Perspektiven

Vier fachliche Zugänge zu einem gemeinsamen Ort

Das Uni-Haus lässt sich nicht aus nur einer Perspektive verstehen. Seine Geschichte, sein baulicher Bestand, seine technische Infrastruktur, seine möglichen Nutzungen und seine Bedeutung für die Universität sind eng miteinander verbunden.

Im Co-Creation-Lernlabor arbeiten deshalb vier Fachrichtungen am selben Gegenstand. Jede von ihnen bringt eigene Fragen, Methoden und Qualitätsmaßstäbe ein. Doch erst im Zusammenspiel lassen sich die unterschiedlichen Dimensionen des Hauses in ihren Zusammenhängen, Abhängigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten erfassen.

Empirische Kulturwissenschaft

Geschichte, Erinnerungen und Bedeutungen des Hauses

Die Empirische Kulturwissenschaft untersucht das Uni-Haus als historischen, sozialen und kulturellen Ort. Im Mittelpunkt stehen die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Hauses, persönliche Erinnerungen, Nutzungsspuren, überlieferte Dokumente und unterschiedliche Bedeutungszuschreibungen. Zugleich richtet sich der Blick auf die Gegenwart und die mögliche Zukunft des Ortes:

Welche Erwartungen und Vorstellungen werden mit dem Uni-Haus verbunden?

Welche Qualitäten werden ihm zugeschrieben?

Welche Spannungen oder Befürchtungen zeigen sich, wenn über seine künftige Nutzung gesprochen wird?

Studierende arbeiten mit archivalischen Quellen, Interviews, Medienanalysen, Objektuntersuchungen und Ortsbegehungen. Ihre Recherchen bilden die Grundlage für unterschiedliche Formen der Vermittlung – darunter eine Ausstellung im Herbst 2026 im Uni-Haus, in der Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des traditionsreichen Gebäudes miteinander verbunden sind.

Wirtschaftswissenschaften

Nutzungs-, Betrieb- und Finanzierungsszenarien

Die wirtschaftswissenschaftliche Perspektive untersucht, unter welchen organisatorischen, finanziellen und betrieblichen Bedingungen das Uni-Haus künftig genutzt werden könnte.

Im Wintersemester 2025/26 identifizierten und befragten die Studierenden unterschiedliche Anspruchsgruppen. Aus den ermittelten Bedürfnissen entwickelten sie erste Nutzungsszenarien – von einer behutsamen Weiterentwicklung des bestehenden Hauses bis zu umfangreicheren Ausbauvarianten.

Im Sommersemester 2026 wurden darauf aufbauend konkrete Geschäftsmodellvarianten entwickelt und bewertet. Die Studierenden untersuchten mögliche Formen der Finanzierung und Trägerschaft, entwarfen Abläufe für den laufenden Betrieb und entwickelten ein Excel-basiertes Planungstool, mit dem sich unterschiedliche Nutzungs-, Investitions- und Finanzierungsszenarien durchspielen und hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Tragfähigkeit vergleichen lassen.

Die Ergebnisse bilden keinen fertigen Businessplan. Sie zeigen vielmehr unterschiedliche Handlungsoptionen, Voraussetzungen und Abhängigkeiten auf und stellen Instrumente für die weitere Bewertung zur Verfügung. Gerade der Vergleich verschiedener Szenarien soll Denkräume öffnen und Entscheidungsgrundlagen für die weitere Entwicklung des Hauses schaffen.

Nachhaltige Technische Systeme (INATECH)

Szenarien für Energie, Infrastruktur und nachhaltige Versorgung

Die technisch-ökologische Perspektive untersucht, welche infrastrukturellen und energetischen Voraussetzungen eine zukünftige Nutzung des Hauses erfordert.

Studierende analysieren den baulichen und technischen Bestand, den Wärme- und Energiebedarf sowie Möglichkeiten einer nachhaltigen Weiterentwicklung. Dazu gehören unter anderem Fragen zur Gebäudehülle, zu erneuerbaren Energien, Wärmepumpen, Speicherlösungen und zur technischen Infrastruktur.

Auf dieser Grundlage entstehen unterschiedliche realisierbare Energie- und Infrastrukturszenarien. Sie berücksichtigen die besondere Lage des Hauses, die klimatischen Bedingungen, verschiedene Sanierungsgrade und unterschiedliche mögliche Nutzungsanforderungen. Komplexere technische Fragestellungen und Berechnungen werden darüber hinaus in Studienprojekten sowie Bachelor- und Masterarbeiten vertieft.

Architektur

Architektonischen Bestand weiterdenken und nachhaltig bauen

Die architektonische Perspektive untersucht das Haus als räumlichen Bestand und als möglichen zukünftigen Lehr-, Lern- und Begegnungsort.

Im Master Design Studio „Sch(l)auinsland“ des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), eines Kooperationspartners im Projekt, setzten sich Architekturstudierende im Sommersemester 2026 mit den bestehenden Räumen, ihrer Atmosphäre und ihren Veränderungsmöglichkeiten auseinander. Die Studierenden arbeiteten dabei eng mit den Ergebnissen und Daten der anderen Fachbereiche und entwickelten auf dieser Grundlage in mehreren Entwurfsteams unterschiedliche räumliche und bauliche Konzepte für mögliche zukünftige Nutzungen.

Dabei ging es um die Frage, wie mit dem vorhandenen Gebäude weitergebaut werden kann:

Welche räumlichen und atmosphärischen Qualitäten sollen erhalten bleiben?

Wo sind Umbauten, Erweiterungen oder neue Bauteile sinnvoll?

Welche Materialien können weiterverwendet werden?

Und wie lassen sich flexible Nutzungen, energetische Anforderungen und nachhaltiges Bauen miteinander verbinden?

Die entstandenen Entwürfe zeigen unterschiedliche Wege, den Bestand weiterzuentwickeln – von vergleichsweise behutsamen Eingriffen bis zu umfangreicheren räumlichen und baulichen Veränderungen. Gemeinsam ist ihnen die Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Gebäude, seiner Materialität und seinen besonderen räumlichen Qualitäten.

Zusammenspiel der Perspektiven

Die vier Perspektiven stehen nicht unabhängig nebeneinander.

Eine Nutzungsidee hat beispielsweise Auswirkungen auf Raumaufteilung, Energiebedarf, Organisation und Betrieb. Technische oder bauliche Entscheidungen können historische und atmosphärische Qualitäten des Hauses verändern. Umgekehrt beeinflussen Erinnerungen, Bedeutungszuschreibungen und Erwartungen, welche Entwicklungen als angemessen oder wünschenswert gelten. Finanzierungs- und Betreibermodelle entscheiden zudem mit darüber, wer das Haus künftig nutzen und mitgestalten kann.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit bedeutet deshalb mehr als den Austausch einzelner Ergebnisse. Entscheidend ist vielmehr, die Zusammenhänge, Abhängigkeiten und möglichen Widersprüche sichtbar zu machen und aufeinander zu beziehen.

Die einzelnen Fachperspektiven bleiben dabei erkennbar. Ziel ist nicht, Unterschiede einzuebnen, sondern sie produktiv aufeinander zu beziehen und daraus fachlich fundierte Entwicklungsoptionen entstehen zu lassen.

Vier Perspektiven – ein gemeinsames Projekt