Karrierewege

Was kommt nach dem Studium?
Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie viele verschiedene berufliche Optionen ein germanistisches Studium eröffnet, berichten auf dieser Seite verschiedene Alumni des Deutschen Seminars über ihre individuelle Berufslaufbahn.
Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie, wie Sie Ihre Zukunft im Bereich der Germanistik aktiv gestalten können!
Unsere Alumni

Bob Blume
Autor, Podcaster, Vortragsredner
Mein Studium der Germanistik, Anglistik und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gehört zu den prägendsten Zeiten meines Lebens. Besonders die intensive Beschäftigung mit der deutschen Literatur, Sprache und Sprachgeschichte hat mir nicht nur Freude gemacht, sondern wurde für alle späteren Tätigkeiten zur Grundlage. Dieses Studium war für mich mehr als die Vorbereitung auf den Lehrerberuf – es war eine Einladung, Texte zu verstehen, kritisch zu lesen und selbst in den Dialog mit Sprache zu treten. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, sollte nicht nur das spätere Berufsziel vor Augen haben, sondern den Moment genießen: Leidenschaftliches Interesse und die Bereitschaft, sich anzustrengen, sind die besten Begleiter auf diesem Weg.
Nach meinem Referendariat habe ich viele Jahre als Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg gearbeitet, zuletzt als Oberstudienrat am Windeck-Gymnasium in Bühl. Parallel dazu habe ich begonnen, über Bildung zu schreiben – zunächst in einem Blog, später in Büchern und Kolumnen für Medien wie SPIEGEL, t-online oder das Deutsche Schulportal.
Heute arbeite ich als Autor, Podcaster und Vortragsredner. Als @netzlehrer nutze die sozialen Medien wie Instagram, um Debatten über Bildung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für meine Arbeit wurde ich mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „Blogger des Jahres“, als einer von 15 „Young Thinkers“ beim Politikaward. Mein aktuelles Buch „Warum noch lernen?“ wurde SPIEGEL-Bestseller und beschäftigt sich mit der Frage, wie Schule in Zeiten von KI, Krise und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss.
Ab Herbst 2025 werde ich mich im Rahmen einer Promotion noch intensiver mit der Frage beschäftigen, wie sogenannte Future Skills und Metakompetenzen in der Bildung verankert werden können. Anfang nächsten Jahres werden meine Lieblingstätigkeiten – lesen und schreiben – in einem Debattenbuch für den Duden thematisiert.
Mein Tipp für Studierende: Lasst euch nicht von der vermeintlichen Zielgerichtetheit des Studiums einschränken. Genießt es, tief in Literatur und Sprache einzutauchen – diese Auseinandersetzung öffnet den Horizont und weitet den Blick für den späteren Beruf, auch dann, wenn es zunächst keine direkt Nützlichkeit verspricht.

Katharina Balthasar
Marketing-Managerin
Ein direkter Appell an alle Modalpartikel-Enthusiast*innen, Psycholinguistik-Fanatiker*innen und Syntax-Philosoph*innen:
Lasst euch nicht einreden, dass ein Linguistik-Studium nutzlos ist. Man könnte als junger Mensch wirklich meinen, es gäbe nur Ärzt*innen, Lehrer*innen und Künstler*innen auf der Welt. Oder hat irgendjemand schonmal in der Kindheit von den Eltern gehört: „Hey, die wird bestimmt mal eine Marketing-Managerin, guckt euch doch mal an, wie kreativ und kommunikativ die ist.“
Und TADAA: Genau das ist jetzt mein Beruf. Und wenn ich es mal so platt sagen darf, fühlt es sich eher an wie meine Berufung 😉 Wie ich’s ins Marketing geschafft habe? Ob ihr’s glaubt oder nicht: nur mithilfe der Sprachwissenschaft! Ich wusste schon immer, dass mich Sprachen interessieren. Ich war eine Leseratte, liebte Texte schreiben und Fremdsprachen lernen. Also habe ich mich für den Studiengang Anglistik entschieden. Im Nebenfach wählte ich diese kuriose „Sprachwissenschaft des Deutschen“. So richtig wusste ich selbst nach einigen Google-Versuchen nicht, was der Unterschied zwischen Germanistik und Sprachwissenschaften ist. Aber WOW! Die ersten Vorlesungen haben mich umgehauen. Alle meine Fragen, die sonst nur belächelt wurden, bekamen auf einen Schlag einen seriösen, wissenschaftlichen Rahmen! Wie konnte dieses Thema, das uns einfach ALLE betrifft, nicht mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft bekommen? Obwohl mir auch Literaturwissenschaften und Kulturwissenschaften viel Spaß machten, war ich von der Linguistik komplett verzaubert. Im Master habe ich deshalb dann auch Liguistik/Linguistics am Deutschen Seminar studiert.
Und Leute, wenn ich euch eines nahelegen darf: Wenn ihr Linguistik studiert, werdet ihr wahrscheinlich ständig hinterfragt.
Ich habe mir deshalb gedacht: Wenn ich eh schon was „sinnloses ohne Zukunft“ (laut einiger Angehöriger) studiere, dann lasse ich mir wenigstens den Luxus, genau die Kurse zu wählen, auf die ich gerade total Lust habe und die mich wirklich interessieren! Das große Privileg der Geisteswissenschaftler*innen, wie ich finde 😉 Im Bachelor habe ich einiges aus dem Themenbereich Psycholinguistik gewählt und auch gerne Kurse besucht, in denen die Gefahren oder Potenziale von Sprache untersucht wurden, wie die Darstellung alternativer Fakten in der Politik oder eben auch, wie Sprache im Marketing verwendet wird. Besonders in Erinnerung bleiben mir aber auch größere Projekte, in denen ich mich nicht nur theoretisch mit Sprache befasste. Ich würde euch generell raten, das Studium zu nutzen, um einfach mal vieles auszuprobieren. Für meine Bachelor-Arbeit assistierte ich bei einer psycholinguistischen Studie, in der das Leseverstehen von älteren und jüngeren Menschen untersucht wurde. Ich lernte, dass ich echt richtig gut mit anderen Menschen umgehen kann – und auch, dass man mich mit Programmieren jagen kann. Im Master hatte ich die riesengroße Ehre, an einer Eyetracking-Studie mit Spaziergänger*innen im Nationalpark Schwarzwald mitzuwirken. Bringt mich das irgendwie in meinem jetzigen Job weiter? Nein. War es eine absolut einmalige Herausforderung und eine großartige Erfahrung, die ich sofort wieder machen
würde? Ja. Und vielleicht noch wichtiger: Diese Feldarbeit hat in mir dann auch irgendwann (wahrscheinlich so beim dritten Nervenzusammenbruch während der Masterarbeit) den Zweifel aufkommen lassen, ob eine Doktorandenstelle wirklich das richtige für mich ist. Und die Forschung war etwas, worauf ich eigentlich gebaut hatte. Denn man weiß ja: Sprachwissenschaftler*innen können höchstens auf einen Job in der Forschung hoffen…
Als sich dann eine Lücke auftat zwischen der abgegebenen Masterarbeit und potenziellen Doktorandenstellen, sah ich auf Instagram das Unmögliche: Werbetexter-Praktikant*in gesucht -gerne Sprachenthusiast*innen oder Linguist*innen gewünscht! Wie bitte? Hatte gerade wirklich eine erfolgreiche Freiburger Online-Marketing-Agentur nach einer Linguistin gefragt? Und der Rest ist Geschichte! Wenn mich nicht das junge Team, die tollen Aufgaben und die Idee, mit meinem Wissen Wert für andere zu schaffen überzeugt hätten, dann hätten es wohl die flachen Hierarchien, die ultra-effizienten Prozesse und die Papierlosigkeit im Agenturleben geschafft. Es gab kein Zurück und ich habe mich mit genauso viel Inbrunst und Begeisterung ins Marketing gestürzt wie zuvor in die Sprachwissenschaft. Ich wurde nach ein paar Wochen Praktikum als Trainee und ein knappes Jahr später auch als Festangestellte übernommen. Ich fing als Werbetexterin an, merkte aber schnell, dass mich meine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse auch zur absoluten SEO Queen machten. Nach etwa drei Jahren ging es für mich dann vom schnelllebigen Agenturleben zum Inhouse-Marketing bei greenventory in Freiburg. Dieses mega coole SaaS-Unternehmen hilft unter anderem deutschen Kommunen, mithilfe digitaler Modelle die Energiewende voranzutreiben. Und so schnell kann man von „was macht man damit“ zu einer wahnsinnig sinnstiftenden und vollfüllenden Tätigkeit gelangen, die einem auch noch Spaß macht. Aufgrund persönlicher Umstände war ich jedoch nach Beginn der Tätigkeit einige Monate arbeitsunfähig und die Position wurde gefüllt (ich war noch in Probezeit).
Aber hey! Im Marketing wird immer händeringend nach sprachbegeisterten Leuten gesucht. Deshalb darf mich jetzt auf meine nächste Herausforderung als Marketing Managerin bei der Wirtschaftsregion Südwest freuen. Es bleibt hoffentlich spannend! Und bitte denkt dran: Niemand kennt sich vor dem Germanistik-Studium mit dem „Schwa“ oder Glottalverschluss aus. Und wahrscheinlich können die wenigsten etwas mit den Marketing-Begriffen „Keyword“ oder „Snippet“ anfangen. Und genauso wenig kann man sagen, welche bisher unbekannten Karrierewege und Themengebiete sich für euch noch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eröffnen, sobald ihr mal in der „Sprachszene“ gelandet seid.
Mein Rat: Macht genau das, was euch begeistert, dann bereut ihr in der Regel nichts und findet euren Weg besser als manch eine*r mit der perfekten Karrierestrategie.
Viel Erfolg!

Philippe Thelen
Schauspieler
Wer sich dazu entscheidet an meiner geliebten Alma Mater Germanistik zu studieren, spielt Roulette in einer Farbe: er kann nur gewinnen! Freiburg bleibt, ein Leben lang! Obwohl ich selbst aus einem kleinen Kuhdorf im Norden Luxemburgs mit 250 Seelen stamme, so gilt Freiburg für mich dennoch als meine Heimat – bis heute. Dort hatte ich fantastische Jahre, prägende Momente und Erfahrungen, fand Lebensfreundschaften und: den perfekten Studiengang.
Das deutsche Seminar in Freiburg ist einzigartig: ein vielfältiges Angebot an Vorlesungen und Seminaren, eine großartige Bibliothek, in der ich ganze Tage zugebracht habe und – vor allem – Professoren und Professorinnen der Extraklasse. In Freiburg lehrt man auf Champions-League-Niveau; wohin es mein geliebter Sportclub hoffentlich auch einmal schafft.
Ich selbst war zwei Jahre lang Hilfswissenschaftler bei dem wunderbaren Prof. Dr. Stefan Höppner und fühlte mich am Deutschen Seminar stets als Teil einer großen Familie. Ich werde meine Jahre im Breisgau nie vergessen, trage sie wie ein kostbarer Schatz an meiner Seite und immer, wenn ich in der „Heimat“ bin, ist der Gang zum Seminar die erste Amtshandlung.
Also nochmal in aller Kürze: wer Germanistik studieren möchte, so gehe er oder sie nach Freiburg: seid entschlossen, wissbegierig, offen, interessiert und lesesüchtig… denn, Freiburg bleibt, auf ewig!

Friederike Zoe Grasshoff
Redakteurin
Was haben Sie studiert?
Neuere deutsche Literatur, Französisch, Neuere und Neueste Geschichte auf Magister Artium.
Welche beruflichen Stationen haben Sie nach Ihrem Studium durchlaufen?
Ein Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung.
Was ist Ihr aktuelles Tätigkeitsfeld?
Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung im Wochenendressort.
Was blieb Ihnen von Ihrem Germanistikstudium am Deutschen Seminar in Freiburg besonders hängen?
Ausschweifende Lese-Séancen in der Bibliothek des Deutschen Seminars & die Diskussionen in den Kursen von Prof. Dr. Fred Lönker.
Was hat Ihnen besonders gefallen?
Dass es so viel Zeit und Raum dafür gab, Texte ganz genau zu lesen und zu besprechen.
Was war Ihnen bei Ihrer beruflichen Karriere nützlich?
Die lebenslange Liebe zum Lesen hilft nicht nur im Beruf, sondern auch nach Feierabend.
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