Wie alles begann…

Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/vvuf_1900-1901_ws
| 1871 | Einrichtung eines selbstständigen Lehrstuhls für Chemie (Extraordinariat) an der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg1 |
| 1875 | Im Juni dieses Jahres ging das Extraordinariat für Chemie und Technologie in der Philosophischen Fakultät in ein Ordinariat über.1 |
| 1882 | Das neue Chemische Institut wurde in der Albertstraße bezogen.1 |
| 1898 | Dem Ordinariat für Chemie und Technologie wurde eine etatmäßige außerordentliche Professur für Physikalische Chemie angegliedert. Erster Professor für Physikalische Chemie in Freiburg wurde Prof. Dr. Georg Meyer (1857–1950). Er hatte Physik studiert und sich im Jahr 1890 bei Prof. Dr. Warburg in Freiburg habilitiert. |
| 1898–1925 | Amtszeit von Prof. Dr. Meyer. Seine schwerpunktmäßigen Arbeitsgebiete umfassten die Elektrochemie, die Kapillarität und die Radioaktivität. |
| 1910 | Ministerielle Genehmigung für eine selbstständige Naturwissenschaftliche Fakultät. Bis dahin waren das chemische Laboratorium der Medizinischen Fakultät, die Physik und die Chemie der Philosophischen Fakultät zugeordnet.1 |
Die Ära Von Hevesy und die Nachkriegsjahre
| 1926– 1934 | Prof. Dr. Georg von Hevesy (1885–1966) wurde der Nachfolger von Prof. Meyer, bei dem er 1908 seine Promotion verfasst hatte. 1922 entdeckte er mit Dirk Coster das chemische Element Hafnium. Hevesy gilt als „Vater der Nuklearmedizin“ und erhielt 1943 den Nobelpreis „für seine Arbeiten über die Anwendung der Isotope als Indikatoren bei der Erforschung chemischer Prozesse.“ Aufgrund der politschen Entwicklungen musste er Freiburg und Deutschland 1934 verlassen. Seit Juli 2014 erinnert ein Stolperstein vor dem Institut daran. Hier kommen Sie zu seiner „Nobel Lecture“. |

| 1935– 1942 | Prof. Dr. Walter Noddack (1893–1960) folgte von Hevesy auf den Lehrstuhl der Physikalischen Chemie. Seine schwerpunktmäßigen Arbeitsgebiete waren die Photochemie, die Radiochemie sowie die Röntgen-Spektroskopie. Gemeinsam mit seiner Frau Ida Noddack-Tacke (1896–1978) entdeckte er das chemische Element Rhenium. Ida Noddack-Tacke beschrieb in einer Analyse erstmals die Möglichkeit einer „Kernzertrümmerung“, was jedoch lange unbeachtet blieb. |
| 1942– 1963 | Prof. Dr. Reinhard Mecke (1895–1969) wurde im Jahr 1937 zunächst an den Lehrstuhl für Theoretische Physik an die Universität Freiburg berufen. Fünf Jahre später wurde er Direktor des Instituts für Physikalische Chemie. Er gilt als einer der Pioniere der Infrarot-Spektroskopie. |


| 1944–1963 | Während der Bombenangriffe auf Freiburg wurde das Institut in der Albertstr. 23a (früher Hebelstr. 28) teilweise zerstört. Das Institut wurde in der Folgezeit nach Wallhausen am Bodensee ausgelagert; die Forschungsarbeiten entsprechend dort weitergeführt. 1946 rief Prof. Mecke die „Tagung der Europäischen Molekülspektroskopiker“ ins Leben. |
| 1957 | Im Juni wurde unter der Federführung von Prof. Dr. Mecke das erste Fraunhofer-Institut in Freiburg, damals „Institut für Elektrowerkstoffe“ (IEW) (heute: IAF: Institut für Angewandte Festkörperphysik), gegründet. Mehr zur Gründung des Instituts finden Sie hier. Ab 1955 vergrößerte sich das Institut mit Prof. Dr. Wilhelm Maier (1913–1964), eigentlich Professor am Institut für Physik, und seiner Gruppe von Mikrowellen-Spektroskopikern. Sowohl Prof. Maier, als auch Prof. Dr. Franz Matossi (1902–1968), ein Festkörperphysiker, sollten Prof. Mecke vom Institut für Physikalische Chemie aus zum neugegründeten IEW folgen.2,3 |
Die 1960-er Jahre bis heute

| 1962 | Das Institutsgebäude in der Albertstraße 23a wurde um ein drittes Stockwerk erweitert. |
| 1965 | Neubau des Chemie-Hochhauses in der Albertstraße 21 für die Chemie III, die Organische Chemie, die Biochemie und die Physikalische Chemie |
| 1967– 1993 | Prof. Dr. Herbert Zimmermann (1928–2016) leitete in dieser Zeit den Lehrstuhl für Physikalische Chemie I. Seine schwerpunktmäßigen Arbeitsgebiete waren insbesondere die Untersuchung zwischenmolekularer Kräfte und die Quantenchemie. Nach seiner Berufung war Freiburg eine der ersten Universitäten, in denen turnusmäßig die Quantenchemie gelesen wurde. |
| 1970–1993 | Die Physikalische Chemie erhält einen weiteren Lehrstuhl (Physikalische Chemie II). Leiter wird Prof. Dr. Theodor Ackermann (1925–2005). Sein Forschungsschwerpunkt lag in der Biophysikalischen Chemie, besonders auf der physikalisch-chemischen Charakterisierung von Biopolymeren. |
| 1994–2008 | Prof. Dr. Gerd Kothe folgt Prof. Zimmermann auf den Lehrstuhl Physikalische Chemie I (1994–2008) und Prof. Dr. Peter Gräber folgt Prof. Ackermann auf den Lehrstuhl Physikalische Chemie II (1995–2012). |
| seit 2008 | Prof. Dr. Stefan Weber übernimmt den Lehrstuhl Physikalische Chemie I. |
| seit 2014 | Prof. Dr. Thorsten Hugel übernimmt den Lehrstuhl Physikalische Chemie II. |
Liste der Professoren
- Prof. Dr. Georg Meyer: Professor von 1898–1925
- Prof. Dr. Georg von Hevesy: Professor von 1926–1934
- Prof. Dr. Walter Noddack: Professor von 1935–1942
- Prof. Dr. Reinhard Mecke: Professor von 1942–1963
- Prof. Dr. Franz Matossi: Professor von 1956–1968
- Prof. Dr. Georg Karagounis: Professor von 1956–1968
- Prof. Dr. Herbert Zimmermann: Professor von 1967–1993
- Prof. Dr. Theodor Ackermann: Professor von 1970–1994
- Prof. Dr. Ernst Funck: Professor von 1968–1974
- Prof. Dr. Eduard Schmid: Professor von 1972–1988
- Prof. Dr. Dieter Siebert: Professor von 1984–1999
- Prof. Dr. Jürgen Heinze: Professor von 1987–2004
- Prof. Dr. Gerd Kothe: Professor von 1994–2008
- Prof. Dr. Peter Gräber: Professor von 1995–2012
- Prof. Dr. Thorsten Koslowski: Professor seit 2001
- Prof. Dr. Eckhard Bartsch: Professor 2004–2023
- Prof. Dr. Stefan Weber: Professor seit 2008
- Prof. Dr. Thorsten Hugel: Professor seit 2014
- Jun.-Prof. Dr. Fiona Kearns: Professorin seit 2025
Quellen und weiterführende Literatur
- Zahlreiche Unterlagen und Fotos stammen vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Freiburg. Prof. Dr. Peter Gräber hat in diesem Zusammenhang viele Informationen, auch aus dem Archiv der Universität Freiburg, zusammengetragen. Herzlichen Dank an dieser Stelle!
- 1 Arthur Lüttringhaus und Christamaria Baumfelder: Die Chemie an der Universität Freiburg i. Br. von den Anfängen bis 1920. In: Aus der Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Freiburg i. Br. Eduard Zentgraf (Hrsg). 1957, Verlag Eberhard Albert Universitätsbuchhandlung. S. 23–76.
- 2 Helmuth Trischler: Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik im Kontext der bundesdeutschen Forschungs- und Innovationsgeschichte: Ein zeithistorischer Essay. In: 50 Jahre Fraunhofer IAF. 1957–2007. Heller, Schneller, Stärker. 2007. S. 29-66.
http://www.iaf.fraunhofer.de/content/dam/iaf/documents/institutsprofil/iaf50_jubilaeumsschrift.pdf - 3 W. Lüttke und G.A.A. Nonnenmacher: Reinhard Mecke (1895–1969): Scientific Work and Personality. In: Journal of Molecular Structure 347 (1995) S. 1–18.
- John D. Cockcroft: George de Hevesy. 1885–1966. Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society, Vol. 13 (Nov. , 1967). S. 125–166. doi:10.1098/rsbm.1967.0007 1748-8494
- Peter Gräber (Institut für Physikalische Chemie): Institute und Seminare seit 1945. 550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Bernd Martin (Hrsg.). 2007, Band 5, Verlag Karl Alber Freiburg/München. S. 413–417.
- Peter Gräber: Die Entwicklung der Röntgenfluoreszenzanalyse und die Anfänge der Nuklearmedizin. Georg von Hevesy (1885–1966). In: 550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Bernd Martin (Hrsg.). 2007, Band 4, Verlag Karl Alber Freiburg/München. S. 188–191.
- Peter Gräber: Pionierarbeiten zur Infrarotspektroskopie. Reinhard Mecke (1895–1969). In: 550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Bernd Martin (Hrsg.). 2007, Band 4, Verlag Karl Alber Freiburg/München. S.192–194.
- Peter Gräber: Die Entdeckung des Rheniums und die Voraussage der Kernzertrümmerung. Walter Noddack (1893–1960) und Ida Noddack-Tacke (1896–1978). In: 550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Bernd Martin (Hrsg.). 2007, Band 4, Verlag Karl Alber Freiburg/München. S. 204–206.
- Siegfried Niese: Georg von Hevesy. Wissenschaft ohne Grenzen. 2009. Principal Verlag.
- Horst Stegemeyer: Wilhelm Maier (1913–1964). Sein Leben – Sein Wirken. Bunsenmagazin. 6/2013. Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie. S. 299–303.
- Manfed Zeidler: Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Physikalischen Chemie in Deutschland. Bunsenmagazin. 3/2008. Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie. S. 83–99.



