Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Galerie der Ersten: Porträts von Frauen im Rektoratsgebäude der Universität Freiburg

Über die Galerie

Die 1457 gegründete Universität Freiburg war über Jahrhunderte ausschließlich Männern zugänglich. Im 20. Jahrhundert errangen Frauen sukzessive Zugang zur Universität. Die „Galerie der Ersten“ zeigt die Frauen, die als Erste studierten, lehrten, forschten oder wichtige Ämter wahrnahmen.

Als erste Frau in eine dieser Positionen zu kommen, bedeutete jedoch noch lange nicht, dass damit bald weitere Frauen folgten. In manchen Fächern wurde eine Professorin erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts berufen. Eine Rektorin erhielt die Universität erst 2020.

Auf Anregung vieler Besucherinnen und Besucher sowie der Rektorin entstand diese „Galerie der Ersten“ 2025 im fünften Obergeschoss des Rektoratsgebäudes. Zuvor hingen an dieser Stelle ausschließlich Porträts von Rektoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese über die Bilder transportierte rein männliche Repräsentation der Universität soll durch die „Galerie der Ersten“ aufgebrochen werden. Sie illustriert so den langen Weg der Öffnung der Universität für Frauen.

Gezeigt werden folgende Frauen:

Eine Fotografie um 1900 zeigt das Portrait einer jungen Frau
Bild: Stadtarchiv Nürnberg, C21 / VII-183.

1900 – Die erste Studentin

Johanna Kappes

(1879–1933)

Am 28. Februar 1900 entschied die badische Regierung aufgrund einer Initiative von Johanna Kappes und des Freiburger Vereins Frauenbildung Frauenstudium, der der badischen Frauenbewegung angehörte, dass sich Frauen an badischen Universitäten regulär als Studentinnen einschreiben durften. Bis dahin wurden sie allenfalls als Gasthörerinnen zugelassen.

Johanna Kappes, die 1899 ihr Abitur am ersten deutschen Mädchengymnasium in Karlsruhe abgelegt hatte, immatrikulierte sich – zusammen mit vier weiteren Frauen – 1900 als Erste. Sie war damit die erste ordentliche Studentin an der Universität Freiburg – und in ganz Deutschland.

Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Medizinstudiums arbeitete Johanna Kappes als niedergelassene Ärztin.

1900 – Die erste Promovierte

Dr. Natalie Wipplinger

(1877–1950)

Frauen konnten bis ins 20. Jahrhundert nur in Ausnahmefällen den Doktorgrad erlangen. Reguläre Promotionen wurden erst mit der Einführung des Frauenstudiums möglich. Die erste Frau, die nach der Zulassung von Frauen zum Studium in Freiburg einen Doktorgrad erlangte, war Natalie Wipplinger. Sie wurde am 20. August 1900 an der Philosophischen Fakultät promoviert.

Nach ihrer Promotion lehrte Natalie Wipplinger in den USA. Sie war von 1907 bis 1940 Professorin für Germanistik am Wellesley College, einer renommierten privaten Hochschule für Frauen, zu deren späteren Absolventinnen etwa Madeleine Albright oder Hillary Clinton gehören. Nach Natalie Wipplinger ist heute ein Germanistik-Preis am Wellesley College benannt.

Dr. Natalie Wipplinger (1877–1950)

Bild: Wellesley College Yearbook 1915.

Dr. Dr. Bertha Ottenstein (1891–1956)

Bild: Universitätsarchiv Freiburg, D114/21.

1931 – Die erste Habilitierte

Dr. Dr. Bertha Ottenstein

(1891–1956)

Die Dermatologin Bertha Ottenstein, die in Chemie und in Medizin promoviert war, war die erste Frau, die sich 1931 an der Universität Freiburg habilitieren konnte. 1933 musste sie die Universität aufgrund ihrer jüdischen Abstammung verlassen. Sie emigrierte zunächst nach Budapest, dann in die Türkei und war am Universitätshautklinikum Istanbul tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Bertha Ottenstein in die USA, konnte dort beruflich aber nicht mehr Fuß fassen. 1951 wurde ihr anlässlich ihres 60. Geburtstages für ihre wissenschaftlichen Verdienste eine Titularprofessur an der Universität Freiburg verliehen.

Nach ihr ist an der Universität Freiburg unter anderem der „Bertha-Ottenstein-Preis“ benannt, der für Gleichstellungsprojekte und Leistungen der Gender- und Diversity-Forschung vergeben wird.

1956 – Die erste Professorin

Prof. Dr. Elfriede Husemann

(1908–1975)

Die Chemikerin Elfriede Husemann war die erste Professorin der Universität Freiburg. Nach ihrer Promotion 1933 arbeitete sie zunächst als Assistentin am Chemischen Laboratorium der Universität Freiburg bei Hermann Staudinger. Nachdem sie 1954 einen Ruf an die Universität Jena erhalten hatte, wurde sie 1956 planmäßige außerordentliche Professorin und zugleich Nachfolgerin Staudingers als Direktorin des Instituts für makromolekulare Chemie der Universität Freiburg. Fünfhundert Jahre nach ihrer Gründung wurde an der Universität Freiburg damit erstmals eine Frau Professorin.

1962 erhielt Husemann anstelle der planmäßigen außerordentlichen Professur ein Ordinariat.

Prof. Dr. Elfriede Husemann (1908–1975)

Bild: Universitätsarchiv Freiburg, D13/1709.

Dr. Maria Plum (1894–1962)

Bild: Privatbesitz

1962 – Die erste Ehrensenatorin

Dr. Maria Plum

(1894–1962)

Maria Plum, die in Frankfurt, Berlin und Freiburg studiert hatte, war ab 1928 die erste niedergelassene Rechtsanwältin in Freiburg. Sie engagierte sich aktiv für die Gleichstellung junger Juristinnen und Akademikerinnen und vertrat auch nach 1933 Jüdinnen und Juden. Nach 1945 beriet Maria Plum die Universität in juristischen Belangen, war Mitglied im Universitätsbeirat und Vorsitzende des Kuratoriums des Forschungsinstitutes für makromolekulare Chemie.

Elfriede Husemann, erste Professorin der Universität, regte ihre Ernennung zur Ehrensenatorin an. 1962 wurde Maria Plum die erste Ehrensenatorin der Universität Freiburg.

1970 – Die erste Dekanin

Prof. Dr. Johanne Autenrieth

(1923–1996)

Die Philologin Johanne Autenrieth war nach Studium und Promotion zunächst bei der Württembergischen Landesbibliothek und der Monumenta Germaniae Historica als Handschriftenbearbeiterin und Bibliotheksleiterin tätig. 1966 erhielt sie die ordentliche Professur für Lateinische Philologie des Mittelalters an der Universität Freiburg, die sie bis zu ihrer Emeritierung 1988 innehatte. Sie war nach der Chemikerin Elfriede Husemann und der Psychologin Hildegard Hiltmann die dritte planmäßige Professorin, die an der Universität Freiburg berufen wurde.

1970 wurde Johanne Autenrieth die erste Dekanin der Universität – und zwar in der neu geschaffenen Philosophischen Fakultät II. 

Prof. Dr. Johanne Autenrieth (1923–1996)

Bild: Universitätsarchiv Freiburg, D13/1298.

Prof. Dr. Dr. Sabine von Kleist (1933–2021)

Bild: Stiftung Deutsche Krebshilfe.

1981 – Die erste Prorektorin

Prof. Dr. Dr. Sabine von Kleist

(1933–2021)

Die Krebsforscherin Sabine von Kleist wurde 1978 Professorin für Immunologie an der Universität Freiburg. Sie war damit die erste Professorin der Medizinischen Fakultät. Sabine von Kleist war von 1988 bis 1989 auch die erste Dekanin der Medizinischen Fakultät.

1981 wurde sie die erste Prorektorin der Universität. Sie war von 1981 bis 1983 Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Neben ihrer internationalen Reputation als Wissenschaftlerin wurde zur Begründung ihrer Wahl von Rektor Bernhard Stoeckle angeführt: „Warum soll im Rektorat nicht auch einmal eine Dame vertreten sein?“