Gesellschaftlicher Konsens in der digitalen Transformation
Wie soziale Medien den musikalischen Mainstream formen
Die zunehmende Digitalisierung gegenwärtiger Lebenswelten prägt nicht nur gesellschaftliche Großbereiche wie Wirtschaft, Bildung und Forschung in hohem Maße, sondern durchdringt grundlegend die Voraussetzungen, Möglichkeiten und Effekte alltäglichen Denkens und Handelns. Gerade soziale Mediendienste wie YouTube, Instagram und Facebook sind mittlerweile als Kommunikations- und Informationsumfeld auf breiter Ebene in der Bevölkerung etabliert. Neben ihrer Deutung als isolierte Echokammern oder als Mittel der Selbstinszenierung erweisen sich die digitalen Plattformen durch ihre vielfältigen Partizipationsoptionen als Orte, an denen gesellschaftlicher Konsens fortlaufend ausgehandelt wird. Wie soziale Medien damit zusammenhängende Prozesse der Kollektivbildung beeinflussen, lässt sich insbesondere an kulturellen Erzeugnissen und Praktiken mit großer sozialer Reichweite wie dem musikalischen Mainstream nachvollziehen: Als spezifische Form der Popularisierung von Ideen, Äußerungen und Darstellungen verstanden, steht der musikalische Mainstream in seiner Gesamtheit für gesellschaftlich dominierende Symboliken, Werthaltungen und Empfindungsweisen.
In diesem Sinne war der musikalische Mainstream bereits im Zeitalter der klassischen Massenmedien wie TV und Radio ein Ort der Artikulation und Aushandlung von gesellschaftlichem Konsens. Mit der Etablierung und Ausdifferenzierung sozialer Medien haben sich die Formen der Wahrnehmung, Bewertung und Aneignung musikkultureller Ausdrucksformen tiefgreifend verändert, was nicht ohne Folgen für die Art und Weise bleibt, wie Menschen übereinstimmende Werte und Emotionen in Bezug auf Musikprodukte und Starinszenierungen zum Ausdruck bringen.
Das Forschungsprojekt „Gesellschaftlicher Konsens in der digitalen Transformation“ setzt sich vor diesem Hintergrund zum Ziel, kommunikative Räume in sozialen Medien zu untersuchen, die − verstanden als Arenen der Artikulation von gesellschaftlichem Konsens − an der Formung des musikalischen Mainstreams beteiligt sind. Im Fokus der Analyse stehen Kommunikate von Mediennutzenden zu Musikprodukten und Starinszenierungen, konkret: Kommentare und Postings auf den Plattformen YouTube, Instagram und Facebook. Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Beforschung sozialer Medien als bedeutsamen Aushandlungs- und Erfahrungsraum, in dem sich Relevanzordnungen herausbilden, die kollektiv wirksam sind und über den medialen Kommunikationskontext selbst hinausreichen.
Thematisch und methodologisch orientiert sich das Projekt an den forschungspolitischen Schwerpunkten des Landes Baden-Württemberg „Gesellschaft im digitalen Wandel“ und „datengetriebene Forschung“.
Projektlaufzeit: 01.06.2025 bis 30.11.2026
Projektleiter: PD Dr. Christofer Jost, Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Projektmitarbeiter: Dr. Yorck Beese, Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Studentische Hilfskraft: Dina Chami
Hier finden Sie unsere forschungsethischen Leitlinien.