Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Neue Fellowships für Forschende unter politischem Druck

Freiburg, 29.09.2025

Bis zu 14 hochqualifizierte Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen, die aufgrund ihrer Arbeit in den USA unter politischem Druck stehen, können ihre Forschung künftig an den Universitäten Freiburg, Tübingen und Konstanz fortsetzen.

Der Schriftzug "FRIAS. Freiburg Institute for Advanced Studies" auf einem Gebäude der Universität Freiburg.
Foto: Jürgen Gocke / Universität Freiburg

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) des Landes Baden-Württemberg unterstützt das Global-Fellowship-Programm der international ausgerichteten Institutes for Advanced Studies (IAS) an den drei Universitäten mit insgesamt 3,6 Millionen Euro. Das hat das MWK am 23. September 2025 bekanntgegeben. Das Programm geht auf ein Anfang 2025 initiiertes gemeinsames Vorhaben der IAS-Direktoren Prof. Dr. Ralf von den Hoff (Freiburg Institute for Advanced Studies, FRIAS), Prof. Dr. Giovanni Galizia (Zukunftskolleg, Universität Konstanz) und PD Dr. Niels Weidtmann (College of Fellows, Universität Tübingen) zurück.

Das Fellowship richtet sich sowohl an US-amerikanische Wissenschaftler*innen als auch an Forschende anderer Nationalitäten, die in den USA aufgrund politischer Restriktionen ihre Arbeit nicht umsetzen können – etwa durch Reisebeschränkungen oder gestrichene Fördermittel. Ziel ist es, Postdoktorand*innen Zeit und Raum für ihre Forschung sowie internationale Perspektiven für ihre berufliche Zukunft zu eröffnen. Besonders betroffen sind in den USA derzeit Forschungsfelder mit hoher gesellschaftlicher oder politischer Relevanz wie etwa Biomedizin, Klima- und Umweltwissenschaften oder Migrations-, Politik- und Menschenrechtsforschung.

Portraitbild von Prof. Dr. Kerstin Krieglstein

„Freiheit und Pluralität in der Wissenschaft sind unverzichtbare Eckpfeiler wissenschaftlichen Arbeitens sowie der demokratischen Kultur. Dafür setzt sich die Universität Freiburg mit Nachdruck ein und begrüßt auch vor diesem Hintergrund diese Initiative.“

Prof. Dr. Kerstin Krieglstein

Rektorin, Universität Freiburg

„Freiheit und Pluralität in der Wissenschaft sind unverzichtbare Eckpfeiler wissenschaftlichen Arbeitens sowie der demokratischen Kultur. Dafür setzt sich die Universität Freiburg mit Nachdruck ein und begrüßt auch vor diesem Hintergrund diese Initiative“, sagt Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein. Die Universität lege besonderen Wert darauf, Talente in frühen und mittleren Karrierephasen zu fördern und internationale Kooperationen zu stärken. Ralf von den Hoff betont: „Mit dem Programm kommen wir einer globalen wissenschaftlichen Verantwortung nach.“ Das FRIAS biete dafür hervorragende Bedingungen. „Die Fellowships sind thematisch offen, sodass die Fellows ihre Forschung unabhängig und unter besten Bedingungen fortführen können.“

Portrait von Prof. Dr. Ralf von den Hoff.

„Mit dem Programm kommen wir einer globalen wissenschaftlichen Verantwortung nach. Die Fellowships sind thematisch offen, sodass die Fellows ihre Forschung unabhängig und unter besten Bedingungen fortführen können.“

Prof. Dr. Ralf von den Hoff

Direktor FRIAS, Universität Freiburg

Eine Besonderheit des Programms: Die Fellows wählen selbst, an welchem der drei Institute sie ihre Arbeit aufnehmen möchten, und profitieren zugleich von einem standortübergreifenden Rahmenprogramm: Dazu gehören wissenschaftliche Weiterbildungen, Workshops und Sprachkurse. Die Fellowships sind auf bis zu zwei Jahre angelegt und eröffnen den Forschenden als Mitglied einer baden-württembergischen Universität neue Perspektiven im nationalen und europäischen Wissenschaftsraum. Das Bewerbungsverfahren, das die drei IAS unabhängig gemeinsam durchführen, soll baldmöglich beginnen. Im Frühjahr 2026 könnten die Fellows bereits ihre Arbeit in Freiburg, Konstanz und Tübingen aufnehmen.

Freiheit, Flexibilität, unbürokratische Prozesse

Institutes for Advanced Studies sind Orte der Wissenschaftsfreiheit und fächerübergreifender Spitzenforschung, führt Ralf von den Hoff aus: „Sie nehmen Wissenschaftler*innen auf Zeit auf, bieten Ruhe und Freiheit für Forschung und Debatten, organisatorische Flexibilität und unbürokratische Aufnahmeprozesse.“ Gerade die Postdoc-Phase sei eine besonders vulnerable Karrierestufe zwischen Promotion und dem Weg zu einer Professur oder einer Tätigkeit außerhalb der Wissenschaft. Die Arbeit aufgrund politischer Restriktionen nicht fortsetzen zu können, könne sich auf den folgenden Karriereweg drastisch auswirken. Zugleich leisteten Postdoktorand*innen mit oft interdisziplinärer Forschung wichtige Beiträge und setzten neue Impulse für die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre an den Universitäten.

Weitere Programme zur Sicherung der Wissenschaftsfreiheit

Die Universität Freiburg beteiligt sich darüber hinaus an weiteren Initiativen, die Wissenschaftsfreiheit sichern und internationale Karrieren unterstützen – darunter das Sonderprogramm für internationale Wissenschaftsfreiheit der Stiftung Baden-Württemberg, die Philipp Schwartz-Initiative der Humboldt-Stiftung und das Walter-Benjamin-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie ein Programm für Forschende aus der Ukraine am FRIAS.

Mehr Informationen zu den drei Institutes for Advanced Studies

FRIAS an der Universität Freiburg

Das FRIAS ist das internationale Forschungskolleg der Universität Freiburg. Seit 2008 fördert es in Fellowshipprogrammen herausragende Forschende aller Disziplinen aus der ganzen Welt, aber auch aus Freiburg und Deutschland. FRIAS bietet ihnen für Zeiträume zwischen wenigen Monaten und ein bis zwei Jahren Raum, Zeit und Freiheit für ihre Forschung – und anregende Debatten über die Fächergrenzen hinweg. Daneben fördert es interdisziplinäre Forschungsgruppen und öffnet die Wissenschaft für gesellschaftliche Debatten. Mit der Freiburg Postdoctoral Academy bietet es Forschenden in frühen Karrierephasen besondere Möglichkeiten und stärkt damit zugleich die Forschungsschwerpunkte der Universität Freiburg.

Zukunftskolleg an der Universität Konstanz

Das Zukunftskolleg der Universität Konstanz fördert seit 2007 Wissenschaftler*innen in ihrer Karriere bevor sie eine Professur inne haben. Forschungsgruppen, Forschungsgäste, Kurzzeitstipendien und Fellows at Risk bilden eine interdisziplinäre, internationale, intergenerationale, intrauniversitäre und unabhängige Gruppe, die sich jede Woche auf einen gemeinsamen Gedankenaustausch trifft. Fördermittel als ‚seed money‘ helfen, die Forschung international auf Konferenzen vorzustellen, und neue Forschungsprojekte anzuschieben, für die dann externe Förderung beantragt wird.

College of Fellows an der Universität Tübingen

Das College of Fellows (CoF) der Universität Tübingen steht allen von der Universität zentral berufenen, an die Fakultäten eingeladenen und über Drittmittel finanzierten internationalen Research Fellows offen. Fellows können an längerfristigen fächerübergreifenden Arbeitsgruppen (Focus Groups) mitwirken oder diese selbst initiieren. Das CoF möchte die innovativen Potentiale der vielen herausragenden Wissenschaftler:innen aus aller Welt an der Universität Tübingen und ihrer unterschiedlichen Perspektiven vereinen, um einen Ort zu schaffen, an dem Fragen von globaler gesellschaftlicher Relevanz diskutiert werden, und die Internationalität der Wissenschaftler:innen an der Universität Tübingen sichtbar zu machen.

Kontakt

Hochschul- und Wissenschaftskommunikation

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