Solidaritätsbekundung
an die Betroffenen von sexualisierter Belästigung durch einen ehemaligen Mitarbeiter der Universität Freiburg
Hinweis: Diese Nachricht enthält Inhalte zum Thema sexualisierte Gewalt
Wir, die Mitarbeitenden des Studentischen Nachhaltigkeitsbüros, möchten ausdrücklich unsere Solidarität und unser Mitgefühl mit den betroffenen Studentinnen*, Mitarbeiterinnen* und Mieterinnen* zum Ausdruck bringen, die sexualisierter Belästigung durch einen ehemaligen Mitarbeiter der Universität Freiburg erfahren mussten. Seit 2009 hat dieser systematisch mehr als 800 Frauen* durch versteckte Kameras gefilmt: in Badezimmern und WCs, im Rahmen seiner Tätigkeit an der Universität sowie in Wohnungen, die er gezielt an Studentinnen im ersten Semester vermietete. Als Studienberater und Vermieter nutzte der Täter somit seine Machtposition und die damit einhergehenden Abhängigkeitsverhältnisse gezielt aus.
Wir sind traurig, wütend und zutiefst erschüttert über diesen Vorfall und ebenso darüber, wie unzureichend er bislang behandelt und aufgearbeitet wurde. Wir stehen an der Seite der Betroffenen und fordern die Universitätsgemeinschaft dazu auf, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen. Der Fall macht erneut deutlich, dass eine konsequente Auseinandersetzung mit strukturellen Formen patriarchaler Gewalt notwendig ist. Betroffene berichten, nach erlebter Belästigung allein gelassen worden zu sein und Unterstützung eigenständig organisieren zu müssen. Das Schutzkonzept der Universität hat in diesem Fall nicht gegriffen. Wenn Schutzmechanismen in konkreten Situationen versagen, wirft dies grundsätzliche Fragen nach der Wirksamkeit bestehender Strukturen im Umgang mit Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt auf. Auch wir als Studierende und Beschäftigte des Nachhaltigkeitsbüros sehen hier unser Vertrauen bezüglich der Schutzstrukturen an der Universität verletzt.
Als Studentisches Nachhaltigkeitsbüro halten wir es für zentral, dass nun strukturelle Veränderungen angestoßen und transparent kommuniziert werden. Die Universität hat angekündigt, ein neues Schutzkonzept zu entwickeln und externe Unterstützung bei der Aufarbeitung des Falles mit einzubeziehen. Entscheidend wird jedoch sein, dass auf Ankündigungen konkrete Maßnahmen folgen. Vertrauen kann letztlich nicht durch Worte allein zurückgewonnen werden, sondern muss durch nachvollziehbare Schritte, klare Verantwortungsübernahme und wirksame Verbesserungen im Schutz vor Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt wieder aufgebaut werden. Wir werden diesen Prozess aufmerksam beobachten und uns für Transparenz in der Kommunikation der weiteren Entwicklungen einsetzen. Zugleich möchten wir diesen Prozess aktiv unterstützen und uns im Rahmen unserer Möglichkeiten konstruktiv einbringen.
Wir danken allen Frauen* für ihren Mut und ihr Engagement, ihre Geschichten öffentlich zu machen. Unsere volle Solidarität gilt ebenso jenen Betroffenen, die sich nicht geäußert haben, sowie den verunsicherten Studierenden und Mitarbeitenden, die sich fragen, ob auch sie betroffen sein könnten.
Team des Studentisches Nachhaltigkeitsbüros
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*Die Kameras waren in Frauentoiletten installiert. Da auch z.B. nicht-binäre Menschen oder trans Männer diese teilweise verwenden, ist der Begriff Frau hier eventuell unzureichend.
Beratungsangebote:
Falls eine potenziell betroffene Person rechtliche Schritte einleiten möchte, besteht die Möglichkeit, eine erste Einschätzung über die kostenlose Rechtsberatung des StuRa einzuholen. Diese findet donnerstags von 10 bis 12 Uhr statt. Eine Anmeldung ist per E-Mail an info@stura.uni-freiburg.de möglich.
Frauenhorizonte (Beratungsstelle bei sexueller Belästigung) : 0761 2858585, info@frauenhorizonte-freiburg.de
Universitäre Ansprechpersonen bei Diskriminierung und Machtmissbrauch: protect@zv.uni-freiburg.de
Universitäre Ansprechpersonen bei sexueller Belästigung und Stalking: gleichstellungsbeauftragte@uni-freiburg.de
Psychologische Beratungsstelle des SWFR: 0761 2101269