Vorlesungen
Prof. Dr. André Johannes Krischer
Kommentar
1524 ging vom Schwarzwald aus eine Erhebung bäuerlicher Untertanen aus, die bis zum Sommer 1525 große Teile des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) erfasste. Unwillens, die als erdrückend empfundenen Abhängigkeiten zu dulden sowie Abgaben und Dienste weiter zu leisten, angespornt durch die Reformation und vernetzt durch den Buchdruck, bildeten sich zwischen Thüringen und dem Elsass, der Pfalz und Tirol bäuerliche Kampf- und Verteidigungsbündnisse (Haufen). Diese riefen entschiedene Gegenmaßnahmen der fürstlichen, städtischen und geistlichen Obrigkeiten hervor. Zwischen Mai und Juli 1525 schlugen der Schwäbische Bund und die Landsknechte des Herzogs Anton von Lothringen die bäuerlichen Haufen vernichtend. Es kam zu regelrechten Massakern.
Die Vorlesung schildert die komplexe Geschichte des Bauernkriegs und fragt zugleich danach, wie dieses Geschehen historisch einzuordnen ist. Der Bauernkrieg galt lange als Wegmarke in der deutschen Geschichte, als „Revolution des gemeinen Mannes“, die Ideen von Demokratie und Menschenrechten vorwegnahm. Zugleich schienen die Niederlagen auch das Ausscheiden der Bauern aus dem politischen Handlungsfeld zu besiegeln. Neueste Forschungen nehmen Abstand von solchen Großdeutungen und fokussieren stattdessen das konkrete, häufig widersprüchliche und gewaltsame Geschehen, das genau deswegen als Schlüssel zum Verständnis einer von umwälzenden Veränderungen strapazierten Gesellschaft dient. Insofern bietet die Vorlesung auch eine Einführung in die Geschichte der Frühen Neuzeit.
Die Vorlesung kann als Überblicksvorlesung Neuere Geschichte (16. bis 18. Jh.) besucht werden. Zu erbringende Studienleistung: Klausur, Dauer: ca. 90 Minuten
Literatur
- Gerd Schwerhoff: Der Bauernkrieg. Geschichte einer wilden Handlung, München 2024.
- Lyndal Roper: Für die Freiheit: Der Bauernkrieg 1525, Frankfurt a.M. 2024.
- Thomas Kaufmann: Der Bauernkrieg: Ein Medienereignis, Freiburg/Basel/Wien 2024.
Termin, Ort
Do 10 – 12 Uhr (c.t.); 24.04.25 – 24.07.25, Kollegiengebäude I/HS 1015
Prof. Dr. André Johannes Krischer, JProf. Dr. Elisabeth Marie Piller
Kommentar
Der Krieg in der Ukraine, das Ende des syrischen Bürgerkrieges und der Waffenstillstand in Gaza (Stand Januar 2025) haben auch bange Fragen nach der Ausgestaltung der jeweiligen Nachkriegszeiten aufgeworfen. Doch was prägt solche Nachkriegszeiten aus wissenschaftlicher Sicht? Welche besonderen Herausforderungen zeichnen sie aus und worin ähneln oder unterscheiden sie sich? Was und wie können wir aus historischen Nachkriegszeiten lernen?
In der interdisziplinär ausgerichteten Ringvorlesung „Nachkriegszeiten“ führen renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Freiburg und anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen in verschiedene Aspekte historischer Nachkriegszeiten ein. Während der Begriff
„Nachkriegszeit“ in Deutschland vor allem für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg steht, ist es das zentrale Anliegen der Ringvorlesung, die Eigenlogiken von Nachkriegszeiten von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart auszuleuchten. Einzelne Vorträge untersuchen dabei die militärischen und mentalen Demobilisierungen nach Kriegen, das Hineinwirken der Kriegsgewalt in die Nachkriegszeit, das Erleben und Handeln einzelner Akteursgruppen wie Veteranen, Frauen oder Kinder sowie die Herausforderungen des (Wieder-)Aufbaus – und nicht zuletzt auch des Erinnerns an Kriegs- und Nachkriegszeiten.
Die Auftaktveranstaltung findet in Form einer Podiumsdiskussion am 28. April 2025 um 19 Uhr in der Aula statt.
Literatur
- Ute Planert und James Retallack (Hrsg.), Decades of Reconstruction: Postwar Societies, State-Building, and International Relations from the Seven Years‘ War to the Cold War, Cambridge 2017
- Martin Conway, Pieter Lagrou and Henry Rousso (Hrsg.), Europe’s Postwar Periods – 1989, 1945, 1918: Writing History Backwards, London 2019.
Termin, Ort
Mi 18 – 20 Uhr (c.t.); 23.04.25 – 23.07.25, Kollegiengebäude I/HS 1098
Hauptseminare
Prof. Dr. André Johannes Krischer
Kommentar
In der Frühen Neuzeit kam es immer wieder zu gewaltsamen Unruhen bäuerlicher Untertanen. Der Bauernkrieg von 1524/25 war dafür nur ein besonders bekanntes, aber keineswegs das einzige Beispiel. 1549 kam es in England zu Bauernaufständen, 1572 im heutigen Slowenien, 1667 an der Wolga im Zarentum Moskau. 1653 erlebte die Schweizer Eidgenossenschaft einen Bauernkrieg, und einige Jahre zuvor hatten Bauernaufstände einen Anteil am Untergang der Ming-Dynastie in China. Auch das 18. Jahrhundert war von Bauernunruhen geprägt: wiederkehrend im südwestfälischen Wittgenstein und im vorderösterreichischen Hotzenwald oder bei den Kosaken im Ural (1773–75).
Was verband diese Unruhen und Aufstände? Welche Muster, Praktiken und Semantiken lassen sich identifizieren? Ist hier zu Recht von „Bauern“ die Rede, oder nivelliert der (deutsche?) Begriff vielmehr wichtige Unterschiede? Gab es epochentypische Strukturen, die Bauernunruhen wahrscheinlicher machten
– und gab es überhaupt eine globale Frühe Neuzeit? Mit diesen Fragen befasst sich das Seminar, das auch die Vorgehensweisen und Erkenntnisgewinne der vergleichenden Geschichtswissenschaft thematisiert. Die entsprechenden Methoden werden zu Beginn vorgestellt.
Zu erbringende Prüfungsleistung
- Das Abgabedatum für die Hausarbeit (15-20 Seiten) ist der XX.XX.2025.
- Mündliche Prüfungen (20 Minuten) nach individueller Absprache i.d.R. zwischen dem 28. Juli und dem 10. Oktober 2025.
Zu erbringende Studienleistung
- Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
- Referat/mündliche Präsentation, Dauer: ca. 30 Minuten
- Thesenpapier, Umfang: 5 Seiten
- Zwei Essays, Umfang: ca. 2 Seiten
Literatur
Ausgewählte Literatur wird über einen Online-Semesterapparat zugänglich gemacht.
Bemerkung / Empfehlung
Das Seminar kann als Masterseminar zur Komparativen Geschichte bzw. als Masterseminar zu einem Thema der Geschichte in diachroner Perspektive besucht werden.
Termin, Ort
Di 13 – 16 Uhr (c.t.); 22.04.25 – 22.07.25, Kollegiengebäude IV/HS 4429
PD Dr. Christian Kühner
Kommentar
Frankreich und Italien stellen zwei geographische Räume dar, in denen sich viele wichtige Ereignisse und Entwicklungen der europäischen Frühneuzeit abspielten. Das Seminar will die beiden Länder in der Zusammenschau betrachten, dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten und die politischen wie kulturellen Beziehungen zwischen ihnen in den Blick nehmen. Die Untersuchung soll mit einem kurzen Blick auf strukturelle Bedingungen (wie den Umstand, dass es zwar einen französischen, nicht aber einen italienischen Staat gab) und auf die mittelalterliche Vorgeschichte der französisch-italienischen Beziehungen (etwa in Form des avignonesischen Papsttums) beginnen. Anschließend werden der italienische Humanismus und seine Ausstrahlung nach Frankreich, wo ein eigener französischer Humanismus entstand, zu betrachten sein. Ähnliches galt für die kulturelle Bewegung der italienischen Renaissance, auf die bald danach die von der ersteren inspirierte französische Renaissance folgte; als berühmtester Ausdruck dieser Kulturbeziehung kann die Auswanderung Leonardo da Vincis nach Frankreich gelten. Problematischer verliefen die Beziehungen auf der politischen Ebene, nämlich in Gestalt der durch französische Gebietsansprüche in Italien ausgelösten Italienkriege. Die von Deutschland ausgehende Reformation wurde in Italien rasch unterdrückt, während in Frankreich eine protestantische Minderheit entstand. Während in Italien im mittleren sechzehnten Jahrhundert rasch die katholische Reform einsetzte, gelang es in Frankreich nicht, ein friedliches Zusammenleben von Katholiken und Protestanten zu organisieren; das Land versank für mehrere Jahrzehnte in den Bürgerkriegswirren der Religionskriege. Mit den beiden Medici-Königinnen Katherina und Maria, die ins französische Königshaus einheirateten, kamen neue italienische Kultureinflüsse nach Frankreich; im mittleren siebzehnten Jahrhundert wurde mit Kardinal Mazarin sogar ein Italiener französischer Regierungschef. Das mächtige französische Königreich griff auch im siebzehnten Jahrhundert (etwa in Gestalt des Mantuanischen Erbfolgekrieges) in die italienische Politik ein; auch gestaltete sich das Verhältnis zwischen Papsttum und französischer Monarchie spannungsvoll, etwa in Gestalt des Regalienstreits. Im achtzehnten Jahrhundert inspirierten die Ideen der Aufklärung, die in Frankreich von einer Reihe prominenter Denker vertreten wurden, auch aufklärerisches Denken in Italien. Während in Frankreich das Ancien Régime des späten achtzehnten Jahrhunderts sich durch politische Blockaden als reformunfähig erwies, existierten in Italien strukturell sehr konservative Gemeinwesen (wie der Kirchenstaat und die Republik Venedig) neben solchen (wie dem Großherzogtum Toskana), in denen die Ideen des aufgeklärten Absolutismus in die politische Praxis umgesetzt wurden. Den Endpunkt der Betrachtung wird das Zeitalter der Französischen Revolution bilden, die nicht nur zur Umgestaltung Frankreichs, sondern im Gefolge der Eroberung Italiens durch die Armeen Napoleons auch zur grundlegenden territorialen und gesellschaftlichen Neuordnung Italiens führte.
Zu erbringende Prüfungsleistung
- Das Abgabedatum für die Hausarbeit (15-20 Seiten) ist der 19. September 2025.
- Mündliche Prüfungen (20 Minuten) nach individueller Absprache i.d.R. zwischen dem 28. Juli und dem 10. Oktober 2025.
Zu erbringende Studienleistung
- Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
- Referat/mündliche Präsentation, Dauer: ca. 20 Minuten
- Thesenpapier, Umfang: ca. 2 Seiten
- Essay, Umfang: ca. 5 Seiten
Literatur
- Wolfang Altgeld u.a., Geschichte Italiens, Ditzingen, aktualisierte und erweiterte Ausgabe 2021.
- Peter Claus Hartmann, Geschichte Frankreichs. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 5. Aufl. 2015.
- Ernst Hinrichs (Hg.), Geschichte Frankreichs, Stuttgart 6. Aufl. 2014.
- Claudia Opitz–Belakhal (Hg.), Geschichte Frankreichs in Quellen und Darstellung, Bd. 1: Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution, Stuttgart 2013.
- Volker Reinhardt, Die Macht der Schönheit. Kulturgeschichte Italiens, München 2019.
- Volker Reinhardt, Geschichte Italiens, München 6. Aufl. 2023.
- Wolfgang Schmale, Geschichte Frankreichs, Stuttgart 2000.
Termin, Ort
Mo 16 – 18 Uhr (c.t.); 28.04.25 – 21.07.25, Wilhelmstraße 26/R 00 006
Proseminare
Dr. Maria Anna Weber
Kommentar
Das Proseminar setzt sich epochenübergreifend mit dem Phänomen „Versammlungen“ auseinander. Drei Ebenen einer vormodernen Versammlungskultur stehen dabei im Zentrum: Politische Versammlungen auf Herrschaftsebene, Konzilien und partizipative Versammlungsstrukturen auf lokaler Ebene. Anhand ausgewählter Versammlungsereignisse zielt das Seminar darauf ab, einen breiten Einblick in die Versammlungskultur der Vormoderne zu geben und Grundlagen zum Verständnis vormoderner Herrschafts- und Verfassungspraktiken zu legen.
NB: Es finden drei Zoom-Sitzungen zusammen mit der LMU München statt (Dr. Sandra Schieweck-Heringer/ Dr. Markus C. Müller; Teil des von der von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre geförderten Projekts
„Beyond Borders – Perspektiven für eine epochenübergreifende Lehre im Geschichtsunterricht“)
Zu erbringende Prüfungsleistung
- Das Abgabedatum für die Hausarbeit (12-15 Seiten) ist der 30. September 2025.
- Mündliche Prüfungen (20 Minuten) nach individueller Absprache i.d.R. zwischen dem 28. Juli und dem 10. Oktober 2025.
Zu erbringende Studienleistung
- Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
- Klausur, Dauer ca. 45-60 Minuten
- Referat/mündliche Präsentation, Dauer ca. 12-15 Minuten
- Thesenpapier, Umfang: ca. 2 Seiten
- Quelleninterpretation, Umfang ca. 2-3 Seiten
- Hausaufgaben (auch zum Tutorat, z.B. Zitieren, Bibliographieren, Anmerkungen)
Literatur
- Depreux, Philippe/Patzold, Steffen (Hg.), Versammlungen im Frühmittelalter (Ergänzungsband zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 141), Berlin 2023.
- Helmrath, Johannes, Weger der Konzilsforschung: Studien zur Geschichte des Konzils von Basel (1431– 1449) und anderer Konzilien. Ausgewählte Aufsätze, Bd.2 (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 132), Tübingen 2022.
- Manca, Anna Gianna/Westphal, Siegrid (Hg.), Repräsentation und Partizipation, Berlin (u.a.) 2024.
- Peltzer, Jörg/Schwedler, Gerald/Töbelmann, Paul (Hg.), Versammlungen und ihre Rituale: Repräsentationsformen und Entscheidungsprozesse des Reichs und der Kirche im späten Mittelalter (Mittelalter-Forschungen 27), Ostfildern 2009.
- Reinle, Christine (Hg.), Stand und Perspektiven der Sozial- und Verfassungsgeschichte zum römisch- deutschen Reich. Der Forschungseinfluss Peter Moraws auf die deutsche Mediävistik (Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 10), Affalterbach 2016.
Termin, Ort
Di 10 – 13 Uhr (c.t.); 22.04.25 – 22.07.25, Kollegiengebäude I/HS 1021
Dr. Philip Hoffmann-Rehnitz
Kommentar
Der Westfälische Friedenskongress, der seit 1644 in Münster und Osnabrück stattfand, sollte den seit 1618 andauernden Dreißigjährigen Krieg beenden. Nach langwierigen und ausgesprochen schwierigen Verhandlungen, die des Öfteren vor dem Scheitern standen, gelang dies schließlich 1648 auch mit dem Abschluss der Westfälischen Friedensverträge. Aber nicht nur aus diesem Grund kommt dem Westfälischen Friedenskongress eine historisch herausragende Bedeutung zu. Vielmehr war dieser und die Art und Weise, wie dort verhandelt und kommuniziert wurde, wegweisend für spätere Friedenkongresse und damit für die Möglichkeit, wie in der Moderne Kriege auf dem Verhandlungsweg und mit diplomatischen Mitteln beendet werden konnten (Leonhard 2023). Damit waren weitere, für die Geschichte des modernen Europas zentrale Entwicklungen verbunden wie die Ausbildung des Kriegs- und Völkerrechts oder der internationalen Diplomatie. Im Rahmen der Veranstaltung werden wir uns vor allem auf der Grundlage der ediert vorliegenden Akten zum Westfälischen Friedenkongress mit den Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, dem Verlauf sowie den unmittelbaren Folgen des Westfälischen Friedenskongresses, insbesondere mit der Verhandlungspraxis und wie sich das Leben während des Kongresses gestaltete, beschäftigen. Zudem werden weitere Friedenskongresse bis zum Wiener Kongress 1814/15 behandelt, um so den langfristigen historischen Wirkungen des Westfälischen Friedenskongresses nachzugehen. Schließlich führt die Veranstaltung in wichtige Arbeitstechniken und -praktiken sowie methodische und theoretische Grundlagen des Studiums der (Neueren) Geschichte ein.
Zu erbringende Prüfungsleistung:
- Das Abgabedatum (12-15 Seiten) für die Hausarbeit ist der 25. September 2025.
- Mündliche Prüfungen (20 Minuten) nach individueller Absprache i.d.R. zwischen dem 28. Juli und dem 10. Oktober 2025.
Zu erbringende Studienleistung:
- Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
- Klausur (ca. 90 Minuten)
- Referat/mündliche Präsentation (ca. 20 Minuten)
- Thesenpapier (ca. 1 Seite) Exzerpt (ca. 3 Seiten)
- Quelleninterpretation (ca. 2 Seiten)
- Hausaufgaben (auch zum Tutorat, z.B. Zitieren, Bibliographieren, Anmerkungen)
Literatur
- Sigrid Westphal: Der Westfälische Frieden, München 2015.
- Irene Dingel u.a. (Hgg.): Handbuch Frieden im Europa der Frühen Neuzeit / Handbook of Peace in Early Modern Europe, Berlin/Boston 2021.
- Jörn Leonhard: Über Kriege und wie man sie beendet. Zehn Thesen, München 2023.
- Birgit Emich: Geschichte der Frühen Neuzeit (1500-1800) studieren, 2. Aufl. 2019.
Termin, Ort
Di 13 – 16 Uhr (c.t.); 22.04.25 – 22.07.25, Peterhof/R 3
Joy Sheik, M. A.
Kommentar
Kriminalität begegnet uns jeden Tag, ob in Netflix-Serien oder Zeitungsberichten. Möglicherweise sind wir auch schon Zeugen oder Opfer krimineller Handlungen geworden – oder wir haben selbst welche begangen. Vielleicht sind wir ja schon einmal mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone gefahren oder haben im Internet eine Schattenbibliothek aufgerufen, um wissenschaftliche Literatur herunterzuladen. Das sind zwar keine strafrechtlichen Verstöße, aber trotzdem verbotene Taten, die sanktioniert werden können. Als Verbrecher*innen fühlen wir uns wahrscheinlich trotzdem nicht, wenn wir gegen Verkehrsregeln oder Urheberrechte verstoßen. Verboten war bis Ende der 1960er Jahre auch praktizierte Homosexualität zwischen Männern – allerdings unter Androhung von Gefängnisstrafen, in Westdeutschland wie der DDR. Heute sind die entsprechenden Gesetze aufgehoben und die Verurteilten von damals rehabilitiert. Kriminalität ist also zum einen nicht Wirklichkeit sui generis, sondern eine soziokulturelle Konstruktion, zum anderen ist sie historisch variabel. In der Frühen Neuzeit galten andere soziale und rechtliche Normen als heute, und mit Verhalten, das von diesen Normen abwich, ging man auf andere Weise um. Dieses Beziehungsdreieck von Normen, Devianz und Sanktionen steht im Mittelpunkt des Proseminars: Welches Verhalten war erwünscht und was wurde missbilligt? Wofür wurden Delinquenten eigentlich bestraft, wie und von wem? Das Thema dient zugleich als Einführung in die Arbeitsweisen der Neueren Geschichte.
Zu erbringende Prüfungsleistung
- Das Abgabedatum für die Hausarbeit (12-15 Seiten) ist der 15. September 2025.
- Mündliche Prüfungen (20 Minuten) nach individueller Absprache i.d.R. zwischen dem 28. Juli und dem 10. Oktober 2025.
Zu erbringende Studienleistung
- Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
- Klausur (45 Minuten)
- Referat/mündliche Präsentation (15 Minuten)
- Exzerpt (3 Seiten)
- Hausaufgaben (auch zum Tutorat, z.B. Zitieren, Bibliographieren, Anmerkungen)
Literatur
- Schwerhoff, Gerd, Historische Kriminalitätsforschung (Historische Einführungen Bd. 9), Frankfurt / New York 2011.
Termin, Ort
Mo 10 – 13 Uhr (c.t.); 28.04.25 – 21.07.25, Kollegiengebäude IV/Übungsraum 2
Übungen
Dr. Maria Anna Weber, Joy Sheik, Dr. Philip Hoffmann-Rehnitz
Kommentar
Zwischen Sommer 1524 und Sommer 1525 schien die Welt auf den Kopf gestellt zu sein: Bauern verweigerten die Abgabe von Zinsen und Abgaben, man verschloss die Ohren für geistliche Predigten und verlangte stattdessen die Verkündigung des wahren/reinen Evangeliums, und der ‚gemeine Mann‘ schloss sich in Gruppen und ‚Haufen‘ zusammen, um mal friedlich, mal gewaltsam seine Rechtsansprüche und Freiheiten gegen die Obrigkeiten durchzusetzen, die diese Bewegung schließlich aber niederschlagen und unterdrücken konnten. Diese als Bauernkrieg bezeichneten Ereignisse jähren sich nunmehr zum 500. Mal. Aus diesem Anlass finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die an den Bauernkrieg erinnern, und werden eine Flut an Publikationen zum Thema veröffentlicht. Während traditionell der Bauernkrieg vor allem als (gescheiterte) Revolution verstanden worden ist, verlangt eine Auseinandersetzung damit heutzutage nach neuen Erklärungen und Beschreibungen, aber auch nach neuen Formen der Geschichtsvermittlung.
Die Übung verfolgt insofern ein doppeltes Ziel: Zum einen führt sie in die Geschichte des Bauernkriegs von 1524/25 ein. Ein Schwerpunt liegt dabei auf der Frage, wie der Bauernkrieg historisch gedeutet und von der modernen Geschichtsschreibung bewertet worden ist, wie sich diese Deutungen veränderten und inwieweit sich im Rahmen des 500jährigen Jubiläums der Bauernkrieg von 1524/25 neue Deutungen und Narrative ergeben. Zum anderen beschäftigt sich die Übung damit, wie der Bauernkrieg vor allem im Rahmen von Ausstellungen vermittelt worden ist und inwieweit die 2025 an unterschiedlichen Orten stattfindenden Jubiläumsausstellungen hier neue Wege gehen, sowohl bei der Vermittlung der historischen Ereignisse und Zusammenhänge rund um den Bauernkrieg als auch bei deren Deutung.
Die Übung umfasst neben Sitzungen in Freiburg eine dreitägige Exkursion nach Oberschwaben, bei denen die beiden großen Jubiläumsausstellungen zum Bauernkrieg in Bad Schussenried und Memmingen besucht werden. Dies ermöglicht es, sich vor Ort damit auseinanderzusetzen, wie im Jahr 2025 der Bauernkrieg dar- und ausgestellt wird, welche Deutungen sowie (medialen) Mittel und Strategien der Geschichtsvermittlung hierbei angewendet werden, welche konzeptionellen Vorstellungen den Ausstellungen zugrunde liegen und wie diese umgesetzt werden. Die Übung kann demnach nur zusammen mit der Teilnahme an der Exkursion „Aufruhr und Freiheit: Der Bauernkrieg 1524/1525 in Oberschwaben“ besucht werden. Nähere Informationen zur Exkursion finden sich im KoVo unter Exkursionen und hier.
Der Besuch der Vorlesung „Der Bauernkrieg 1524/25. Ursachen, Handlungen, Deutungen“ wird empfohlen.
Zu erbringende Studienleistung
- Teilnahme (max. 4 Stunden Fehlzeiten)
- Referat, Dauer ca. 20 Minuten
- Thesenpapier, 2 Seiten
- Vorbereitende Textlektüre
Literatur
- Blickle, Peter: Der Bauernkrieg. Die Revolution des Gemeinen Mannes, München 2018.
- Roper, Lyndal: Für die Freiheit. Der Bauernkrieg 1525, Frankfurt 2024.
- Schwerhoff, Gerd: Der Bauernkrieg. Geschichte einer wilden Handlung, München 2024.
Termin, Ort
- Dienstag, 29. April 2025, 18 Uhr: Vorbesprechung und Einführung, Raum: 00016 Wilhelmstr. 26
- Freitag, 23. Mai 2025, 12 bis 18 Uhr, Raum 107 im Breisacher Tor
- Freitag, 4. Juli 2025, 12 bis 18 Uhr, Raum 107 im Breisacher Tor
- Zeitraum der Exkursion: 10.-12. Juli 2025, Vorbesprechung 05.05.2025,18-20 Uhr im Mediaraum 1, KG IV.
Dr. Maria Weber
Kommentar
Ein Leben nach dem Tod? Dies war für die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zeitgenossen keine Frage, sondern eine Gewissheit. Gerade jedoch die Aussichten darauf, nicht erst am Jüngsten Tag, sondern nach dem Tod Rechenschaft ablegen zu müssen und entsprechend den ‚guten und bösen Taten‘ gerichtet zu werden, veranlasste die Menschen dazu, ihr Seelenheil vorab zu sichern. In guten Werken, Stiftungen und dem Andenken an die verstorbenen Nächsten entwickelte sich eine Memorialkultur, die bis heute ihre Nachwirkungen zeitigt: Ob in gebauter Form, auf Ewig in Stein gemeißelt wie in Kapellen und Grabsteinen, festgehalten auf Pergament und Papier wie in Nekrologien oder Jahrzeitbüchern, tief vergraben oder konserviert auf Friedhöfen oder in Beinhäusern oder durch die klingende Münze in Ablässen oder guten Taten
– die Sicherung des eigenen Seelenheils über Memoria und gute Werke war in der Vormoderne allgegenwärtig und ist für uns heute noch auf vielfältigen Ebenen zu greifen.
Die Übung möchte sich diesem vielschichtigen Themenkomplex widmen und sich erarbeiten, wie sich Totengedenken und Seelenheil in Mittelalter und Früher Neuzeit ausgestalteten, ob und welche persistenten Strukturen feststellbar sind, welche Praktiken aktualisiert oder – besonders nach der Reformation – neu entwickelt oder beseitigt wurden.
Zu erbringende Studienleistung
- Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
- Referat/mündliche Präsentation, Dauer: ca. 10 Minuten
- Quelleninterpretation, 2-3 Seiten
- Mündliche Ergebnissicherung, Dauer; ca. 5 Minuten
Literatur
- Dieter Geuenich/Otto Gerhard Oexle (Hgg.), Memoria in der Gesellschaft des Mittelalters (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 111), Göttingen 1994.
- Schmid, Karl (Hg.), Gedächtnis, das Gemeinschaft stiftet (Schriftenreihe der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg), München/Zürich 1985.
Termin, Ort
Mo 14 – 16 Uhr (c.t.); 28.04.25 – 21.07.25, Kollegiengebäude I/HS 1140
PD Dr. Georg Eckert
Kommentar
Die Republik war in der Frühen Neuzeit zugleich Wunschraum wie Gruselkabinett, sie produzierte Hoffnungen und Entsetzen. Einerseits erzielten republikanische Gemeinwesen wie Venedig oder so manche Reichsstädte, wie die Vereinigten Niederlande oder das Cromwell’sche Protektorat spektakuläre politische, ökonomische und kulturelle Erfolge, andererseits galten sie als Orte liederlicher Ausschweifungen – weil ihnen, nur unterschiedlich zum Guten oder Schlechten gerechnet, die ordnende Hand eines unangefochtenen Monarchen, mithin die Substanz staatlicher Stärke fehle. Vordenker eines leidenschaftlich beschworenen Republikanismus hatten daher seit der Renaissance den Vorwurf einer verderblichen, unsteten Pöbelherrschaft abzuwehren. Sie entwickelten eine eigene politische Sprache, aber eben auch konkrete Realisierungsversuche einer Herrschaft, die damals „republikanisch“ genannt wurde und aus heutiger Sicht protodemokratische Elemente wie eine gewisse Gewaltenteilung, Freiheit und Gleichheit beinhaltete. In intensiver Quellenlektüre sollen charakteristische Varianten sichtbar werden, wie Zeitgenossen jeweils den Willen zur Republik und ihre Wirklichkeit thematisierten.
Zu erbringende Studienleistung
- Regelmäßige Teilnahme
- Referat/mündliche Präsentation, Dauer: ca. 20-25 Minuten
- Sitzungsprotokoll
- Schriftliche oder mündliche Ergebnissicherung
Literatur
- PETER BLICKLE / RUPERT MOSER (Hrsg.): Traditionen der Republik – Wege zur Demokratie, Frankfurt am Main 1998.
- MARTIN VAN GELDEREN / QUENTIN SKINNER (Hrsg.): Republicanism: A Shared European Heritage, 2 voll., Cambridge 2005.
- HELMUT G. KOENIGSBERGER (Hrsg.): Republiken und Republikanismus im Europa der frühen Neuzeit, München 1988.
- JOHN G. A. POCOCK: The Machiavellian Moment: Florentine Political Thought and the Atlantic Republican Tradition, Princeton/Oxford 22003.
- HELMUT REINALTER (Hrsg.): Republikbegriff und Republiken seit dem 18. Jh. im europäischen Vergleich, Frankfurt am Main 1999.
Termin, Ort
Block + Sa; 23.05.25 – 24.05.25 8 – 19 Uhr (c.t.), Kollegiengebäude IV/ Übungsraum 2
Exkursion
Prof. Dr. Jürgen Dendorfer, Prof. Dr. André Johannes Krischer, Dr. Philip Hoffmann-Rehnitz, Joy Sheik, Dr. Maria Anna Weber
Kommentar
Die Ereignisse rund um den Bauernkrieg jähren sich in diesem Jahr zum 500. Mal. Aus diesem Anlass finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt, darunter zwei groß angelegte Landesausstellungen in Bad Schussenried („UFFRUR! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/1525“) und in Memmingen („Projekt Freiheit – Memmingen 1525“). Der Besuch dieser Ausstellungen steht im Mittelpunkt der dreitägigen Exkursion nach Oberschwaben als einem der Zentren des Bauernkriegs. Die Exkursion sieht darüber hinaus historische Stadtrundgänge und die gemeinsame Erkundung von wichtigen Schauplätzen des Bauernkriegs, insbesondere in Ulm und Memmingen, vor. Vor allem im Rahmen des Besuchs der beiden Bauernkriegsausstellungen soll herausgearbeitet werden, wie heutzutage die Geschichte des Bauernkriegs thematisiert und vermittelt wird.
Die Teilnahme an der Exkursion setzt den Besuch der Übung „Geschichte ausstellen und vermitteln: Der Bauernkrieg von 1524/25“ oder den Nachweis über vertiefte Vorkenntnisse über die Geschichte des Bauernkriegs voraus, wie sie insbesondere durch den Besuch thematisch einschlägiger Lehrveranstaltungen erworben worden sind.
Die Zahl der Teilnehmer:innen ist beschränkt. Wer Interesse an der Exkursionsteilnahme hat, wird gebeten, sich möglichst frühzeitig, spätestens bis zum 15. April 2025, bei philip.hoffmann@geschichte.uni-freiburg.de zu melden. Organisatorische Fragen werden bei der obligatorischen Vorbesprechung am 5. Mai 2025 besprochen.
Zeitraum der Exkursion: 10. bis 12. Juli 2025
Zu erbringende Studienleistung
Referat (10-15 Minuten) mit Thesenpapier (1-2 Seiten) oder Exkursionsbericht (5 Seiten) oder Ausstellungsrezension (5 Seiten).
Termin, Ort
- Vorbesprechung: 05.05.25 18 – 20 Uhr (s.t.), Kollegiengebäude IV/Mediaraum
- Zeitraum der Exkursion: 10.-12. Juli 2025