Herzlich willkommen an der Universität Freiburg: Dr. Matthias Wachter, Juniorprofessor für Strafrecht und Strafprozessrecht
Freiburg, 28.04.2025
Zum 01. April 2025 wurde Dr. Matthias Wachter auf die Tenure-Track-Professur für Strafrecht und Strafprozessrecht berufen. In diesem Interview gibt er Einblicke in seine Forschung zu Themen wie KI, Sterbehilfe und der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und verrät, für welchen Fußballverein er seine Arbeit pausiert.

Was begeistert Sie an Ihrer Forschung?
In meiner Forschung lege ich großen Wert auf einen Bezug zu den (straf-)theoretischen Grundlagen. Dieser eröffnet mir regelmäßig einen anderen Blick auf die Thematik. Die Möglichkeit, Probleme aus einer neuen Perspektive heraus zu durchdenken und damit zu originellen Lösungen zu gelangen, selbst wenn es sich um eine bereits seit langer Zeit diskutierte Fragestellung handelt, fasziniert mich.
In meiner Dissertation habe ich mich zum Beispiel mit der Frage auseinandergesetzt, weshalb und unter welchen Voraussetzungen auch nur versuchte Taten strafbar sind. Dabei handelt es sich um ein seit über 200 Jahren diskutiertes Thema, dem ich durch eine Bezugnahme auf die Lehre von der objektiven Zurechnung eine neue Grundlage bereitet habe.
Welche Lösungsansätze finden Sie in Ihrer Forschung für Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft?
Zu meinen Forschungsfeldern zählen unter anderem das Medizinstrafrecht sowie strafrechtliche Probleme beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. In beiden Bereichen geht es um höchst aktuelle Fragestellungen. Das zeigen etwa die gegenwärtigen Diskussionen um die Neuregelung der Sterbehilfe, der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs oder um den Einsatz von Software zur automatisierten Entscheidungsfindung. Ohne eine konsistente Grundlagenforschung in diesen Bereichen werden sich die anstehenden Herausforderungen nicht lösen lassen.
Was möchten Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben und was nehmen Sie selbst aus der Lehre mit?
Ich bezeichne Jura oft als „Resilienzstudiengang“. Aus meiner Sicht ist es entscheidend, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. In der Lehre beobachte ich nicht selten, wie sich Studierende in den Details des Faches verlieren. Wichtiger als die vierte oder fünfte Meinung zu einem Spezialproblem sind jedoch ein geschultes Problembewusstsein und die Fähigkeit zur eigenständigen Argumentation.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell persönlich am meisten außerhalb Ihrer Forschung?
Seit meiner Schulzeit beschäftige ich mich mit Geschichte und Politik. Die aktuelle weltpolitische Lage interessiert mich ebenso wie die klassische deutsche Geschichtsschreibung. Eine Empfehlung ist das Buch „Talar und Hakenkreuz“ des Berliner Historikers Michael Grüttner, der sich intensiv mit der Geschichte der Universitäten im Dritten Reich auseinandergesetzt hat. Daneben schlägt mein Herz für den Fußball: Wenn mein FC Bayern spielt, muss die Forschung pausieren.
Auf was freuen Sie sich in Freiburg besonders?
Auf die Freiburger Studierenden, die ich in meinen Vertretungssemestern stets als interessiert und aufgeschlossen erlebt habe. Der Austausch mit ihnen und die Aussicht darauf, sie bis zum Ersten Staatsexamen begleiten zu dürfen, motiviert mich sehr.