Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Neuberufen: Prof. Dr. Marlene Walk

Freiburg, 05.08.2025

Warum arbeiten Menschen für Nonprofit-Organisationen? Diese und viele weitere Fragen untersucht Prof. Dr. Marlene Walk mit Blick auf Deutschland und die USA. Nach ihrem erfolgreichen Tenure-Track-Verfahren an der Universität Freiburg wurde sie im Sommer 2025 zur Universitätsprofessorin (W3) für Public- und Nonprofit-Management ernannt. Im Interview spricht Walk über Chancengerechtigkeit in der Wissenschaft, neue Forschungsakzente und erschwerte Bedingungen bei der Zusammenarbeit mit amerikanischen Projektpartner*innen. Sie war die erste Forscherin an der Universität, die sich erfolgreich für das neue Margarete von Wrangell-Programm für Juniorprofessorinnen beworben hat – und damit die Chance erhielt, in der Wissenschaft zu bleiben.

Portrait von Prof. Dr. Malene Walk
Prof. Dr. Marlene Walk. Foto: Jürgen Gocke / Universität Freiburg

Sie haben an der University of Pennsylvania in den USA promoviert und dann an der Indiana University in Indianapolis ein Tenure-Track-Verfahren durchlaufen. Im Januar 2023 sind Sie an die Universität Freiburg gewechselt – erneut auf eine Tenure-Track-Position. Wieso das?

Freiburg beheimatet einen der wenigen Lehrstühle für Nonprofit Management in Deutschland. Entsprechend selten werden akademische Positionen in diesem Fachgebiet neubesetzt. Meines Wissens nach war die Tenure-Track-Professur an der hiesigen Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftlichen Fakultät nach mehreren Jahren die erste ausgeschriebene Professur im deutschsprachigen Raum. Da ich schon länger nach Deutschland zurückkehren wollte, stand fest: Wenn, dann jetzt. Zumal klar war, dass es sich um ein Tenure Track mit hinterlegter W3-Professur handelt – und damit um eine langfristige Perspektive. Aufgrund meiner Erfahrung konnte ich ein verkürztes Verfahren durchlaufen.

Sie waren die erste Wissenschaftlerin der Universität Freiburg, die sich auf das neue Margarete von Wrangell-Programm für Juniorprofessorinnen beworben hat. Wie kam es dazu?

Die Initiative ging von Dr. Hana Fehrenbach aus, die heute als Postdoktorandin mit mir ein Tandem im Wrangell-Programm bildet. Obwohl wir uns nicht kannten, hat sie mich kontaktiert, mir das Programm – das ich ebenfalls nicht kannte – vorgestellt und mich davon überzeugt, einen Antrag zu stellen. Die Mitarbeitenden des Freiburg Research Services haben mich hierbei tatkräftig unterstützt.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus?

Hana Fehrenbach und ich haben Ziele für die Zeit während des Post-Docs entwickelt und versuchen diese im Rahmen gemeinsamer Forschung zu erreichen. Eines davon ist, ihre Kompetenzen im Bereich der Mixed-Method-Forschung zu stärken – also der Kombination von quantitativen und qualitativen Ansätzen. Da rein qualitative Forschungsstellen sehr selten sind, hilft ihr dieser Kompetenzgewinn, sich perspektivisch besser zu positionieren. Als Mixed-Method-Forscherin kann ich sie hierbei gut unterstützen. Vergangenes Jahr haben wir zudem ein Virtual-Issue-Papier veröffentlicht und arbeiten aktuell an einem zweiten Artikel, den wir bis Ende des Jahres einreichen wollen. Ob dieser allerdings noch während der Projektlaufzeit veröffentlicht wird, ist ungewiss.

Die Universität Freiburg strebt unter anderem danach, ein chancengerechter Ort zu sein und engagiert sich auf verschiedenen Ebenen gleichstellungspolitisch. Wie trägt das Wrangell-Programm zu Chancengleichheit in der Wissenschaft bei?

In unserem Fall wäre es so gewesen, dass Hana Fehrenbach, die neben einer nichtwissenschaftlichen Anstellung promoviert hat, ohne das Programm mangels Alternativen wahrscheinlich aus der Wissenschaft ausgeschieden wäre. Ich finde das Programm auch wichtig, da es einer frisch promovierten Frau Zeit gibt, die eigene Forschung voranzutreiben und sich mit Wissenschaft als zukünftiges Arbeitsfeld auseinanderzusetzen. Ob es die Sichtbarkeit der Postdoktorandin und des Lehrstuhls der Juniorprofessorin während der Projektphase stärkt ist aufgrund der langwierigen Publikationsverfahren ungewiss – eventuell kommt diese erst zeitverzögert.

Allerdings könnte das Programm etwas länger sein, vielleicht fünf anstelle von drei Jahren. Auch mit Blick auf die Chancengleichheit. Denn: Hier unterstützt wieder eine Frau eine Frau – und das, obwohl das sehr verantwortungsvolle und mitunter zeit- sowie arbeitsintensive Mentoring der Postdoktorandin in eine Phase fällt, in der die Juniorprofessorin primär forschen sollte. Gleichzeitig kann es eine wertvolle Erfahrung sein, eine Postdoktorandin zu begleiten.

Wie könnte es gelingen, mehr Frauen in der Wissenschaft zu halten?

Es braucht es einen strukturellen Wandel. Aus meiner Sicht sollte es zum Beispiel möglich sein, die Arbeit an der Promotion innerhalb der Arbeitszeit zu erledigen. Insbesondere für Mütter ist es aufgrund des Rollenwechsels nach Feierabend oder am Wochenende nach wie vor kaum möglich, in diesen Zeiten an Artikeln zu arbeiten. Bei Männern ist das meist anders. Insofern muss auch ein Umdenken von Führungspositionen stattfinden, damit sich Frauen durch die Mehrfachbelastung nicht kaputtarbeiten und der Wissenschaft abhandenkommen.

Die Universität Freiburg hat Sie vor Kurzem zur Universitätsprofessorin auf Lebenszeit berufen. Was hat sich damit für Sie verändert?

Es ist schön, endlich auf der W3-Professur angekommen zu sein. Eine große Veränderung ist, dass ich nun eine unbefristete Stelle innehabe, die mit mehr gestalterischen Freiheiten und finanziellen Ressourcen verbunden ist. Ich habe das Gefühl, einen Schritt aus dem akademischen Hamsterrad heraustreten zu können. Es ist jetzt in Ordnung, innezuhalten, nochmal anders über Forschung nachzudenken und zu überlegen: Was möchte ich die nächsten Jahre? Mit der zweiten Promotionsstelle, die ich gerade besetzt habe, kann ich auch nochmal Akzente für meine eigene Forschung setzen. Etwa, indem ich ein neues Forschungsprojekt starte, dass zu der neuen Richtung passt, in die ich gehen möchte.

Portrait von Prof. Dr. Malene Walk

„Perspektivisch werde ich mich zudem mehr auf Fragen der Nonprofit-Governance und Führung konzentrieren – wie können wir beispielsweise mehr Ehrenamtliche für die Vorstandsarbeit in Vereinen und Stiftungen gewinnen?“

Prof. Dr. Marlene Walk

Public und Nonprofit Management, Universität Freiburg

Wissen Sie bereits, welche das sein könnte?

Ich werde den Nonprofit-Sektor auch in Zukunft aus interdisziplinär und anhand quantitativer sowie qualitativer Methoden untersuchen. Zudem möchte ich diesen Forschungszweig in Freiburg mit neuen Programmen ausbauen und den Blick stärker auf den deutschen und deutschsprachigen Raum richten. Erste Projekte gibt es bereits: Für eine Studie anlässlich des Eurovision Song Contests 2025 habe ich Personen interviewt, die den Eurovision Song Contests als Freiwillige unterstützten, und das Freiwilligenmanagement im Zuge der Veranstaltung untersucht. Hierzu habe ich mit Kolleg*innen aus Freiburg, dem Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel / Schweiz und der Verantwortlichen für das Freiwilligenmanagement des schweizerischen Kanton Basel-Stadt zusammengearbeitet. Perspektivisch werde ich mich zudem mehr auf Fragen der Nonprofit-Governance und Führung konzentrieren – wie können wir beispielsweise mehr Ehrenamtliche für die Vorstandsarbeit in Vereinen und Stiftungen gewinnen?

Weswegen verschiebt sich Ihr Länderfokus?

Zum einen aufgrund meines neuen Standorts, zum anderen wegen der aktuellen Entwicklungen in den USA. Im Sinne bestmöglicher Forschungskontinuität habe ich nach meinem Wechsel Projekte mit amerikanischen Kolleg*innen fortgeführt und auch neue angestoßen. Die aktuellen Entwicklungen in den USA erschweren diese Arbeit allerdings.

Inwiefern?

Ich habe ein Projekt zum Thema „Racial Justice“ im Kontext von Bürgerstiftungen in den USA und es war relativ klar, dass wir all unsere Kommunikation über den Freiburger Zoom-Raum machen. Wir schreiben auch keine E-Mails mehr, da in den USA die Mails meiner Kolleg*innen, die alle an öffentlichen Universitäten arbeiten, durch den Freedom of Information Act eingesehen werden können. Und wir wollten keine der dortigen Kolleg*innen gefährden, weil wir „verbotene“ Worte wie Rassengerechtigkeit, Diskriminierung oder Diversität nutzen. Daher verwenden wir einen Messengerdienst. Da es aktuell eine große Vorsicht bei Organisationen gibt an Forschung teilzunehmen, konzentrieren wir uns bewusst auf die Veröffentlichung bisheriger Daten.

Margarete von Wrangell Juniorprofessorinnen-Programm

Mit dem neu aufgesetzten Margarete von Wrangell Juniorprofessorinnen-Programm unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) zusammen mit dem Europäischen Sozialfonds besonders qualifizierte Forscherinnen beim Übergang von der Post-Doc-Phase zur Lebenszeitprofessur. Das Prinzip: Juniorprofessorinnen können für drei Jahre eine frisch promovierte Wissenschaftlerin beschäftigen, um ihr Forschungsfeld weiter aufzubauen. Im Gegenzug erhält die Postdoktorandin eine Vollzeitbeschäftigung und die Möglichkeit, sich für eine fortgeschrittene Position wie Nachwuchsgruppenleiterin oder Tenure-Track- /Juniorprofessorin zu qualifizieren.

Kontakt

Hochschul- und Wissenschaftskommunikation

Universität Freiburg
Tel.: +49 761 203 4302
E-Mail: kommunikation@zv.uni-freiburg.de