Neumond (The New Moon)

Operette in zwei Akten

Musik von Sigmund Romberg
Text von Oscar Hammerstein II, Frank Mandel und Laurence Schwab
Deutsche Fassung von Hauke Jensen

Inszenierung

Deutsche Erstaufführung: 11. Januar 2020
Musikalische Komödie, Leipzig, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA22. Dezember 1927Chestnut Street Opera House, Philadelphia
GBEA4. April 1929Theatre Royal Drury Lande, London
DDEA (konzertant)11. Januar 2020Musikalische Komödie, Leipzig

Anmerkung: „Neumond“ war eine konzertante Aufführung im Rahmen des Operettenworkshops Junger Dirigenten in Kooperation mit dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrates.

Die Broadwaypremiere (revised version) fand am 19. September 1929 im Imperial Theatre statt.

Inhaltsangabe

„Robert ist ein junger französischer Aristokrat, dessen revolutionäre Neigungen ihn zwingen, sein Land zu verlassen. Unter einem Decknamen verkauft er sich 1792 als Pfandleiher an den Pflanzer und Reeder Monsieur Beaunoir und seine Familie in New Orleans. Weil die Pariser Polizei überall nach ihm sucht, kann Robert Beaunoir und seiner schönen Tochter Marianne, in die er sich verliebt hat, nicht sagen, dass er von edlem Blut ist.

Schließlich wird Robert von Vicomte Ribaud, dem Detektivbösewicht, aufgespürt und an Bord eines Schiffes, der Neumond (New Moon), gebracht, damit er nach Frankreich zurückgebracht werden kann. Robert glaubt, dass er von Marianne verraten wurde, die die Zustimmung ihres Vaters eingeholt hat, mit demselben Schiff zu reisen, und behauptet, dass sie in den Kapitän des Schiffes, Duval, verliebt ist. Eine Meuterei findet statt, und Robert und die Knechte kommen an die Macht. Alle gehen auf der Insel Pines an Land, und eine neue Republik wird gegründet.

Die Republik blüht unter Roberts Führung auf, aber Marianne, in ihrem Stolz verletzt, weigert sich zunächst, Robert zu heiraten. Französische Schiffe kommen an, um die Insel zurückzuerobern. Vicomte Ribaud erwartet, dass sie die Insel für den König von Frankreich erobern. Aber der französische Kommandant enthüllt, dass es in Frankreich eine Revolution gegeben hat und dass alle Aristokraten wie er selbst sterben müssen, wenn sie nicht auf ihre Titel verzichten. Ribaud, ein Royalist, wird zur Rückkehr nach Frankreich und einer möglichen Hinrichtung übergeben. Als Republikaner verzichtet Robert auf seinen Adelstitel. Alles endet glücklich für ihn und Marianne.“

(Inhaltsangabe des Verlags Concord Theatricals GmbH, Berlin 2023)

Kritiken

„Unterschiede der Annäherung lassen sich bei der nach den Kriterien von Proportion, musikalischer Gewichtigkeit und Publikumswirksamkeit der etwa 30 Musiknummern unter den drei Jung-Dirigenten, die sich unter Anleitung von Gerrit Prießnitz vom 7. bis zum 10. Januar den Herausforderungen stellten, kaum ausmachen. Dieses Werk ist durch die vielen melodramatischen Untermalungen der Dialoge ein sensibles Gebilde. Dabei folgte Romberg keinem Muster, sondern wählte immer wieder neue Verfahren: Zäsuren, Selbstironie, emotionaler Kitt, Schwelgen oder Stopper ereignen sich, manchmal überraschend irregulär zwischen den Strophen und manchmal sogar mitten in melodischen Phrasen.

Minimale Ton-Verstärkung hilft den Sängern über das im Westbad auch im Piano äußerst dicht klingende Orchester. Workshop-Arbeit aus einem Guss. Denn Romberg lieferte keine aufrauschenden Holzhammer-Wiederholungen und setzte dafür lieber über das ganze Werk verteilte Reminiszenzen. Deshalb wurde vor allem interessant, wie die jungen Dirigenten mit unterschiedlichen Zeichengebungen zu analogen Resultaten kamen. Gabriel Venzago setzte kleine rhythmische Akzente und vertraute beim beabsichtigten Aufblühen den Fachkenntnissen seiner Musiker. Christoph Schäfer überführte die Phrasen mit seinen Gesten in einen übergeordneten Fluss und erzeugte damit bemerkenswerte Konzentration für instrumentale Einzelereignisse. Johannes Marsovszky kultivierte eine ideale Begleitung mit gekonnter, weil nicht aufdringlich ausgestellter Sängerfreundlichkeit. Andreas Rainer (Captain), Michael Raschle (Beaunoir) und Milko Milev (Besace) vermieden Grobschlächtiges.

Hilfe von Dirigenten-Seite war allerdings für das Hauptpaar dringend nötig: Bei der Partie von Robert Mission kündigt sich mit vertrackten Schwierigkeiten schon der Protagonisten-Wechsel vom lyrischen Operetten-Tenor zum baritonalen Broadway-Darsteller an. Eine souveräne Leistung von Jeffery Krueger, weil sich die zentrale Lage der umfangreichen Partie des Robert Mission immer weiter nach oben schraubt und Krueger das ohne Materialtrübungen perfekt bewältigt. Deshalb braucht er weitaus mehr Sopran-Power neben sich als ein naives Silberstimmchen. Nora Lentner schenkt ihm als Rombergs Dollarprinzessin deshalb absolut nichts. Sie singt und spielt eine Frau von strahlender Herzlichkeit, vor der jede Meuterei im Keim ersticken muss. Mit einer solchen Operetten-Nixe als Galionsfigur schafft es die ‚Neumond‘ problemlos nach Martinique – und hoffentlich nach Europa zu einer szenischen Neuproduktion.“

Roland Dippel: Operetten-Kritik: Oper Leipzig – Neumond (The New Moon). Frauenlieferung nach Martinique. In: concerti, 13. Januar 2020.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Neumond (The New Moon)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/neumond/

Letzte inhaltliche Änderung: 24. Oktober 2023.