Once

Musical

Musik und Gesangstexte von Glen Hansard und Markéta Irglová
Buch von Enda Walsh
Nach dem gleichnamigen Film von John Carney
Deutsch von Sabine Ruflair (Gesangstexte) und Gil Mehmert (Dialoge)

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 31. Oktober 2021
Hamburger Kammerspiele, Hamburg. Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Finalbild, v.l.n.r.: Jonathan Wolters, Delio Malär, Kristin Riegelsberger, Timo Riegelsberger, Sybille Lambrich, Nadja Scheiwiller, Stefan Möller-Titel, David Berton

Premierenchronik

USAUA18. März 2012Bernard B. Jacobs Theatre, New York
IREA22. Februar 2013Gaiety Theatre, Dublin
GBEA9. April 2013Phoenix Theatre, London
DDspr. EA31. Oktober 2021Hamburger Kammerspiele, Hamburg

Inhaltsangabe

Die Geschichte spielt in Dublin. Der „Guy“ (im Deutschen: „Typ“) hat Liebeskummer, weil seine Freundin aufgrund einer unzureichenden Lebensperspektive auf der irischen Insel vor einem halben Jahr in die USA gegangen ist. Er lebt in bescheidenen sozialen Verhältnissen, arbeitet in der Werkstatt seines Vaters, der Staubsauger repariert, und frischt sein Einkommen als gelegentlicher Straßenmusiker auf. Er fühlt sich allein und gescheitert. Ein letztes Mal singt er seine Liebessehnsucht und existentielle Hoffnungslosigkeit aus sich heraus. Dann will er gehen, um sich umzubringen. Das Girl (im Deutschen: „Mädchen“) hat ihm aus der Entfernung zugehört und erkennt intuitiv seine Absicht. Sie hält ihn davon ab, indem sie ihn anspricht und in den nächsten Stunden nicht mehr allein lässt. In weniger als einer Woche wird sie sein Leben ändern.

Sie verschafft ihm die Möglichkeit, eine Demo-Aufnahme seiner Lieder in einem professionellen Tonstudio zu erstellen, treibt die Begleitmusiker auf und besorgt den Kredit zur Bezahlung des Studios. Mit den Demo-CDs soll er nach New York fliegen um sie den dortigen Musikproduzenten vorzustellen. Gleichzeitig kann er jene wiedersehen, für die er seine sehnsuchtsvollen Lieder schreibt.

Gegen ihren Willen verlieben sich aber der Guy und das Mädchen, das – wie sie ihm zögert erzählt – mit ihrer Familie aus Tschechien eingewandert ist, eine kleine Tochter hat und verheiratet ist. Ihr Ehemann lebt aber nach wie vor daheim und die Ehe sei schwierig. Im Gegensatz zum Typ, der hauptsächlich von seinen romantischen Anwandlungen beherrscht wird, ist das Mädchen gleichzeitig bodenständig und lebenserfahren, liebessehnsüchtig und beherrscht, praktisch und enthusiastisch, selbstlos und verantwortungsbewußt. Was die beiden verbindet ist die emotionale Kraft der Musik. Sie spielt Klavier, muss zum Spielen jedoch immer in ein Musikgeschäft gehen, da sie nicht über die finanziellen Einkünfte verfügt, sich eins zu kaufen. Sie begleitet ihn mit ihrer Begeisterung für seine Musik bei den Demo-Einspielungen. Unaufhaltsam kommen sie sich näher.

Während er sich schließlich emotional verzettelt und nicht mehr so genau weiß, für wen er eigentlich seine Liebeslieder singt, erklärt sie ihm traurig, dass es besser sei, wenn er gehe. Sie liebt ihn zwar, wie sie sich eingesteht, doch seine Sehnsucht bezieht sich auf ein anderes Mädchen. So packt der Guy nach Beendigung der Studio-Aufnahmen seine wenigen Sachen zur Abreise. Ein Telefonat mit der Freundin in den USA zeigt, wie stabil deren Liebe die ganze Zeit über war. Im letzten Moment fährt er am Musikladen von Billy vorbei, in dem das Klavier steht, auf dem das Mädchen immer so gern spielte und kauft es für sie. Die Zeit, es persönlich vorbeizubringen, hat er nicht mehr. So lässt er es als Geschenk anliefern. Die Musik wird sie künftig auf immer verbinden.

(Wolfgang Jansen)

Die Protagonisten: Sybille Lambricht als „Mädchen“, Delio Malär als „Typ“

Kritiken

„Was für ein wunderbarer Abend! Die Kammerspiele zeigen ‚Once‘ – nach dem gleichnamigen Kino-Überraschungshit – und der magische Funke springt sofort über!

Riesenjubel schon zum Auftakt der poetisch-melancholisch gefärbten Geschichte um einen Songschreiber, der auf den Straßen von Dublin seine Balladen von unerfüllter Liebe singt und damit einer tschechischen Pianistin aus der Seele spricht. […] Gil Mehmert erstellte eine aus humorvollen Szenen und berührenden Songs bestehende Bühnenfassung. Sie wird getragen von acht großartigen Darsteller:innen, die allesamt mit leidenschaftlichem Spaß immer wieder Live-Musik-Auftritte und Schauspiel fließend ineinander übergehen lassen. […] Eine hinreißende Hymne an die verbindende und Grenzen überwindende Kraft der Musik – am Ende gefeiert mit jubelndem Applaus, Bravos und Standing Ovations.“

Brigitte Scholz: Dieser Kultfilm ist jetzt ein Bühnen-Hit an den Kammerspielen. In: Hamburger Morgenpost, 1. November 2021.

„Die Musik von Glen Hansard und Markéta Irglová ist ein überzeugender Mix aus traditionellem irischen Folk, modernem Pop und osteuropäischer Melodik. Hypnotische Rhythmen, sehnsuchtsvolle Balladen und mehrharmonischer Gesang illustrieren das Auflösen von Grenzen und die verbindende Kraft der Musik. Für die Musikalische Leitung verantwortlich zeichnete Jonathan Wolters, der auch in der Figur des Svec mit auf der Bühne steht.

Ohnehin macht die Vielseitigkeit der Cast ‚Once‘ zu einem besonderen Erlebnis. Alle Darsteller sind auch Musiker, die praktisch ständig auf der Bühne agieren. Dabei ist das Spektrum von Musikinstrumenten, die zum Einsatz kommen, erheblich. Von Gitarre, Geige und Klavier angefangen reicht es bis hin zu Cajon, Tin Whistle und Bodhran, mithin keine Instrumente, deren Beherrschung selbstverständlich ist.“ 

Wolfgang Jansen: Once, Teils humorvolle, teils anrührende Geschichte. In. musicals, Das Musicalmagazin, Heft 210, Dezember 2021/Januar 2022, Seite 14-15.

In der Bank beim Kreditantrag, v.l.n.r.: Stephan Möller-Titel, Sybille Lambrich, Delio Malär

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Kommentar

Der offiziellen Uraufführung am Broadway voraus gingen zwei Produktionen: im April 2011 am American Repertory Theater in Cambridge, Massachusetts, und am 15. November 2011 am Theatre Workshop in New York.

Die irische Produktion war zugleich die europäische Erstaufführung. Sie wurde im April nach London transferiert und kam dort am 9. April 2013 zur Premiere.

Die deutschsprachige Erstaufführung war eine Koproduktion der Hamburger Kammerspiele mit Mehr-BB-Entertainment und dem Gerhart-Hauptmann Theater Görlitz-Zittau, das die Inszenierung im Dezember 2021 in den Spielplan übernahm.

Empfohlene Zitierweise

„Once“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/once/

Letzte inhaltliche Änderung: 11. Dezember 2021.