Forschung
Laufende Projekte
Beschreibung:
Diskriminierung ist die unfaire oder vorurteilsbehaftete Behandlung von Personen oder Gruppen auf der Basis von Charakteristika wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter oder sexueller Orientierung. Diskriminierung zu erkennen ist ein notwendiger erster Schritt dabei, der Diskriminierung entgegenzutreten. Ein beobachtetes Geschehen als einen Akt der Diskriminierung zu erkennen ist allerdings in konkreten Fällen oft schwierig, die Evidenz dafür ist vielfach nicht eindeutig oder verborgen. Die Entscheidung, ob es sich im Einzelfall um Diskriminierung handelt oder nicht, ist daher regelmäßig von Unsicherheit geprägt. Das Modellieren von Entscheidungen unter Unsicherheit ist das Ziel der Signalentdeckungstheorie (SDT), die einen klassischen theoretischen Rahmen in dem Forschungsfeld zur Attribution von Diskriminierung darstellt. SDTs Beitrag zur Analyse dieses Urteilsprozesses besteht darin, zwei Komponenten davon zu separieren, die Sensitivität und Antworttendenzen. Sensitivität meint die Fähigkeit, zwischen Fällen mit und ohne Hinweisreizen auf Diskriminierung zu unterscheiden. Antworttendenzen beschreiben die Tendenz, die Zuschreibung zu Diskriminierung gegenüber anderen Zuschreibungen zu bevorzugen. Im Projekt wenden wir SDT an, um diese Determinanten des Entdeckens von Diskriminierung in beobachteten Zuschreibungen zu Diskriminierung zu untersuchen.
Team:
Dr. Anat Shechter, M.Sc. Marie Jakob, Prof. Dr. Karl Christoph Klauer
Beschreibung:
In einer jüngst geführten, fundamentalen Debatte über Rationalitätsforschung wurde argumentiert, dass das Problem der Vermittlung zwischen mehreren sich widersprechenden Normen eine methodische Barriere für die Anwendung von Normen in der empirischen Forschung darstellt. In diesem Projekt wird ein neuer experimenteller Ansatz auf dieses Problem angewandt, indem individuelle Profile der Teilnehmenden erstellt werden, basierend auf ihren Fallbeurteilungen und reflektiven Einstellungen. Die Idee besteht darin, Teilnehmende auf eine von mehreren widersprüchlichen Normen festzulegen und Rationalitätsbewertungen relativ zum Profil vorzunehmen, in das die Teilnehmenden klassifiziert wurden. Das Ziel des Projektes ist es dabei, die Allgemeingültigkeit dieses Ansatzes nachzuweisen durch die Erforschung verschiedener Bereiche der höheren Kognition. Im Speziellen soll die Normgebundenheit von Teilnehmenden in den Bereichen der Behauptungsnormen, Entscheidungstheorie, moralischen und kausalen Urteile auf dieser Basis erforscht werden. Kurzgefasst lautet der Gedanke, gewöhnliche Subjekte als normative Agenten auf die Agenda zu setzen, um der Frage nachzugehen, auf welche Normen sie sich beziehen und welche sie ihresgleichen in argumentativen Kontexten auferlegen. Das Ziel ist, mittels einer Reihe von Fallstudien zu zeigen, wie fruchtbare empirische Arbeiten auf dieser Basis durchgeführt werden können. Psychologische Studien, die Normen miteinbezogen haben, wurden zu oft mit einer bestimmten Norm im Vorfeld geplant, um nachzuweisen, dass die Teilnehmenden entweder rational oder irrational sind. Wenn betont wird, dass oft mehrere konkurrierende Normen in der Philosophie existieren, wird die Forschung mit der Mehrdeutigkeit konfrontiert, welche von dieser dann berücksichtigt werden sollte. Hier möchte das Projekt aufzeigen, inwiefern es möglich ist, fruchtbare empirische Forschung an der Schnittstelle zwischen Philosophie und kognitiver Psychologie zu betreiben durch die Entwicklung von Experimenten, die von Anfang an dazu entworfen werden, um Normkonflikte zu untersuchen.
Team:
PD Dr. Dr. Niels Skovgaard-Olsen
Link:
Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (SK 324/2-1)
Beschreibung:
Gender-Diskriminierung ist zunehmend Gegenstand privater und politischer Debatten sowie sozialpsychologischer Forschung. Es wurden zahlreiche Bemühungen unternommen, Erfahrungen mit Gender-Diskriminierung zu messen. Bestehende Messinstrumente lassen jedoch zentrale Aspekte des Konstrukts außer Acht. Obwohl mehrfach hervorgehoben wurde, dass soziale Ungleichheit sowohl durch benachteiligende als auch durch bevorteilende Mechanismen entsteht (e.g., Brewer, 1999; DiTomaso, 2015; Greenwald & Pettigrew, 2014; Lewin Loyd & Phillips, 2006; Phillips & Jun, 2022), wurden letztere in der bisherigen Forschung weitgehend übersehen.
Um diese Lücke zu schließen, entwickelten und validierten wir den Gender Discrimination Experiences Index (GENDEX), der Erfahrungen sowohl benachteiligender als auch bevorteilender Gender-Diskriminierung bei weiblich und männlich gelesenen Personen erfasst. In einer Validierungsstudie (N = 359) untersuchten wir die Zusammenhänge des GENDEX mit verwandten Konstrukten, darunter die Everyday Discrimination Scale, psychische Belastung und Selbstwertgefühl. Die Ergebnisse zeigen die konvergente, diskriminante und Kriteriums-Validität des GENDEX. Darüber hinaus weisen die Ergebnisse einer Test-Retest-Studie (N = 143) auf eine hohe Reliabilität des GENDEX hin. Explorative Analysen liefern erste Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Erfahrungen bevorteilender Gender-Diskriminierung und psychologischen Outcomes. Der GENDEX ermöglicht zukünftige Forschung zur Prävalenz, Ursachen und Konsequenzen sowohl benachteiligender als auch bevorteilender Gender-Diskriminierung. Die Berücksichtigung beider Dimensionen ist entscheidend für ein umfassendes Verständnis von Gender-Diskriminierung.
Team:
M.Sc. Leonie Ripper, M.Sc. Marie Jakob, Prof. Dr. Melanie C. Steffens, Prof. Dr. Karl Christoph Klauer