Ragtime

Musical

Musik von Stephen Flaherty
Buch von Terrence McNally, nach dem gleichnamigen Roman von Edgar Lawrence Doctorow
Gesangstexte von Lynn Ahrens
Deutsche Übersetzung von Roman Hinze
mit englischen Songtexten und deutschen Dialogen

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 18. September 2015
Staatstheater Braunschweig, Deutschland 

Besetzung:

Premierenchronik

USAUA18. Januar 1998Ford Center for the Performing Art, New York
GBEA25. März 2003Piccadilly Theatre, London
DDspr. EA18. September 2015Staatstheater Braunschweig
AEA13. Januar 2018Oper, Graz

Inhaltsangabe

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts treffen in New York die Schicksalslinien dreier Familien aufeinander: den schwarzen Ragtime-Pianisten Coalhouse Walker Jr. verlangt es nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Gerechtigkeit, doch ihm widerfährt rassistische Gewalt, die ihn in die Illegalität abdriften lässt. Ein jüdischer Immigrant schafft es, in der Neuen Welt Fuß zu fassen und den amerikanischen Traum vom Aufstieg zu verwirklichen. Verbindend dazwischen steht eine Frau, der Vorurteile fremd sind und die durch ihre gelebte Menschlichkeit zur Liebe findet. Verflochten mit den Lebenslinien sind politische und soziale Umbrüche, die die Bürgerrechts- und Arbeiterbewegungen ebenso hervorbringen wie das Erstarken der amerikanischen Wirtschaft – zerrissene Zeiten also, was der Stil des Ragtime swingend zum Klingen bringt.“

(Inhaltsangabe der Oper Graz zur Österreichischen Erstaufführung.)

Kritiken

„Regisseur Philipp Kochheim sucht in seinen Arbeiten keine Auseinandersetzung mit Amerika, das hat er unlängst bereits mit seiner West-Side-Story auf dem Braunschweiger Burgplatz bewiesen, in der die New Yorker Dächer wie ein Ufo aus einer anderen Zeit über den Problemen unserer Gegenwart schwebten.

Es geht Kochheim offensichtlich vielmehr darum, seinen Traum vom Hollywood-Kino mit allerhand Tricks auf der Bühne zu rekonstruieren. Da fährt in der Vorlage ein Pärchen in einem Oldtimer durch die Straßen von New York, auf der Bühne steht natürlich ein sorgfältig in den Werkstätten angefertigtes Holz-Automobil, auf einer Leinwand im Hintergrund laufen Schwarzweißbilder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kein Lüftchen soll hier die Illusion stören, kein Zeichen, kein Hinweis, kein Aufblitzen einer Erkenntnis, dass dieser Stoff auch jenseits schöner Kostüme etwas mit uns zu tun hat.

Dafür dürfen die Damen und Herren vom Chor endlich einmal alles geben. In Kostümen wie an einem Filmset lassen sie die Ragtime-Epoche in einem multifunktionalen Ballsaal und Illusionsraum wiederauferstehen, werfen die Beine hoch und schmeißen sich ran, mit allem, was sie haben, an das staunende Publikum. Der amerikanische Traum, in ihren engagierten Gesängen existiert er noch. Black-Facing war gestern, dafür hat das Staatstheater viele dunkelhäutige Sänger ins Ensemble eingekauft, die ihre Aufgabe toll erfüllen, aber ihrer Sache mit dieser unreflektierten Performance keinen Dienst erweisen.“

Alexander Kohlmann: Der amerikanische Traum. Musical ‚Ragtime‘ am Staatstheater Braunschweig. In: Oper & Tanz, Zeitschrift für Musiktheater und Bühnentanz, Ausgabe 2015/06.

„Die Musik ist ganz große Emotion. Nach einem grandiosen Opening zeichnet sie die genannten Stränge nach: für die weiße Familie den in die gehobene Unterhaltungsmusik gewandelten Ragtime, Jazz-Ragtime für Coalhouse und seine Freunde, sowie freie Assoziationen zur Klezmermusik für Tadeh. Zusätzlich sorgen Gospel, Boogies, opernhaft angelegte Balladen und dynamische Ensemblenummern für Abwechslung. Insgesamt also eine reiche Partitur, die das Staatsorchester Braunschweíg unter der Leitung von Georg Menskes fulminant zu Gehör brachte.

Regie führte der Operndirektor des Hauses, Philipp Kochheim, dem es wunderbar gelang den beweglichen Chor, die einzelnen Mitglieder des festen Ensembles und die Gäste (darunter das achtköpfige Harlem-Ensemble) zu einer homogenen Einheit zu verschmelzen. Doch weniger beeindruckt war ich von der leicht opernhaften Tendenz seiner Inszenierung. Sie unterstrich zweifellos die Qualität des Gesangs, mag hierin ihre Berechtigung haben, doch geht sie am Charakter des Werks vorbei.

[…] Zum Schluss verbeugen sich etwa 70 bis 80 Mitwirkende auf der Bühne und lassen sich vom stürmlischen Applaus des Publikums überschütten. Ein großer Abend, überwältigend in seiner Emotionalität, wurde gefeiert!“

Wolfgang Jansen: Ragtime. Viel gewagt – und alles gewonnen: eine grandiose Produktion! In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 176, Dezember 2015/Januar 2016, Seit 18-20.

„‚Ragtime‘, so heißen auch die „bittersüßen Geschichten aus dem New Yorker Leben“, die jetzt als Musical in deutscher Erstaufführung am Staatstheater Braunschweig zu sehen sind. Mit großem Erfolg.

Fast könnte man glauben, dass sich unter der Leitung von Operndirektor Philipp Kochheim im Schatten von Schauspiel und Oper mit der Hereinnahme des aufwendig gestalteten Musicals ein neuer, gewichtiger Schwerpunkt in Braunschweig bildet. Nach dem großen Erfolg mit ‚My Fair Lady‘ inszeniert Kochheim auch ‚Ragtime‘ mit üppiger Ausstattung, farbensatt und ganz im Stile des Broadways mit rasanten Tanznummern, englischen Songtexten und deutschen Dialogen und weitgehend mit Gästen, die gesanglich und tänzerisch im Musicalbereich zu Hause sind. Das hat Schwung und reißt mit, auch wenn besonders zu Beginn einige Längen nicht zu übersehen sind. Aber das liegt am Stück und nicht an der Inszenierung.

[…] Das alles ist nicht frei von überbordenden Emotionen. Philipp Kochheim macht jedoch keine Experimente, vermeidet Anspielungen auf tagespolitische Ereignisse und bleibt auch in der historischen Ausstattung ganz der Tradition verhaftet. Hervorragend. Der Broadway ist in Braunschweig angekommen.“

Hartmut Jakubowski: ‚Ragtime‘: Broadway in Braunschweig angekommen. In: Cellesche Zeitung, 7. Oktober 2015.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Kommentar

Die Österreichische Erstaufführung entstand in Kooperation mit den Staatstheatern Braunschweig und Kassel.

Empfohlene Zitierweise

„Ragtime“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/ragtime/

Letzte inhaltliche Änderung: 6. März 2022.