Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

PesquiPom

Pesquisa Pomerana – Forschung zum Pomerano Brasiliens

Göz Kaufmann

Es mag auf den ersten Blick überraschen, aber die letzten hinterpommerschen Varietäten weltweit werden in Brasilien gesprochen. In Europa, wo diese Varietäten ihren Ursprung haben, sind sie aufgrund der Vertreibung der Sprecher/innen als Folge des 2. Weltkriegs verloren gegangen. Das ehemalige Hinterpommern gehört heute zu Polen (hauptsächlich die Woiwodschaften Westpommern und Pommern). In den USA, wohin es die meisten Auswanderer im 19. Jahrhundert zog, war der Assimilationsdruck so groß, dass es in Wisconsin nur noch sehr wenige Sprecher/innen gibt, welche allesamt schon über 70 Jahre alt sind. Nur in Brasilien – dort aber gleich in mehreren Bundesstaaten – wird Pomerano, wie die hinterpommerschen Varietäten genannt werden, noch von etwa 250.000 Menschen gesprochen.

Um diese einmaligen und für die Forschung äußerst wichtigen Varietäten zu dokumentieren und zu analysieren habe ich seit 2017 386 Informant/inn/en in Brasilien und 15 Informant/inn/en in Wisconsin, USA gebeten, 61 portugiesische bzw. englische Stimulussätze ins Hinterpommersche zu übersetzen. Insgesamt sind das etwa 24.000 Übersetzungen. Daneben wurden auch etwa 26 Stunden vollkommen freier Gespräche aufgenommen. In Brasilien kommen 141 Informant/inn/en aus Rio Grande do Sul ganz im Süden des Landes, 115 aus Espírito Santo (dem Bundesstaat nördlich von Rio de Janeiro), 77 aus Rondônia (südwestliches Amazonasgebiet) und 53 aus Santa Catarina (dem Bundesstaat nördlich von Rio Grande do Sul). In der Stadt Pomerode in Santa Catarina, wo neben Pomerano auch eine hochdeutsche Varietät gesprochen wird, haben 60 Informant/inn/en mit pommerschem Hintergrund die 61 Stimulussätze auch in diese Varietät übersetzt.

Die Übersetzungsdaten sind schon fast vollständig in EXMARaLDA aligniert und transliteriert. Sie werden 2026, zusammen mit den noch nicht bearbeiteten freien Gesprächen, vom Archiv für Gesprochenes Deutsch (https://agd.ids-mannheim.de/index.shtml) am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim übernommen (https://www.ids-mannheim.de/). Dort befindet sich bereits das MEND-Korpus, also die vergleichbaren Übersetzungsdaten zum Plautdietschen von 321 Mennonit/inn/en, die ich zwischen 1999 und 2002 in den USA, Mexiko, Bolivien, Paraguay und Brasilien erhoben habe (vgl. Kaufmann 2018 und Kaufmann et al. 2023).

Bisherige projektrelevante bzw. projektbezogene Publikationen