Die Bajuwaren

Ein heiteres, musikalische Spiel in sechs Bildern

Text von Hans Fitz
Bearbeitung von Paul Verhoeven
Musik von Franz Xaver Lehner

Inszenierung

Uraufführung: 19. September 1958
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Bundesrepublik

Besetzung:

Premierenchronik

DUA19. September 1958Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Inhaltsangabe

Die Handlung spielt etwa um das Jahr 185 n. Chr. G.; Ort: Castra Regina (Regensburg) und Umgebung.

„Sie [Anmerkung: Die Bajuwaren] kamen im 6. Jahrhundert n. Chr. in das Land zwischen Donau, Inn und Lech. Da die Handlung des gleichnamigen Spiels mit Musik von Hans Fitz und Franz X. Lehner schon um das Jahr 185 n. Chr. spielt, merkt auch der Uneingeweihte, daß sie – wie übrigens die Autoren auch ausdrücklich vermerken – keinerlei Anspruch auf historische Treue erhebt. Das versteht sich bei dem heiteren Charakter des Geschehens, in dem die wackeren Vertreter des bajuwarischen Volksstammes mit der römischen Besatzungsmacht gegenübergestellt werden, von selbst. Was sich im einzelnen begibt, soll hier nur angedeutet werden.

Tacitus, der als Kulturbeauftragter des Capitols mit Servilius, dem Chef der geheimen Staatspolizei, aus Rom zur Feier der 200. Wiederkehr der Besatzung in Castra Regina (Regensburg) eintrifft, ist der Meinung, daß die Bajuwaren ‚eine Rasse für sich‘ seien. Vorsichtshalber haben die Römer – nach den schlechten Erfahrungen im Teutoburger Wald – den Limes gebaut und die Bajuwaren zunächst einmal ent- und bald darauf wieder als Hilfssoldaten des römischen Besatzungsheeres bewaffnet. Die bajuwaren machen gute Miene zum bösen Spiel; aber wie es ihnen wirklich ums Herz ist, zeigt der Kampfgesang der Widerstandsbewegung:

‚Wir, wir Bajuwaren
haben keine Angst nicht vor Gefahren!
Die Römer sind jetzt leider unsere Herrn!
Das paßt und gar nicht, das ham wir gar nicht gern!‘

Der militärische Drill, bei dem sich der schwäbische Unteroffizier Wonnebald besonders auszeichnet, mundet den wackeren Söhnen des Landes keineswegs. Überall brodelt es, in der scheinbar friedfertigen Schar der Krieger. Die Vorbereitungen für ein Festspiel zur 200-Jahrfeier der römischen Besatzung geben den Bajuwaren willkommenen Anlaß, ein inzwischen erlassenes Versammlungsverbot zu überschreiten. Unter Führung des Organisators der Widerstandsbewegung, Wampus, treffen sich die Verschwörer unter einem harmlosen Vorwand jenseits des Limes – im markomannischen Ausland – in der Walhalla-Höhle. Daß ausgerechnet ein Nordgermane – heute würde man ‚Saupreiß‘ sagen – als Abgesandter der Cherusker den Anlaß zur tatsächlichen Befreiung gibt, indem er unter Mißachtung der stammesüblichen herzorglich-bayerischen Ruhe zum gemeinsamen Widerstand auffordert, sei nur am Rande vermerkt. Jedenfalls fallen die Römer auf die Bauernschläue der Bajuwaren herein, machen sich einer Grenzverletzung schuldig und müssen nach einer heftig durchzechten Nacht nicht nur vor dem bayerischen Bier, sondern auch vor den heranrückenden Markomannen kapitulieren. Sie finden aber einen noblen Abgang, da Marc Aurel, Imperator und Rex von Jupiters Gnaden, die Bajuwaren in Anerkennung ihrer jahrhundertelangen Verdienste aus dem römischen Militärdienst entläßt. Hierüber jubelt nicht nur das Volk, sondern auch das Herz der bajuwarischen Maid Rosa, die nun endlich den schwäbischen Ausländer und Barrashengst Wonnebald als Vater ihres hoffnungsvollen Sprößlings ins Ehejoch zwingen kann. Auch Mechtildis, die zeitweilig ihren Leichtfuß Stachus für den mutmaßlichen Kindsvater von Rosa hielt, sieht jetzt, da ihr Liebster nicht mehr mit Spionageauftrag Putzer und Seelentröster bei der römischen Hauptmannsgattin Blandia spielen muß, ihre große Sehnsucht in Erfüllung gehen:

‚An der Isar, ein kleines Häuserl für uns zwei!
Ein paar Kühe, ein paar Geißen
und ein kleines Garterl dabei!‘

(aus dem Programmheft zur UA, München 1958)

Empfohlene Zitierweise

„Die Bajuwaren“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/die-bajuwaren/

Letzte inhaltliche Änderung: 16. Februar 2026.