{"id":1610,"date":"2026-02-03T14:01:07","date_gmt":"2026-02-03T13:01:07","guid":{"rendered":"https:\/\/uni-freiburg.de\/zpkm\/?p=1610"},"modified":"2026-02-05T13:42:44","modified_gmt":"2026-02-05T12:42:44","slug":"geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uni-freiburg.de\/zpkm\/geschichte\/","title":{"rendered":"Geschichte des ZPKM"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Die Musik der Vielen erforschen und dokumentieren<br>Zur historischen Entwicklung des Zentrums f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik (ZPKM) wurde im Jahr 2014 gegr\u00fcndet. Mit diesem Schritt ging die Integration in die Universit\u00e4t Freiburg einher. Das Forschungszentrum geht jedoch auf eine viel \u00e4ltere Tradition zur\u00fcck, n\u00e4mlich auf das einhundert Jahre zuvor gegr\u00fcndete Deutsche Volksliedarchiv. Dessen Arbeit setzt es auf neuer inhaltlicher und methodischer Grundlage fort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zentrumsgr\u00fcndung ging ein umfassender Modernisierungsprozess voraus, der durch das Direktorium und die Mitarbeiter:innen des Deutschen Volksliedarchivs gestaltet und vorangetrieben wurde. Dieser Prozess spiegelt sich bereits in der 2010 neu aufgesetzten Publikationsreihe mit dem wegweisenden Titel \u201ePopul\u00e4re Kultur und Musik\u201c wider. Diese Modernisierung war mit einer Neuausrichtung der Forschung sowie der Beteiligung an der akademischen Lehre der Universit\u00e4t verbunden. Zu den Neuakzentuierungen z\u00e4hlte ebenso die Begr\u00fcndung von drei Online-Lexika und die systematische Erweiterung des Sammlungsbestandes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2011 ist das ZPKM in der Freiburger Innenstadt untergebracht, sp\u00e4ter wurden zwei Au\u00dfenmagazine zur Aufnahme der wachsenden Best\u00e4nde eingerichtet. Das Zentrum wird seit 2014 von Michael Fischer geleitet, derzeit im kollegialen Verbund mit der Literaturwissenschaftlerin Juliane Blank sowie dem Kulturwissenschaftler Timo Heimerdinger. Seit 2019 engagiert sich das Zentrum im Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik, einer Kooperation zwischen der Hochschule f\u00fcr Musik und der Universit\u00e4t.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Deutsche Volksliedarchiv<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Deutsche Volksliedarchiv \u2013 die Vorg\u00e4ngereinrichtung des ZPKM \u2013 nahm im Jahr 1914 seine Arbeit auf. Initiator und langj\u00e4hriger Leiter war der Germanist und Volkskundler John Meier (1864\u22121953). Das Ziel war es damals, deutschsprachige Volkslieder zu sammeln, zu dokumentieren und in wissenschaftlichen Editionen und popul\u00e4ren Liederb\u00fcchern zug\u00e4nglich zu machen. Modern und wegweisend waren damals die empirischen Methoden: Im Unterschied zu vielen romantischen Liebhabern des Volksliedes und den Philologen des 19. Jahrhunderts wollte man sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht auf Buchgelehrsamkeit verlassen, sondern die Liedtexte und -melodien so von den Menschen aufzeichnen, wie sie tats\u00e4chlich erinnert und gesungen wurden. Ein Netzwerk von Archiven, Sammler:innen und S\u00e4nger:innen (sog. Gew\u00e4hrsleute) unterst\u00fctzte das Projekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meiers wegweisendes Wissenschaftsunternehmen war jedoch in die konservativen und kulturkritischen Str\u00f6mungen seiner Zeit eingebettet. W\u00e4hrend man die Liedersammlung als \u201eecht vaterl\u00e4ndisches Werk\u201c ausgab und im Ersten Weltkrieg sogar als \u201egeistigen Heimatschutz\u201c anpries, wurden die zeitgen\u00f6ssischen Schlager als kommerzielle und medial verbreitete Produkte nicht ber\u00fccksichtigt. Die Volksliedsammlung indes wuchs stetig; zugleich wurden die forscherischen und editorischen Anstrengungen verst\u00e4rkt. Zwischen 1935 und 1996 erschien die Balladen-Edition, eine philologisch hochkomplexe und musterg\u00fcltige Ausgabe deutscher Volkslieder. Seit 1928 erschien sodann als eigenes Publikationsorgan das \u201eJahrbuch f\u00fcr Volksliedforschung\u201c, das heute unter dem Namen \u201eLied und popul\u00e4re Kultur \/ Song and Popular Culture\u201c herausgegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit Meiers und des Deutschen Volksliedarchivs w\u00e4hrend des Nationalsozialismus wurde in der Forschung unterschiedlich beurteilt, jedoch ist deutlich erkennbar, dass sich der Archivgr\u00fcnder bem\u00fchte, sein wissenschaftliches Werk von ideologischer Vereinnahmung freizuhalten. Der Versuchung vieler Fachkolleg:innen, die nationalkonservative und kulturkritische Haltung ins V\u00f6lkische und Rassistische auszuweiten, ist John Meier nicht erlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontinuit\u00e4t und Neuaufbr\u00fcche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Tod Meiers wurde das Deutsche Volksliedarchiv eine Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Landes Baden-W\u00fcrttemberg und konnte so seine Arbeit fortsetzen. Zun\u00e4chst wurde inhaltliche Kontinuit\u00e4t gesucht, allerdings weitete sich der Blick zusehends: W\u00e4hrend bereits John Meier ausl\u00e4ndische Lieder aus komparatistischen Gr\u00fcnden ber\u00fccksichtigte, erweiterte das Deutsche Volksliedarchiv bereits im Jahr 1956 sein forscherisches Spektrum auf \u201edas Gebiet des gesamteurop\u00e4ischen Volksliedes\u201c. Tats\u00e4chlich wurde die Internationalit\u00e4t in den folgenden Jahrzehnten intensiv gepflegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die politischen und gesellschaftlichen Modernisierungsleistungen der 1960er- und 1970er-Jahre gingen am Deutschen Volksliedarchiv nicht spurlos vorbei. Nun fanden auch die Folkbewegung und die Liedermacherszene dort eine Heimat und einen Inspirationsquell. Viele K\u00fcnstler:innen der Zeit gingen im Haus ein und aus. So ist es nicht verwunderlich, dass in einer Brosch\u00fcre aus dem Jahr 1977 auch neuere Liedgattungen wie der Evergreen genannt und ein Protestlied aus der Antikernkraftbewegung abgedruckt wurden. Ausdr\u00fccklich hei\u00dft es dort, man k\u00f6nne nicht bei einer \u201eretrospektiven Betrachtungsweise\u201c stehenbleiben, die \u201eGeschichte des Volksgesangs\u201c sei keineswegs mit dem 19. Jahrhundert zu Ende. Insbesondere m\u00fcssten im Deutschen Volksliedarchiv die Grundlagen geschaffen werden, um \u201eFragen nach Kontinuit\u00e4t und Rezeption der Produkte heutiger Unterhaltungsindustrie\u201c beantworten zu k\u00f6nnen. Folgerichtig wandte man sich dem Schlager ebenso zu wie dem sozialkritischen Lied und ber\u00fccksichtigte st\u00e4rker als fr\u00fcher mediale und \u00f6konomische Aspekte. Zugleich wurde am Haus der Volksliedbegriff problematisiert und entmythologisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei allen thematischen und methodischen Neuakzentuierungen gibt es eine durchgehende Traditionslinie vom Deutschen Volksliedarchiv bis zur Gegenwart: Alles dreht sich um die \u201eMusik der Vielen\u201c \u2013 um die vielf\u00e4ltigen musikalischen Ausdrucksformen, welche die Gesellschaft in ihrer Breite gepr\u00e4gt haben und immer noch pr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Musik der Vielen erforschen und dokumentierenZur historischen Entwicklung des Zentrums f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik Das Zentrum f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur und Musik (ZPKM) wurde im Jahr 2014 gegr\u00fcndet. Mit diesem Schritt ging die Integration in die Universit\u00e4t Freiburg einher. 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