Photoion rasch verlässt. Aufgrund der Existenz mehrerer Energieniveaus, aus denen das Elektron emittiert werden kann, etabliert der Photoionisationsprozess eine Verbindung zwischen den Eigenschaften des austretenden Photoelektrons und jenen des verbleibenden Photoions – ein Zusammenhang, der als Verschränkung des zusammengesetzten Photoelektron–Photoion-Systems bezeichnet wird. Die Charakterisierung und Kontrolle dieser Verschränkung stellt eines der eigentümlichsten Phänomene dar, die durch die quantenmechanische Beschreibung der Welt aufgekommen sind. Sie bildet zugleich ein zentrales Fundament zahlreicher Quantentechnologien. Die Photoionisation kann leicht durch Attosekundenpulse (1 as = 10⁻¹⁸ s) im extremen Ultraviolettbereich ausgelöst werden. Dies sind die bislang kürzesten erzeugten Ereignisse, deren Bedeutung mit der Verleihung des Nobelpreises für Physik im Jahr 2023 an Anne L’Huillier, Pierre Agostini und Ferencz Krausz für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Entwicklung dieses Forschungsfeldes gewürdigt wurde.

Marie Skłodowska-Curie Doktorandennetzwerk Qu-ATTO

Die Studie wurde im Rahmen des Marie-Skłodowska-Curie-Doktorandensnetzwerks QU-ATTO (Quantum Information Science and Ultrafast Nonlinear Coherent Control at the Attosecond Timescale) durchgeführt, das von Sansone koordiniert wird. Das Netzwerk bringt mehrere weltweit führende Forschungsgruppen aus den Bereichen Attosekunden- und Quanteninformationswissenschaft zusammen.

Weitere Informationen

  • Originaltitel der Studie: Entanglement in photoionisation reveals the effect of ionic coupling in attosecond time delays. I. Makos, D. Busto, J. Benda, D. Ertel, B. Merzuk, B. Steiner, F. Frassetto, L. Poletto, C. D. Schröter, T. Pfeifer, R. Moshammer, S. Patchkovskii, Z. Mašín, and G. Sansone, Nature Communications 16, 8554
  • DOI: doi.org/10.1038/s41467-025-64182-8

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